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Verschieben wäre vernünftig

Thema: Den Castor-Transport trotz der derzeitigen Coronalage durchzuführen, verbietet die Vernunft. Denn das Vorhaben könnte zur ungewollten Corona-Superspreader-Party werden.

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Der Ankunftshafen ist längst durchgesickert, der Zeitpunkt des Transportes auch. Das Spiel ist das gleiche wie im Frühjahr: Die Castor-Reise von der Atommüll-Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield über Norddeutschland bis ins südliche Biblis soll so lange wie möglich geheim gehalten werden, damit sich so wenig Kernkraftgegner wie möglich an die Gleise ketten können. Das Ergebnis ist auch immer das gleiche: Ein unschönes Katz- und Maus-Spiel zwischen Polizei und Protestler. Den Kampf um Castor-Transporte kennt man so seit Jahr und Tag. Corona aber bestimmt die Spielregeln neu.

Im Frühjahr siegte hier noch die Vernunft. Angesichts der Pandemie wurde der sorgsam ausgearbeitete Transport gestoppt. Das gesundheitliche Risiko schien zu groß zu sein.

Jetzt, da die Infektionszahlen schneller nach oben schießen, als dies damals der Fall war, wird dem politischen Willen zur Umsetzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Bundesrepublik eine höhere Priorität eingeräumt. Dabei sollte doch allen Beteiligten bewusst sein, dass die Aktion kein Kaffeekränzchen wird. Wenn große Einheiten von Polizisten aus verschiedenen Regionen in Massenunterkünften übernachten müssen, wenn Aktivisten und Beamte aneinander geraten, kann der Transport sehr schnell in eine ungewollte Corona-Superspreader-Party ausarten.

Die Bedenken, die die niedersächsische Landesregierung äußert, sind daher mehr als nachvollziehbar. Innenminister Boris Pistorius (SPD) kann man nur beipflichten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist gut beraten, den Transport zu verschieben.

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