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Tablets an den Schulen: Wer soll die teuren Endgeräte bezahlen?

Der Kreis Cloppenburg berät, wie er Gymnasien, Förder- und berufsbildende Schulen digital aufstellen kann. Von Experten gibt es Lob für das Erreichte. Manche Frage aber bleibt offen.

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Online: Arbeiten im Internet wird auch für Kinder und Jugendliche immer wichtiger. Symbolfoto: Ebert

Online: Arbeiten im Internet wird auch für Kinder und Jugendliche immer wichtiger. Symbolfoto: Ebert

"Digitalisierung" ist das Wort der Stunde. Ein Beispiel: Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht der "digitale Aufbruch" vor allen anderen politischen Großbaustellen wie Klimaschutz, Gesundheit oder Europa.

Wie wichtig Digitalisierung gerade auch in der Schule geworden ist, hat die Corona-Pandemie in den vergangenen zwei Jahren gezeigt: Erst waren die Schulen monatelang geschlossen; seit dem Herbst wiederum verpassen viele Schüler quarantänebedingt für Wochen den Unterricht. Praktisch, wenn da mithilfe digitaler Technik der Anschluss nicht verpasst wird.

Doch damit auch zu Hause mitgepaukt werden kann – und damit schlecht kopierte Arbeitsblätter endgültig der Vergangenheit angehören – muss zunächst Geld in die Hand genommen werden. Viel Geld. Der Kreis Cloppenburg weiß das, immerhin ist er Träger von elf Schulen: vier Förderschulen mit insgesamt 751 Schülern; 3614 Jungen und Mädchen besuchen die vier kreiseigenen Gymnasien; die drei Berufsbildenden Schulen (BBS) wiederum bringen es auf satte 6580 Schülerinnen und Schüler. Insgesamt verantwortet der Landkreis damit die Beschulung von 10.946 Kindern und Jugendlichen zwischen Löningen und dem Saterland. Ober- und Grundschulen hingegen sind in Trägerschaft der Städte und Gemeinden.

Mit der neuen Strategie denkt der Kreis bis 2025 voraus

Untätig ist der Kreis in den vergangenen Jahren bei der digitalen Ausstattung der Schulen nicht gewesen, im Gegenteil: Experten stellen der Verwaltung jetzt im Rahmen der Sitzung des Schulausschusses des Kreistages ein gutes Zeugnis aus. Die Schulen seien "gut" und im Bundesvergleich "überdurchschnittlich" ausgestattet, sagte der Digitalexperte Harald Melcher, Geschäftsführer der Beratungsfirma m2more aus Berlin. Gemeinsam mit Stefanie Halfmann von der Detecon International GmbH aus Köln stellte er die in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung erstellte Digitalisierungsstrategie für die Jahre 2022 bis 2025 vor, den "Medienentwicklungsplan 2.0" (MEP).

Insgesamt rechnen die Autoren der Digitalisierungsstrategie demnach mit Kosten von gut 26 Millionen Euro, die bis zum Jahr 2025 auf den Kreis zurollen; pro Jahr wären demnach ab 2022 zwischen 6,2 Millionen und 7,2 Millionen Euro einzuplanen. Diese Angaben beruhen aber, wie es im MEP heißt, an mehreren Stellen auf Schätzungen sowie auf den bisher anfallenden Kosten. Sprich: Die tatsächlichen Aufwendungen des Kreises für die vorgeschlagenen Schritte könnten auch niedriger ausfallen – oder höher.

Smartboards haben in den vergangenen Jahren im Unterricht immer häufiger die Funktion der alten grünen Tafel übernommen. Im Kreis Cloppenburg könnten sie in einigen Jahren wieder verschwinden und ganz normalen Großbildschirmen Platz machen. Symbolbild: dpaSmartboards haben in den vergangenen Jahren im Unterricht immer häufiger die Funktion der alten grünen Tafel übernommen. Im Kreis Cloppenburg könnten sie in einigen Jahren wieder verschwinden und ganz normalen Großbildschirmen Platz machen. Symbolbild: dpa

