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Unglaublich viel Potenzial

Thema: 15. Jahrestag des Transrapid-Unglücks – Heute wirkt die Anlage wie ein Mahnmal für die Toten und das Ende dieses umweltfreundlichen Verkehrsmittels.

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Freitag, 22. September 2006: Auf der Transrapid-Versuchsanlage im emsländischen Lathen ereignet sich ein schwerer Unfall. 23 Menschen sterben. Mit ihnen wird auch gleich die gesamte Technik beerdigt.

Damals raste eine Magnetschwebebahn in einen auf der Strecke stehenden Werkstattwagen. Ursache: Menschliches Versagen. Seitdem bewegt sich auf dem Gelände in Lathen nichts mehr. Wo einst mehr als eine halbe Million Besucher den Temporausch mit Geschwindigkeiten bis zu 450 Stundenkilometern erlebten, waren Touristenfahrten fortan verboten. Seit 2011 ruht der gesamte Testbetrieb, die Strecke wurde stillgelegt.

Dafür ist allerdings nicht das Unglück verantwortlich. Das haben Politik und Wirtschaft ganz alleine verbockt. Weder dem Bund noch den Entwicklern ThyssenKrupp und Siemens oder der einstigen Betreibergesellschaft IABG ist es gelungen, diese Technik ordentlich zu vermarkten. Rückblickend muss auch bezweifelt werden, ob überhaupt ein ernsthafter Wille vorhanden war.

Geräuschlos und nahezu emissionsfrei unterwegs

Fast 30 Jahre lang drehte das einstige Vorzeigeobjekt deutscher Ingenieurskunst – Erfinder war Hermann Kemper aus Nortrup im Nordkreis Osnabrück – seine Runden. Nicht nur geräuschlos, sondern auch nahezu emissionsfrei. Kommerziell vermarktet werden konnte der Transrapid dagegen nur einmal: Seit 2003 fährt er in Shanghai. 2008 scheiterte das letzte Projekt in Deutschland. Die geplante Trasse zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in München wurde wegen ausufernder Kosten gestoppt.

Vor Ort in Lathen wirkt die verwitternde Anlage mit ihren haushohen Betonpfeilern 15 Jahre nach dem Unglück wie ein Mahnmal für die 23 Toten. Und nicht nur das: Gleichzeitig ist es ein Industriedenkmal, das für das Ende eines umweltfreundlichen Verkehrsmittels steht, das unglaublich viel Potenzial hatte.

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