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Steuervorteile sollen CO₂-Ausstoß senken

Fünf Dammer Ortsteile sollen zu energetischen Klimaquartieren werden. Wenn es so weit ist, können Gebäudeeigentümer Sanierungsmaßnahmen bei der Steuer mit bis zu 100 Prozent geltend machen.

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Der Natur und Umwelt zuliebe: In fünf Dammer Ortschaften sollen Steuervorteile die energetische Sanierung von Gebäuden fördern. dpa/Klose

Der Natur und Umwelt zuliebe: In fünf Dammer Ortschaften sollen Steuervorteile die energetische Sanierung von Gebäuden fördern. dpa/Klose

Wenn sich der Dammer Stadtrat bei seiner am Dienstag (14. Dezember) um 18 Uhr in der Realschule beginnenden öffentlichen Sitzung einer Beschlussempfehlung des Ausschusses für Planung, Umwelt, Klimaschutz und Nachhaltigkeit anschließt, werden Hauseigentümer in Osterfeine, Rüschendorf, Dümmerlohausen, Klünenberg und Langenteilen demnächst Arbeiten zur energetischen Sanierung ihrer Gebäude mit bis zu 100 Prozent bei der Einkommenssteuer absetzen können.

Kreditanstalt hat Konzepterstellung gefördert

Der Rat wird voraussichtlich für jeden dieser fünf Ortsteile ein integriertes energetisches Quartierskonzept als Sanierungsgebiet festlegen, das wiederum große Teile des jeweiligen Ortsgebietes umfasst. Zudem dürfte der Rat die Stadtverwaltung beauftragen, einen Förderantrag für ein energetisches Sanierungsmanagement bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu stellen und Angebote für die Leistungen eines solchen Managements einzuholen.

Das Ziel der Ausweisung der Quartierskonzepte, deren Erstellung die KfW bereits mit 85 Prozent gefördert hat, ist es, durch die Sanierung von Gebäuden den Kohlenstoffdioxid- oder auch CO₂-Ausstoß sowie den anderer Treibhausgase in den Ortschaften deutlich zu senken. Insgesamt leben in Osterfeine, Rüschendorf, Dümmerlohausen, Klünenberg und Langenteilen rund 2500 Menschen. Es gibt laut einer Zählung knapp 840 Gebäude.

Büros haben Gebäudebestand analysiert

Im Vorfeld der Beratungen im Planungsausschuss hatten Mitarbeiter des Städteplanungsbüros DSK und des Büros KEEA (Klima und Effizienz Agentur) den Bestand an Gebäuden aufgenommen, diese durch Inaugenscheinnahme analysiert, teilweise mit Gebäudeeigentümern gesprochen und ein Konzept für das jeweilige Quartier aufgestellt. 

Jedes Konzept befasst sich unter anderem mit der Siedlungsstruktur und Bebauung des Ortes und enthält Vorschläge, wo Verbesserungen im Sinne von Energieeinsparungen möglich sind. KEEA-Mitarbeiter Stefan Schäfer teilte in dem Zusammenhang mit, es gebe zwei verschiedene Sanierungsvarianten für die vorhandenen Wohngebäude.

Zwei Sanierungsvarianten, unterschiedliche Einsparungen

Variante 1, die als moderat bezeichnet wird und die vor allem die Fassaden- und Dachsanierung umfasst, würde zum Beispiel in Dümmerlohausen zu einer Einsparung von etwa 25 Prozent bei der Wärme und 20 Prozent beim Strom führen. Variante 2 brächte eine Wärme-Energieeinsparung von etwa 68 Prozent und beim Strom von 33 Prozent  Allerdings sei sie in den Ortschaften relativ unwahrscheinlich, da die Wohnhäuser dann zu Passivhäusern umgebaut werden müssten, hieß es.

Für die einzelnen Orte haben die Büros unter anderem auch den jeweiligen Strombedarf und -verbrauch ermittelt. In Dümmerlohausen etwa entfallen etwa 47 Prozent auf die Haushalte, 26 Prozent auf die Gewerbebetriebe und 27 Prozent auf die Landwirtschaft. 

Beispiel Dümmerlohausen: Der Stromverbrauch lag im vorvergangenen Jahr bei 1431 Megawattstunden (MWh). Dümmerlohausen ist die einzige der fünf Ortschaften, in der es einen Stromüberschuss gibt. Denn es sind im Ort 49 Photovoltaikanlagen installiert, die 2019 zusammen 1,788 Megawattstunden Strom ins Netz einspeisten. Der Bedarf an Wärmeenergie in Dümmerlohausen betrug 2019 etwa 15.993 MWh.

Treibhausgasausstoß liegt 2019 bei 4439 Tonnen

Aus diesen Zahlen ergaben sich 2019 an Treibhausgas-Emissionen durch die Gebäudewärme 3871 Tonnen CO₂aeq und durch den Stromverbrauch weitere rund 568 Tonnen CO₂aeq – "aeq" steht für "Äquivalente" und meint, dass auch andere Treibhausgase wie Methan eingerechnet sind.

Beispiel Osterfeine: Hier verbrauchten die Bürger 2019  1876 MWh Strom. Davon entfielen 67,6 MWh auf die Beheizung von Gebäuden etwa durch Speicherheizungen oder Wärmepumpen. Die Haushalte verbrauchten 38 Prozent des Stroms, die Landwirtschaft 18 und das Gewerbe 44 Prozent. 41 Photovoltaikanlagen produzierten 1,689 MWh. 

Die Gebäudewärme benötigte in Osterfeine nach den Berechnungen rund 13.007 MWh Endenergie. Daraus ergaben sich Treibhausgas-Emissionen von 3414 Tonnen CO₂aeq.  Der Stromverbrauch des Quartiers erzeugte mit den 1876 MWh etwa 745 Tonnen CO₂aeq.

Einsparungen sind nicht nur durch Sanierungen möglich

CO₂-Einsparungen ergeben sich allerdings in den fünf Ortschaften nicht nur durch die Gebäudesanierungen. Die einzelnen Konzepte  zeigen weitere Möglichkeiten auf, wie etwa einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und die Förderung der Elektromobilität.  

Wenn der Rat der Energetischen Quartierssanierung zugestimmt hat, geht es im nächsten Schritt darum, ein Sanierungsmanagement einzusetzen. Dabei zeichnet sich ab, dass der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Roman Fehler, die Erstberatung der Gebäudeeigentümer übernehmen wird. Wer die Bürger allerdings in steuerrechtlichen Fragen begleiten soll, ist noch nicht geklärt.

Ganz wichtig sei zu beachten, dass die Gebäudeeigentümer nur dann den steuerlichen Vorteil von bis 100 Prozent bei vermieteten und 90 Prozent bei eigengenutzten Objekten in Anspruch nehmen können, wenn sie die geplante Sanierungsmaßnahme im Vorfeld bei der Stadtverwaltung angezeigt haben, sagte die Planungsamtsleiterin Kerstin Biestmann.

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