Smartboards sollen durch Bildschirme ersetzt werden

Doch was heißt eigentlich "Digitalisierung" an Schulen? Bildlich gesprochen fängt diese unter dem Gehweg an und hört in den Händen der Schüler noch nicht auf. Also: Es geht um Leitungen zu und in den Schulen; um WLAN-Netze; um Software; um Endgeräte für Schüler, Lehrkräfte und die Verwaltungen; sowie um Betrieb, Service und Support. Ziel des MEP ist es, dass an den kreiseigenen Schulen einheitliche Standards gelten, weil diese angesichts der schnellen Entwicklungen im IT-Bereich "unabdingbar" seien, so Melcher. Zugleich müssten Ausstattung und Nutzung "professionalisiert" werden. Der MEP soll daher der Kreisverwaltung und dem Kreistag als Planungsgrundlage dienen.

Langfristig, so hieß es in der Sitzung vonseiten der Experten, sollten die zuletzt angeschafften Smartboards durch einfache Bildschirme ersetzt werden, die dann kabellos mit anderen Endgeräten verbunden werden könnten. Lehrkräfte sollten technisch mindestens so gut ausgestattet werden wie Schüler. Diese wiederum sollten weiterhin, so wird empfohlen, mit Tablets des Herstellers Apple arbeiten (iPad). An weiterführenden Schulen sollten diese "perspektivisch" um eine Tastatur und einen Digitalstift ergänzt werden.

Kaufen die Familien die Geräte, kommt es zum Durcheinander

Eine zentrale Frage ist unterdessen noch ungeklärt: Wer künftig die Tablets für die Schülerinnen und Schüler bezahlen soll. Die Autoren des MEP schlagen nach einer detaillierten Abwägung vor, dass der Kreis als Schulträger die Geräte kaufen und an die Eltern vermieten solle. So könne sichergestellt werden, dass alle Kinder und Jugendliche das gleiche Endgerät hätten. Das wiederum ist von großer Bedeutung für die problemlose Verbindung von schulischer Software und Support einerseits und dem Endgerät andererseits.

Kauft nämlich jede Familie ihrem Kind ein eigenes Endgerät, so die Warnung der Experten, seien die praktischen und rechtlichen Hürden sehr hoch. Werden die Tablets aber durch den Kreis angeschafft, kann dieser für Einheitlichkeit bei den Geräten sorgen – und die Kompatibilität von Software und Hardware sicherstellen.

Dafür fallen für den Kreis in diesem Fall immer wieder hohe Kosten an, schließlich müssen digitale Endgeräte regelmäßig ersetzt werden. Jeder Handybesitzer weiß das. Der MEP schlägt daher vor, dass die Familien der Schüler eine Mietgebühr zahlen sollen. Die genaue Höhe, Laufzeit und Fragen der Schadensregulierung müssten aber noch geklärt werden.

An Grundsatzentscheidungen fehlt es derzeit noch

Experte Melcher aus Berlin kritisierte an dieser Stelle ausdrücklich, dass es an "Grundsatzentscheidungen" von Bund und Land zur dauerhaften Finanzierung der Endgeräte für Schüler fehle. Auch der von ihm miterarbeitete MEP drängt darauf, dass das Land Niedersachsen "schnellstmöglich und im Konsens mit den kommunalen Spitzenverbänden" einheitliche Standards setzen müsse.

Wie wichtig eine funktionierende digitale Infrastruktur in den Schulen sei, betonte Melcher abschließend mit einem Vergleich. Die Zahl von 11.000 Nutzern, nämlich den Schülern und Lehrern der kreiseigenen Schulen, sei vergleichbar mit der eines Großbetriebes, erklärte der Experte und fügte in Richtung von Kreistag und Verwaltung an: "So sollten Sie das Thema ab heute betrachten!"

Doch dieses Appells scheint es nicht zu bedürfen: Die Ausschussmitglieder empfahlen dem Kreistag einstimmig, die Digitalisierung an den Schulen des Kreises entsprechend der Strategie des MEP "voranzutreiben und umzusetzen". Die Finanzmittel sind laut Kreisverwaltung dafür bereits eingeplant. Anfang März berät der Kreistag abschließend den MEP für die Jahre 2022 bis 2025.

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