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Vechtaer Stadtrat stellt Weichen für Bahnhofsquartier

Die Bauherrengemeinschaft will den Gebäudekomplex nicht nur für eigene Zwecke nutzen. Externe Firmen sollen Büroflächen anmieten können.

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Stilvolles Bauvorhaben an der Bahnlinie: Die Architektur des Gebäudekomplexes erinnert an die Speicherstadt in Hamburg. Die Giebelhäuser sollen durch eine durchgängige Tiefgarage miteinander verbunden werden.   Zeichnung: Architekturbüro Bocklage und Buddelmeyer

Stilvolles Bauvorhaben an der Bahnlinie: Die Architektur des Gebäudekomplexes erinnert an die Speicherstadt in Hamburg. Die Giebelhäuser sollen durch eine durchgängige Tiefgarage miteinander verbunden werden.   Zeichnung: Architekturbüro Bocklage und Buddelmeyer

Der Rat der Stadt Vechta hat die Weichen für das Bahnhofsquartier gestellt. So heißt das Großprojekt, das auf dem Gelände zwischen der Gustav-Heinemann-Straße und der Bahnstrecke umgesetzt werden soll. Dabei will die Bauherrengemeinschaft nicht nur zusätzliche Verwaltungsräume für den eigenen Bedarf schaffen, sondern auch Büros an andere Gewerbetreibende und Dienstleister vermieten.

"Alte Oldenburger" will ihren Standort sichern

Die Krankenversicherung "Alte Oldenburger" und das Architekturbüro Bocklage und Buddelmeyer stellten ihre gemeinsamen Pläne am Montagabend in der öffentlichen Sitzung des Stadtrats vor und stießen dabei auf breite Zustimmung. Die Ratsmehrheit sprach sich trotz des Widerspruchs aus einigen Fraktionen für einen Verkauf des städtischen Grundstücks sowie die Umsetzung des Projekts durch die Investoren aus.

Vorstandsvorsitzender Manfred Schnieders hatte den Politikern zunächst die Entwicklung der alteingesessenen Krankenversicherung verdeutlicht, die sich auf Wachstumskurs befindet und nach den Neu- und Erweiterungsbauten nahe des Kreisverkehrs an der Falkenrotter Straße nun ihre Fühler nach dem Nachbargrundstück ausstreckt. „Das wäre für uns die Chance, den Standort der 'Alten Oldenburger' langfristig zu sichern“, erklärte Schnieders.

Schulterschluss beim Großprojekt: Architekt Linus Bocklage (2. von links) und Manfred Schnieders (links) von der Alten Oldenburger präsentierten ihre gemeinsamen Pläne im Stadtrat.   Foto: SpeckmannSchulterschluss beim Großprojekt: Architekt Linus Bocklage (2. von links) und Manfred Schnieders (links) von der "Alten Oldenburger" präsentierten ihre gemeinsamen Pläne im Stadtrat.   Foto: Speckmann

In der Corona-Pandemie habe das Unternehmen gelernt, dass es inzwischen andersartige Büroflächen benötige, um Teamarbeit zu gewährleisten und moderne Projektarbeit durchzuführen, so der Vorstandschef weiter. Mit Blick auf den steigenden Raumbedarf sei in enger Kooperation mit Bocklage und Buddelmeyer ein Bebauungskonzept für das rund 6000 Quadratmeter große Grundstück entwickelt worden.

Auch das Vechtaer Architekturbüro will mehrere Räume des Neubaus für eigene Zwecke nutzen. Daneben soll reichlich Platz für externe Firmen bleiben, die auf der Suche nach Büroflächen sind und auf dem Immobilienmarkt keine alternativen Mietmöglichkeiten finden. Aufgrund der variablen Grundrisse ließen sich unterschiedlich große Bereiche gestalten, erläuterte Architekt Linus Bocklage.

Firmen können Konferenzräume gemeinsam nutzen

Was insbesondere kleinen Firmen entgegenkommen dürfte, ist die gemeinschaftliche Nutzung von Sanitäranlagen und Konferenzräumen. Die Bereiche in den Dachgeschossen könnten auch von außenstehenden Betrieben gebucht werden. Zu einem Ort für Konzerte oder sonstige Kulturveranstaltungen soll sich das Haus mit Rücksicht auf die Anlieger aber nicht entwickeln.

Der aktuelle Entwurf sieht einen 3-teiligen Komplex mit einer Nutzfläche von etwa 4000 Quadratmetern vor. Die Giebelhäuser erinnern an die Speicherstadt in Hamburg. Sie sind durch eine Tiefgarage mit 148 Stellplätzen miteinander verbunden. Die Erschließung soll über das Gelände der "Alten Oldenburger" erfolgen. Nach Angaben der Planer wird der Verkehr somit nicht durch die angrenzenden Wohngebiete geführt.

„Das ist ein sehr ansprechendes Ensemble an Gebäuden“, meinte Bernhard Schwarting. Er begrüßte die Absicht der Bauherren, Arbeitgeber vor Ort zu halten und ihnen Möglichkeiten zur Entwicklung zu bieten. Der Grüne hätte sich jedoch eines der anderen beiden Projekte gewünscht, wo der ökologische Aspekt mehr im Vordergrund stehen würde. Zudem hätte sich die "Alte Oldenburger" auch auf ihrem Gelände ausbreiten können.

Für Matthias Elberfeld (AfD) ist der Verkaufspreis von 210 Euro pro Quadratmeter zu niedrig. Er verwies auf das unweit entfernte Grundstück für die geplante „Senioreneinrichtung An der Gräfte“, wo die Stadt Vechta mehr als 400 Euro verlangt. Fachbereichsleiterin Christel Scharf wollte den Vergleich nicht im Raum stehenlassen. Sie hob den unterschiedlichen Nutzen für Wohn- und Verwaltungszwecke hervor.

Antrag auf Bürgerbeteiligung wird abgelehnt

Ratsherr Frank Hölzen (WfV) bezeichnete das Bauvorhaben zwar als optisch ansprechend und auch anwohnerfreundlich, doch nach seiner Auffassung müsste vor dem politischen Beschluss eine „echte Bürgerbeteiligung“ stattfinden. Die Anwohner aus der Umgebung sollten ihre Meinung zu allen 3 Bewerbungen um das Grundstück äußern können. Sein Antrag auf Vertagung wurde von der Ratsmehrheit abgelehnt.

Scharfe Kritik an der Vergabe gab es von Dr. Hartmut Koch. Er war in der Sitzung zwar nicht anwesend, ließ aber mehrere Gründe verlesen, warum er den Grundstückverkauf ablehnt. Nach seiner Auffassung gebe es schon reichlich Büroräume. Zudem sei es nicht Aufgabe der Stadt, "einer privaten Krankenversicherung aus der Verlegenheit zu helfen, Negativzinsen zahlen zu müssen und daher in Betongold auszuweichen", so der Sozialdemokrat.

Das Grundstück befindet sich zwischen der Gustav-Heinemann-Straße und der Bahnstrecke.   Skizze: Stadt VechtaDas Grundstück befindet sich zwischen der Gustav-Heinemann-Straße und der Bahnstrecke.   Skizze: Stadt Vechta

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) sprach von einem innovativen Projekt, „das die Stadt voranbringen kann“. Er stellte sich, wie die Mehrheit aus CDU, SPD und VCD, hinter den Entwurf, der schon vom Verwaltungsausschuss im Interessenbekundungsverfahren favorisiert wurde. Die städtischen Vorgaben sollen nun über die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans abgesichert werden.

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