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Tobias Gerdesmeyer will Landrat werden

(Update 21 Uhr) Lohnes Bürgermeister will sich für die CDU um das Amt im Kreis Vechta bewerben. Die SPD denkt über einen überparteilichen Kandidaten nach.

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Bewirbt sich um die Nominierung für die Wahl des neuen Landrates durch die CDU: Tobias Gerdesmeyer, amtierender Bürgermeister der Stadt Lohne. Foto: Timphaus

Bewirbt sich um die Nominierung für die Wahl des neuen Landrates durch die CDU: Tobias Gerdesmeyer, amtierender Bürgermeister der Stadt Lohne. Foto: Timphaus

Lohnes amtierender Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer will neuer Landrat im Landkreis Vechta werden. Der 46 Jahre alte Jurist gab am späten Dienstagabend bekannt, dass er sich um die Nominierung seiner Partei, der Christlich demokratischen Union (CDU), für die Nachfolge von Herbert Winkel bewerben wolle. Der 64-jährige Amtsinhaber hatte am Montag mitgeteilt, bei den Kommunalwahlen im Herbst 2021 nicht für eine neue Amtszeit kandidieren zu wollen.

In seiner Erklärung ging Gerdesmeyer auf die Herausforderungen ein, denen sich der Landkreis Vechta in den kommenden Jahren stellen müsse. „Wir stehen in vielen Bereichen vor wichtigen Transformationsprozessen“, sagte er und zählte die Landwirtschaft, die Automobilbranche, die Folgen des Klimawandels und die Digitalisierung vieler Lebensbereiche auf.

Gerdesmeyer warb für Innovationsfreude und Optimismus. „Wir sollten mutig und konsequent in unseren Entscheidungen sein und gleichzeitig daran arbeiten, die in der Gesellschaft vorhandenen Gräben zu schließen.“

"Ich würde gerne dabei mithelfen, gemeinsam mit ihnen gute Lösungen bei wichtigen Zukunftsfragen zu erarbeiten."Tobias Gerdesmeyer, Lohnes amtierender Bürgermeister und Bewerber um das Landratsamt im Landkreis Vechta

Der CDU-Politiker sagte, er wolle sich für einen „modernen, toleranten und technologiefreundlichen Landkreis Vechta einsetzen“, in dem sich „Südoldenburger Poahlbürger“ und Zugezogene, egal welcher Herkunft, gleichermaßen wohlfühlten. Er brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, mit dem Landkreis Cloppenburg „ein starkes Oldenburger Münsterland“ zu bilden, denn aus seiner Sicht könnten viele Zukunftsthemen nur gemeinsam als Region gemeistert werden.

Gerdesmeyer ist seit dem 1. Januar 2012 Bürgermeister von Lohne. Die Wahl 2011 gewann er mit 68,71 Prozent der gültigen Stimmen bei nur einem Gegenkandidaten. 2019 wiederholte er diesen Erfolg. Er setzte sich mit 89,15 Prozent gegen Holger Teuteberg (AfD) durch.

Der gebürtige Lohner ist verheiratet mit Kerstin Gerdesmeyer, die Richterin am Amtsgericht Bersenbrück ist. Zusammen hat das Ehepaar drei Kinder.

Gerdesmeyer ist unter anderem Vorsitzender der Musikschule Lohne und stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Vechta des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB).

Gerdesmeyers Bewerbung setzt andere Kandidaten unter Druck

Für die CDU kommt die Kandidatur des Lohner Bürgermeisters offensichtlich überraschend. Bei der ersten Sitzung des neu gewählten Kreisvorstandes am Dienstagabend sei das Thema Landratswahl nur am Rande angesprochen worden, erklärte der Vorsitzende André Hüttemeyer gestern. Am Mittwoch verständigte sich die CDU noch einmal auf das Verfahren. Wer sich für die Partei als Landratskandidat bewerben will, muss sich demnach bis zum 27. September 18 Uhr per Mail an huettemeyer@cdu-vechta.de erklären.

„Sollte es bis dahin nur einen Bewerber geben, führen wir eine Delegiertenwahl durch, sonst eine Urwahl, erklärt Hüttemeyer das Prozedere. Der oder die Bewerber müssen sich dann am 28. September beim Kreisvorstand vorstellen und danach bei der Kreisfraktion. Die kurze Bewerbungsfrist erklärt der Kreisvorsitzende damit, dass „für das Amt ja nicht ganz so viele Kandidaten infrage kommen“. Diese hätten „sich lange genug darauf einstellen können“. „Ich glaube, das geht jetzt ganz schnell“, sagte Hüttemeyer gestern.

Einer, der als potenzieller Kandidat neben Gerdesmeyer oft im Gespräch war, ist Tobias Averbeck (40/CDU). Der amtierende Bakumer Bürgermeister winkt aber ab. „Ich habe andere Prioritäten“, sagte er gestern. „Für das Landratsamt dürfen sich gerne andere positionieren.“. Er habe Gerdesmeyer bereits telefonisch gute Wünsche übermittelt.

Sam Schaffhausen aus Vechta, Kreisvorsitzender der Sozialdemokraten (SPD), sieht die bevorstehende Landratswahl vor allem als Personenwahl an. Deshalb sei die SPD in „dem Superwahljahr“ offen für ein überparteiliches Bündnis. Die Einigung auf einen Kandidaten könne zeigen, dass es ein Landrat für alle sei. Die Kandidatenfrist bei der CDU hält er jedoch für zu kurz. „Jetzt erst beginnen die Gespräche mit den anderen Parteien. Man muss sich schon die Zeit nehmen und abwägen“, sagte er gestern.

Auch von den Grünen wird es offensichtlich keinen Gegenkandidaten geben. Eine solche Kandidatur bezeichnete Kreistagsmitglied Josef Diersen (Bündnis 90/Die Grünen) aus Visbek gestern als „vermessen“. Er bedauerte, dass Herbert Winkel „nicht noch eine Periode weitermacht“. Dieser habe aus umweltpolitischer Sicht zuletzt die richtige Richtung eingeschlagen.

Die UWG will sich mit der SPD abstimmen

Sollte Gerdesmeyer dies so weiterverfolgen, sei er möglicherweise schon ein Kandidat, mit dem er sich anfreunden könne. „Es kommt einiges auf den neuen Landrat zu“, sagte er gestern. Es gelte, aus der Corona-Krise die richtigen Lehren zu ziehen und die Bedrohung durch den Klimawandel zu erkennen. Nötig sei eine grüne Politik, die sich gegenüber den enormen Widerständen aus Wirtschaft und Fleischindustrie durchzusetzen wisse.

„Wir werden mit Sicherheit keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“, sagt Heinrich Luhr von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) aus Steinfeld. Der Vorsitzende der Kreistagsfraktion will sich hier zunächst mit der SPD beraten, welchen Kandidaten die UWG möglicherweise unterstützt.

Der Kreisvorsitzende der Alternative für Deutschland (AFD), Holger Teuteberg aus Lohne, kann sich Gerdesmeyer als Landrat gut vorstellen. „Die Zusammenarbeit hat immer gut funktioniert“, sagte er gestern. „Es gibt aber auch andere gute“ Kandidaten, ist er überzeugt. „Auch die SPD hat in ihren Reihen gute und schlaue Köpfe“.

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