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Tropfen auf heißem Stein

Thema: Wie geht es weiter mit Moria? – Merkel und Macron wollen 400 Minderjährige aus dem Flüchtlingslager aufnehmen. Eine genierliche Zahl. Humanitär ist etwas anderes.

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Nachdem Bundesregierung und Europäische Union am Mittwoch reichlich Krokodilstränen wegen des verheerenden Infernos in Moria vergossen hatten, folgt die humanitäre Erfolgsmeldung: Merkel und Macron nehmen 400 Minderjährige aus dem Flüchtlingslager auf.

Eine genierliche Zahl. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Scheinheilig wie die Europäische Union. Der Friedensnobelpreisträger von 2012 hat im Wesentlichen dazu beigetragen, dass das griechische Flüchtlingscamp überhaupt existiert. Zur Erinnerung: In den 90er wurde die „Festung Europa“ mit der Abschottungspolitik der EU aus der Taufe gehoben. Zunehmend erschwert wurde ein menschlicher und gleichzeitig europäischer Konsens zur Migrationsfrage durch das Dublin-Verfahren: Territorial angrenzende Staaten, in diesem Fall Südeuropa, sind nicht in der Lage, Menschenrechtsfragen allein zu lösen. Solidarität muss flächendeckend sein, sonst wirkt das Wort Union reichlich bigott. Dann der Gipfel des europäischen Pharisäertums: das EU-Türkei-Abkommen – das im Übrigen kaum umgesetzt wird. Das altbekannte Dilemma bleibt: echten europäischen Gleichklang zu erzeugen.

Es gilt weiterhin, den innerstaatlichen und transnationalen Scherbenhaufen der Migrationspolitik zu einem einheitlichen Mosaik zusammenzufügen. Die Friedensunion muss zu ihren ursprünglichen Werten zurückfinden, um nicht ins Lächerliche abzudriften. Menschenleben zu retten muss genauso wichtig sein, wie der Wiederaufbau eines verbrannten, gotischen Gotteshauses. Dafür sind ehrliche Solidarität und Kompromissbereitschaft nötig – nicht Schaumschlägerei.

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