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"The black king matters!"

Kolumne: Auf ein Wort - Einer der Heiligen Drei Könige soll Schwarz gewesen sein. Nun gibt es deswegen eine Rassismus-Debatte. Pater Karl Gierse hat da eine klare Meinung.

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Ich möchte mich selbst als Anti-Rassisten bezeichnen und unterstütze gerne alle, die sich gegen Rassismus einsetzen. Nicht verstehen kann ich allerdings die Kampagne, die nun schon seit Wochen gegen den schwarzen König an der Krippe und bei den Sternsingern geführt wird. Diesem "Bildersturm" verweigere ich meine Unterstützung.

Stattdessen fordere ich eine neue Bewegung: die „The black king matters“-Bewegung. Sie soll sich lautstark für eine faire Betrachtung der Figur des dunkelhäutigen Sterndeuters/Magiers/Königs aus Afrika einsetzen, der sich – der mittelalterlichen Legende nach - auf den Weg zur Krippe von Bethlehem gemacht hat.

Das, was wir (relativ) sicher über den Besuch der weisen Männer beim Kind in der Krippe wissen, steht im Matthäusevangelium. Dort heißt es sinngemäß: Als Jesus in Bethlehem geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten (also „Heiden“), um ihm zu huldigen (vgl. Mt 2). Das war wahrlich eine "frohe Botschaft" des Matthäus. Er brachte mit ihr zum Ausdruck, dass Jesus nicht nur für das auserwählte Volk auf die Welt gekommen ist, sondern auch für die "Heiden"! (Als Nachfahre germanischer Heiden bin ich dafür bis heute dankbar!)

"Preisfrage: Wie macht man deutlich, dass einer der Könige aus Afrika kommt?"Pater Karl Gierse

Darüber hinaus ist alles, was über die "Sterndeuter aus dem Osten" überliefert wird, schönes Rankwerk aus der Geschichte des Christentums.

Da die Bezeichnung "Magoi", die im griechischen Originaltext steht, verschiedene Übersetzungen zuließ, wurden aus den Sterndeutern irgendwann Könige. Sicherlich auch, weil schon im Alten Testament die Rede davon ist, dass Könige das Kind in der Krippe besuchen (vgl. Jes 60). Ja, und dass es derer drei waren, das schloss man messerscharf aus der Anzahl der (verbürgten) Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe!

Schließlich hatten die Menschen des Mittelalters eine geniale Idee: Die "Drei Könige" könnten doch die "Frohe Botschaft" verkörpern, dass Jesus nicht nur für einige Auserwählte in Israel auf die Welt gekommen ist, sondern für die gesamte Menschheit. Und diese lebte nach damaligem Wissen auf drei (sic!) Kontinenten: Europa, Asien und Afrika!

Preisfrage: Wie macht man deutlich, dass einer der Könige aus Afrika kommt? Die Künstler des Mittelalters waren der Ansicht, dass dies am besten durch eine dunkle Hautfarbe geschieht. Dieser Meinung schließe ich mich auch heute noch an!

Das ist die Entstehungsgeschichte des schwarzen Königs. Sie sollte man historisch-kritisch zur Kenntnis nehmen und - bei Bedarf - Kindern (und auch Erwachsenen!) erzählen. Den schwarzen König von der Krippe und bei den Sternsingern bilderstürmerisch zu verbannen, halte ich für völlig daneben! Denn: The black king matters!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonventes.
  • Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.

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