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Umgang mit Wolf sorgt weiter für Streit

Goldenstedts Bürgermeister Meyer und Landvolk begrüßen Bundesratsinitiative. Naturschützer gegen Bejagung. Auch der Landtag debattierte gestern erneut über das Thema.

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Wieder da: Der Wolf ist in Niedersachsen erneut heimisch geworden. Foto: M. Niehues

Wieder da: Der Wolf ist in Niedersachsen erneut heimisch geworden. Foto: M. Niehues

Haltern von Schafen bietet sich an manchen Orten ein grausiges Bild: Mit aufgeschlitzten Kehlen und blutverschmiertem Fell liegen tote Tiere auf der Weide. Häufig besteht der Verdacht, dass ein Wolf die Schafe gerissen hat. Auch in der Region gibt es diese Erfahrungen.

Doch wie soll das Land mit der steigenden Wolfspopulation umgehen? Darüber gibt es selbst innerhalb der Regierungsfraktionen von CDU und SPD keine ganz übereinstimmenden Ansichten, wie eine Debatte im Landtag gestern zeigte. Die FDP forderte, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Auf Ablehnung trifft das bei Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). „Das Jagdrecht hilft nicht und ist keine Lösung. Damit werden Erwartungen geweckt, den Wolfsbestand aktiv zu regulieren, die dann nicht erfüllt werden“, sagte Lies. Die Aufnahme in das Jagdrecht bedeute nicht, dass der Schutzstatus des Wolfes verändert werde.

In Niedersachsen gibt es laut Umweltministerium 20 Wolfsrudel mit insgesamt 170 bis 180 Tieren. Im Landkreis Vechta sind es nach Expertenschätzungen derzeit zwei Tiere. Wölfe sind durch EU-Regelungen und das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Lies verwies auf die Bundesratsinitiative zum Umgang mit dem Wolf, die Niedersachsen zusammen mit Brandenburg und Sachsen in der vergangenen Woche eingebracht hatte.

Der Bund soll demnach prüfen, wieweit sich Wölfe menschlichen Einrichtungen nähern dürfen. Auch die Möglichkeit, wolfsfreie Bereiche zu definieren, steht auf der Agenda. Für das Töten von auffälligen Wölfen soll es eindeutige Regeln geben. Und: Was die EU ausnahmsweise erlaubt, sollte auch nach deutschem Recht gestattet werden. So fehle im Bundesnaturschutzgesetz die Möglichkeit für Quotenabschüsse – unabhängig von aktuellen Schäden durch den Wolf.

Auf Zustimmung trifft das beim Goldenstedter Bürgermeister Willibald Meyer. Die Bundesratsinitiative sei „überfällig“, sagte er. Die Kehrtwende in der Wolfspolitik mache deutlich, „dass die Bedenken der Gemeinde Goldenstedt hinsichtlich der Verharmlosung der mit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland verbundenen Probleme durchaus gerechtfertigt“ seien. Durch die Lockerung des Abschussverbotes würden zwar nicht alle Probleme sofort gelöst, aber die Politik mache klar, „dass der Wolf keine ,heilige Kuh' ist“. Meyer sagte: „Der Wolf muss merken, dass der Mensch über ihm steht. Der Wolf hat sich unterzuordnen und nicht umgekehrt.“ Der Goldenstedter Rat hatte Ende 2017 in einer Resolution gegenüber dem Land eine Entnahme des Goldenstedter Wolfsrudels gefordert. Eine Entnahme kann – als letztes Mittel – auch den Abschuss bedeuten.

Die Bundesratsinitiative wird auch vom Kreislandvolk Vechta begrüßt. „Wir nehmen erfreut zur Kenntnis, dass die Landesregierung die Probleme der Weidetierhalter durch die stark wachsende Wolfspopulation nicht vergessen hat“, erklärte der Vorsitzende Dr. Johannes Wilking. Er fügte an: „Allerdings haben wir in den letzten Jahren viele wohlmeinende Worte gehört, gehandelt wurde durch die Landesbehörden in unserer Region aber nie.“ Die Besenderung des Goldenstedter Rudels sei mehrmals versprochen worden, aber bis heute nicht erfolgt. „Ankündigungen und warmen Worten müssen endlich auch Taten folgen“, sagte Wilking.

Auch der CDU-Abgeordnete Dr. Stephan Siemer(Vechta) sieht in der Bundesratsinitiative einen Fortschritt. Er verwies darauf, dass es in Deutschland bereits einen „hohen Wolfsbestand“ mit offiziell etwa 1000 Tieren gebe. Die Vermehrungsrate liege bei 30 Prozent. „Insofern würden wir Quotenabschüsse befürworten“, sagte Siemer. Und: Im Fall von verhaltensauffälligen Wölfen und einer Gefahr durch die Tiere für Menschen müsse der Abschuss möglich sein. Zur Bundesratsinitiative sagte Siemer: „Ich bin froh, wenn es kontinuierlich vorangeht und die Ziele umgesetzt werden, die wir bereist seit langem fordern.“

„Es gibt noch genug Platz für Wölfe in Deutschland"Ulrich Heitmann

Anders sieht es der Wolfsberater im Landkreis Vechta und Vorsitzende des Umweltschutzvereins Pro Natura, Ulrich Heitmann. „Im Moment gibt es noch genug Platz für Wölfe in Deutschland“, sagte er. In Niedersachsen sei noch kein Mensch von einem Wolf angegriffen worden. Heitmann plädierte für eine „für alle erträgliche Lösung“. Die Entschädigungszahlungen für Weidetierhalter, deren Schafe oder Rinder von Wölfen gerissen wurden, müssten weniger bürokratisch werden. Für den Schutz der Weidetiere müsse es vom Land mehr Geld geben.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mahnte mit Blick auf die Bundesratsinitiative in einer Mitteilung, dass auffälliges Verhalten von Wölfen „der absolute Ausnahmefall“ sei. Tiere, die für Menschen kritisches Verhalten zeigen, könnten auch unter der momentanen Rechtslage entnommen werden. Der Nabu-Vorsitzende der Kreisgruppe Vechta, Ludger Frye, sagte: Der Wolf gehöre auf keinen Fall ins Jagdrecht, weil dieses Abschüsse vorsehe. Es dürfe nicht Freizeitjägern überlassen werden, ob sich ein Schuss auf einen Wolf löse oder nicht.

Kreisjägermeister Rainer Fortmann plädierte angesichts der fortschreitenden Vermehrung des Wolfes, ihn ins Jagdrecht des Bundes aufzunehmen. Bis das Tier bejagt werden dürfe, würde es auch dann noch Jahre. dauern. Er sieht in Frankreich ein Vorbild. Dort gibt es Managementpläne – mit Festlegungen, wie viele Tiere pro Jahr entnommen werden können, ohne die Entwicklung zu gefährden.

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