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Über 50 Seiten Stellungnahme: NABU kritisiert E233-Ausbau

Die Naturschützer verweisen unter anderem auf zu alte Daten bei verschiedenen Untersuchungen. Sie lehnen den Ausbau weiterhin komplett ab.

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Symbolfoto: Archiv

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Über 50 Seiten umfasst die Stellungnahme des Naturschutzbundes zum Ausbau der E233 nördlich von Cloppenburg bis zur A1. Darin werden zahlreiche inhaltliche Fehler bei den Planungsunterlagen beklagt.

"Erhebliche Mängel weist die Verkehrswirtschaftliche Untersuchung von 2019 auf", erklärt Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalverbandes Emsland / Grafschaft Bentheim. "Unter anderem bezieht sich die Analyse auf das Jahr 2014 und ist damit schon sieben Jahre alt." Als Grundlage für die Prognose seien Daten aus der bundesweiten Straßenverkehrszählung von 2010 zugrunde gelegt worden, obwohl es bereits neuere Daten aus 2015 gibt.

"Und die Bemautung der E233 für Lkw seit dem 1. Juli 2018 ist nicht berücksichtigt", so Hübner weiter. Folglich könnten die Prognosedaten gar nicht stimmen. Diese seien aber eine wesentliche Grundlage für zahlreiche weitere Gutachten wie die Lärmprognose, die auch festlegt, wo und welche Schallschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, erklärt die Landschaftsarchitektin.

Bestände der Tierarten nicht richtig erfasst

Außerdem seien die Bestände der vorkommenden Tierarten nicht ausreichend erfasst, bemängelt die Naturschützerin. "Gastvögel wurden gar nicht kartiert, obwohl darunter Arten sind, die dem strengen Artenschutz unterliegen. Die Daten für Großsäuger sind mindestens neun Jahre alt und damit eindeutig veraltet."

Aktuelle Angaben zu Fledermäusen lägen zudem nur für einen Teilbereich vor. Und im Hinblick auf vorkommende Fischarten seien nur zwei Gewässer untersucht worden, obwohl zahlreiche weitere Gewässer von dem Bauvorhaben betroffen sind. „Deshalb ist das Vorhaben nach meiner Einschätzung, insbesondere aufgrund von Verstößen gegen das Artenschutzrecht zurzeit nicht genehmigungsfähig“, so Hübner. In jedem Fall seien – wie auch schon beim ersten Planungsabschnitt – weitere Bestandserfassungen erforderlich.

"Erforderlich ist jedoch stattdessen die Stärkung des Schienenverkehrs und des Öffentlichen Verkehrsnetzes, um Klima und Umwelt zu schonen."Stellungnahme des NABU

Wie berichtet, lehnt der NABU den geplanten vierstreifigen Ausbau ab. Unter anderem sei dieser klima- und verkehrspolitisch eine falsche Entscheidung. Durch den Ausbau werde das Verkehrsaufkommen erhöht. "Erforderlich ist jedoch stattdessen die Stärkung des Schienenverkehrs und des Öffentlichen Verkehrsnetzes, um Klima und Umwelt zu schonen", heißt es in der Stellungnahme.

Durch den Ausbau komme es zu erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft, zudem geht durch das Planungsvorhaben und die Flurbereinigungsverfahren eine große Zahl an landwirtschaftlichen Flächen verloren. "Die Nachfrage nach Flächen und der damit verbundene Preis für Kauf und Pacht ist bereits jetzt sehr hoch", sagt der Naturschutzbund. Das Vorhaben stelle daher eine erhebliche Belastung der Landwirte dar.

Durch das Vorhaben gehen nach Angaben der Naturschützer ebenfalls wichtige Flächen für die Naherholung der Anwohner verloren. Tourismus sei in der Region ein Wirtschaftszweig, der erklärtermaßen weiter ausgebaut werden soll. Durch die Überbauung naturnaher Flächen und der Verlärmung weiter angrenzender Bereiche entlang der Straße werde der Raum jedoch weiter an Attraktivität für Touristen verlieren.

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