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Verlorene Schafe

Thema: Zahl der Kirchenaustritte auf Rekordniveau - Die Kirchen müssen zu den Menschen gehen und die frohe Botschaft dort verkünden, wo sich Menschen versammeln. Das könnte helfen.

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Immer mehr Schafe wenden sich von der Herde ab, und den Hirten gelingt es nur in den wenigsten Fällen, sie wie das verlorene Schaf im Lukasevangelium 15,1 bis 10 zurückzuholen.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben zusammen rund 540 .000 Mitglieder verloren. Das ist für die Kirchen alles andere als eine frohe Botschaft, die sie selbst aufgefordert sind, tagtäglich zu verkünden. Und vielleicht liegt darin schon einer der Gründe, warum so viele Menschen bedauerlicherweise ihrer Kirche den Rücken zuwenden. Denn haben sich beide Kirchen nicht viel zu oft viel zu weit von der Verkündigung Gottes Wort entfernt? Heben sie nicht zu oft den moralischen Zeigefinger und vergessen dabei das eigene Fehlverhalten?

Nein, damit sind nicht die Hirten vor Ort gemeint, die wertvolle Arbeit in der Verkündigung und in der Caritas, der zweiten großen Aufgabe der christlichen Kirchen, leisten und ohne deren segensreiches Wirken die Zahl der Austritte wohl noch deutlich höher wäre. Gemeint sind die Kirchenoberen. Die einen haben ihre Amtskirche längst zu einer rot-grünen Vorfeldorgansation gemacht und lassen, quasi die Krönung , beim Evangelischen Kirchentag in einem Workshop Vulven malen; die anderen haben den Missbrauchsskandal auch nach vielen Jahren noch immer nicht umfassend aufgearbeitet und scheinen darüber hinaus erst langsam zu begreifen, dass Kirche im 21. Jahrhundert ohne Frauen keine katholische, also allumfassende, Kirche sein kann. Und der Synodale Weg hat mit kräftigem Gegenwind von konservativen Bischöfen zu kämpfen. Ein so heftiger Gegenwind, dass am Erfolg Zweifel bestehen.

So, wie Menschen sich manchmal wieder auf sich selbst und auf das Wesentliche besinnen müssen, so sollten auch die Oberen der beiden großen christlichen Kirchen angesichts des dramatischen Mitgliederverlustes in sich gehen und offen und ehrlich nach den Gründen suchen. Es ist für die Kirchen gewiss nicht zu spät, Menschen zurückzugewinnen. Nur auf den alten Wegen wird es nicht funktionieren. Denn die meisten Menschen kommen nicht mehr - außer manche in größten Notlagen, andere an den kirchlichen Hochfesten - zur Kirche. Also müssen die Kirchen zu den Menschen gehen, müssen die frohe Botschaft, also das Evangelium, dort verkünden, wo sich Menschen versammeln. Bei dieser wichtigen Aufgabe, wie auch vielen anderen, bedürfen die Hirten vor Ort mehr der Unterstützung ihrer irdischen Vorgesetzten. Den Segen Gottes haben sie dafür ganz bestimmt.

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