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Synodalversammlung endet mit Eklat

Mehr Demokratie und Teilhabe: Auf dem Synodalen Weg ringen deutsche Katholiken um die Zukunft ihrer Kirche. Erste Pflöcke für Reformen werden eingerammt. Trotzdem gibt es am Ende des Treffens Ärger.

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Überrumpelt durch das abrupte Ende der Synodalversammlung: Die Präsidenten Bischof Georg Bätzing (links) und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Foto: Synodaler Weg / von Lachner

Überrumpelt durch das abrupte Ende der Synodalversammlung: Die Präsidenten Bischof Georg Bätzing (links) und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Foto: Synodaler Weg / von Lachner

Die Versammlung des Synodalen Weges ist am Samstag mit einem Eklat zu Ende gegangen. Die Versammlung musste kurz nach 15 Uhr wegen mangelnder Beschlussfähigkeit vorzeitig abgebrochen werden. Zuvor waren bereits Dutzende Mitglieder des Synodalen Weges während der laufenden Beratungen abgereist – darunter der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, sowie die Kardinäle Reinhard Marx (München) und Rainer Maria Woelki (Köln).

Bischof Georg Bätzing, Präsident des Synodalen Weges und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zeigte sich „ziemlich entsetzt“. Er selbst war es, der zuvor beantragt hatte, die Beschlussfähigkeit zu überprüfen. Dabei zeigte sich, dass zu wenige Delegierte da waren, als dass die Versammlung noch hätte Entscheidungen treffen dürfen.

In der Folge wurden die Beratungen sofort abgebrochen. Zwar standen bei dieser zweiten Synodalversammlung des Reformgremiums ohnehin keine finalen Abstimmungen an. Allerdings konnten konkrete Vorschläge etwa zur „Rechtswegegarantie“ sowie eine „Rahmenordnung“ für die Finanzen in den Bistümern nicht mehr in erster Lesung beraten und zurück in die Ausschüsse verwiesen werden. Das Procedere wird sich also bei diesen Themen zeitlich mindestens um ein halbes Jahr verschieben.

Am Samstagnachmittag schon nicht mehr dabei: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Foto: dpaDedertAm Samstagnachmittag schon nicht mehr dabei: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Foto: dpa/Dedert

Wie Bätzing im Anschluss sagte, hatte er die Prüfung der Beschlussfähigkeit beantragt, weil er verhindern wollte, dass später aufgrund unklarer Mehrheiten die Legitimität der Entscheidungen zu wichtigen Themen in Zweifel gezogen würde. Viele Teilnehmer des Synodalen Weges zeigten sich wütend und enttäuscht über den vorzeitigen Abbruch.

Weihbischof Wilfried Theising (Vechta) räumte ein, dies sei zwar ärgerlich. Weil aber der Zeitplan ohnehin vorgesehen habe, die – zwischenzeitlich bereits stark in Verzug gekommenen – Beratungen in der nächsten Stunde zu beenden, dürfe der Abbruch auch nicht überbewertet werden. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück und Vizepräsident des Synodalen Weges, sprach in einer ersten Reaktion hingegen von einem „Eklat“.

Unabhängig von dem abrupten Ende des Treffens zeigte sich die Leitung des Synodalen Weges zufrieden mit dem Fortschritt der Debatte über Kirchenreformen.

Er sei "unglaublich berührt", weil bei dem dreitägigen Treffen soviel geschafft worden sei, sagte Bätzing bei einer abschließenden Pressekonferenz. Er betonte: "Es ist kein Text abgelehnt worden." Bätzing lobte hoch engagierte Teilnehmer, die in sehr intensiven Arbeitstagen vieles auf den Weg gebracht hätten – so wurden 13 Texte in erster Lesung verabschiedet, in denen es etwa um mehr Beteiligung der Gläubigen, um Sexualmoral oder die Rolle von Frauen ging.

Osnabrücker Bischof Bode beschwört "Geist von Frankfurt"

Dabei waren viele Teilnehmer mit großen Bedenken nach Frankfurt gefahren – unter ihnen Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). "Die Stimmung war wirklich schlecht", räumte Sternberg am Samstag ein. "Wut und Ärger waren da." Auch Bätzing sprach von hoher emotionaler Anspannung vieler Synodaler angesichts der jüngsten Entscheidung aus Rom, mehrere Bischöfe im Zusammenhang mit dem Umgang mit Missbrauchsfällen im Amt zu belassen.

Doch am Ende der zweiten Synodalversammlung verspürte der Osnabrücker Oberhirte Bode dann doch wieder den "Geist von Frankfurt". Ist der Geist der Demokratiebewegung, für den etwa die Frankfurter Paulskirche steht, auch eine Chance für die katholische Kirche, die angesichts des Umgangs mit dem Missbrauchskandal auch von Gläubigen massiv kritisiert wird, die ihr bisher die Treue gehalten haben?

"Wir haben gezeigt: Synodalität geht", sagte Sternberg zum Abschluss des dreitägigen Treffens. Persönliche Angriffe seien trotz teilweise sehr unterschiedlicher Überzeugungen ausgeblieben. Bereits am Samstag hatte sich auch der einzige in Frankfurt anwesende Vertreter aus dem Oldenburger Land, Weihbischof Theising, gegenüber OM Online positiv über den Verlauf des Treffens geäußert.

Der Vertreter des Vatikans bekam Frust zu spüren

"Man darf Diskussionswege nicht abreißen lassen", sagte auch ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann. "Es ist nach wie vor ein großes Werben und Dringen." Geworben wird auch um Gehör aus Rom. So gab es bislang kein Gespräch des Vatikans mit ZdK-Vertretern – für Kortmann ein Anlass, den päpstlichen Nuntius Nikola Eterovic beim vorzeitigen Verlassen des Sitzungssaals noch an der Saaltür zurückzurufen: "Bitte gehen Sie noch nicht – Ihr Auto wartet", versicherte sie dem Botschafter des Vatikans, nachdem einige Teilnehmer bereits vor dem Schlussgebet zum Ausgang strebten.

Es wäre gut, wenn der Nuntius Papst Franziskus "von einer menschenfreundlicheren und partizipativeren Kirche berichten" würde, so Kortmann. "Es wäre sehr hilfreich, wenn es endlich ein Gespräch mit Rom gäbe, auf das wir so lange warten. Unsere Koffer sind gepackt. Wir fliegen mit Ihnen nach Rom." Und Briefe könne man übrigens auch beantworten, setzte die ZdK-Vizepräsidentin hinzu.

Für die Reformbewegung "Wir sind Kirche" ist der Prozess des Synodalen Wegs unumkehrbar. "Der Zug geht in Richtung Reformen und kann nicht mehr umgekehrt werden", sagte Christian Weisner vom Bundesteam der Kirchenvolksbewegung der Deutschen Presse-Agentur zum Abschluss der zweiten Synodalversammlung in Frankfurt. Problematisch sei das Verhalten des Vatikans.

"Das ist die letzte Chance."Christian Weisner von der Reformbewegung "Wir sind Kirche"

"Es ist völlig klar, dass wir in Deutschland nicht die Weltkirche verändern wollen und können, aber hier werden wichtige Lösungsansätze erarbeitet", sagte Weisner. Aufgrund des Abstimmungsverhaltens bei den ersten Lesungen der während der Synodalversammlung verlesenen Papiere habe er allerdings den Eindruck, dass die Mehrheit der Bischöfe die Entscheidungen mittrage. Dass der Synodale Weg kein Spaziergang sei, sondern "ein steiniger Weg", sei von vornherein klar gewesen, sagte Weisner. Es gebe allerdings keine Alternative für die Kirche. "Das ist die letzte Chance."

Die Synodalversammlung ist das Hauptgremium des derzeitigen Reformprozesses der deutschen Katholiken, des Synodalen Wegs. Dabei geht es um vier Themenfelder: die Position der Frauen in der Kirche, den Umgang mit Macht, die katholische Sexualmoral und die priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat). Am Ende des Wegs voraussichtlich im Jahr 2023 sollen konkrete Reformen stehen.

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