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Stephan Blömer: "Lohnes Innenstadt muss ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln"

Kandidaten-Check zur Bürgermeisterwahl am 6. März (Sonntag) in Lohne: Der 61 Jahre alte Rechtsanwalt stellt sich 20 provokanten Thesen rund um Themen der Stadt.

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Ein besonderer Ort: Mit dem Lohner Schützenplatz verbindet Stephan Blömer viele schöne Erinnerungen. Im Video auf OM-Online erklärt er, was er über das Schützenwesen denkt – und wie er sich zu einer Nordwestumgehung positioniert. Foto: Timphaus

Ein besonderer Ort: Mit dem Lohner Schützenplatz verbindet Stephan Blömer viele schöne Erinnerungen. Im Video auf OM-Online erklärt er, was er über das Schützenwesen denkt – und wie er sich zu einer Nordwestumgehung positioniert. Foto: Timphaus

Wer wird Bürgermeister von Lohne? Eine Frau und zwei Männer kämpfen um das höchste Amt der Stadt. Bei der Wahl am 6. März (Sonntag) entscheidet sich, wer die Nachfolge des heutigen Landrats Tobias Gerdesmeyer antritt: Dr. Henrike Voet (CDU), Frank Wassenberg oder Stephan Blömer (beide unabhängig und parteilos), den ein breites Bündnis aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und der Bürgerinitiative „Pro Wald“ unterstützt.

Doch wie ticken die Bürgermeisterkandidaten? Welche politischen Positionen vertreten sie? OM-Online fühlt den Kandidaten auf den Zahn – mit 20 provokanten Thesen zu unterschiedlichen Lohner Themen. Heute stellt sich Stephan Blömer dem Kandidaten-Check.

These 1: Die geplante Leffers-Erweiterung ist der letzte Sargnagel einer sterbenden Innenstadt.

Blömer: Wir sollten Firmen grundsätzlich die Möglichkeit geben, sich zu erweitern. Es ist positiv, dass das Gebäude aufgestockt werden soll. Wir müssen künftig mehr in die Höhe bauen. Aber: Ein größeres Modehaus Leffers wirkt sich auf das Zentrum aus. Das gilt es zu berücksichtigen. Ich glaube: Lohnes Innenstadt muss ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln. Ideen gibt es genug. Regionale Produkte, Handwerk und mehr Kultur, zum Beispiel durch eine ständige Bühne, unter anderem für die Musikschule. Eine Galerie. Oder Outlets. Wir müssen völlig frei in unserem Denken sein. Ziel muss sein, dass der Aufenthaltscharakter gefördert wird. Dabei sind auch die Eigentümer gefragt. Wir müssen sie ins Boot holen.

These 2: 2030 redet niemand mehr über die Probleme der Innenstadt.

Es darf nicht passieren, dass wie im Western nur noch Heuballen durch die Stadt wehen. Wir benötigen ein klares Konzept. Wir dürfen das Zentrum nicht vernachlässigen. Ich zähle übrigens auch die Lindenstraße und obere Brinkstraße dazu. Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass wieder mehr auf der Straße stattfindet. Die Innenstadt muss Spaß machen. Dazu braucht es es ein Angebot mit Erlebnischarakter. 

These 3: Das Ende der Fußgängerzone wäre der Neuanfang für die City.

Ich bin ein Gegner einer Öffnung der Fußgängerzone. Pkw-Verkehr schmälert den Aufenthaltscharakter. Aber auch darüber müssen wir diskutieren dürfen. Wenn wir stärker mit Händlern ins Gespräch kommen, eröffnen sich neue Optionen. Wir müssen ihnen eine Grundlage bieten. Das durch die Opposition auf den Weg gebrachte Gründerprogramm ist dazu ein guter Ansatz. Das sollten wir weiter verfolgen und denjenigen, die in Lohne ein Geschäft eröffnen wollen, unter die Arme greifen.

These 4: Die Nordwestumgehung kommt nie – und das ist gut so.

Jein. Es ist ein immenser Eingriff in die Natur. Deshalb sollten wir zunächst über Alternativen nachdenken: den Verkehrsfluss auf der Dinklager Straße zu verbessern, den ÖPNV zu stärken. Dann sollte die Bevölkerung befragt werden, ob sie einen derartigen Eingriff billigt oder eben nicht. Ich denke schon, dass eine Nordwestumgehung den Verkehr im Lohner Stadtkern entlastet. Aber allein die Kosten – 50 Millionen Euro für den Grunderwerb wurden schon mal genannt – sollten uns zunächst nach anderen Lösungen suchen lassen.

These 5: Der Radverkehr in Lohne lässt sich nur stärken, indem weite Teile der Innenstadt für Pkw gesperrt werden.

Man muss Kompromisse machen. Wir leben auf dem Land. Viele Menschen sind auf ihr Auto angewiesen. Deshalb wäre eine Sperrung nicht zielführend. Es bedarf eines Konzepts, um den Verkehr besser zu leiten – beispielsweise durch Einbahnstraßen. Im Verkehrsentwicklungsplan von 2013 gab es die Überlegung, vor der früheren Hofstelle Küstermeyer und der Landessparkasse zu Oldenburg zwei Kreisverkehre zu installieren. Das war eine super Idee. Kreisel beschleunigen immer den Verkehr. Die Niederlande sollten uns ein Vorbild sein. 

These 6: Lohne sollte um das St.-Franziskus-Hospital kämpfen.

Wir sollten an der Idee eines Zentralklinikums festhalten, die ja nicht völlig neu ist. Die Entwicklung zeigt, dass in größeren Einheiten eine Spezialisierung besser möglich ist. Ich wäre für ein Klinikum auf der grünen Wiese. Klar ist: Das Lohner Krankenhaus darf nicht völlig verschwinden. Es hat bislang hervorragende Dienste geleistet. Über die Nachnutzung muss man sich Gedanken machen, beispielsweise über einen Ausbau der Geriatrie am Standort.

These 7: Ein Kinder- und Jugendparlament für Lohne wäre ein Rohrkrepierer. Die Jugend hat keinen Bock auf Politik.

Über die Art und Weise einer Jugendbeteiligung kann man diskutieren. Ein Parlament ist mir persönlich zu formell. Aber ich bin für mehr Beteiligung. Mir geht es darum, dass wir mit den Bürgern ins Gespräch kommen – Jung und Alt. Mir schwebt ein regelmäßiger Austausch vor, auch mit der Wirtschaft. Die Stadt muss auf die Menschen zugehen. Das gibt es in Lohne seit 50 Jahren nicht. Das will ich ändern. Der Bürger als Bittsteller – das muss ein Ende haben.

These 8: Wenn Ratssitzungen live gestreamt werden, finden Parteien bald kein Personal mehr.

Es gibt überhaupt keinen Grund, Politik nicht live zu übertragen. Wer gewählt werden will, muss doch für seine Überzeugungen einstehen. Wir müssen unsere Entscheidungen transparent machen. Und mal ehrlich: Es sprechen doch immer dieselben. Dann könnte man auch die These aufstellen: Wir brauchen nur noch fünf Leute. Wir kämpfen alle für dasselbe Ziel, Lohne voranzubringen. Da darf es nicht auf parteipolitische Kleinbürgerei ankommen. Bestes Beispiel sind für mich die Straßenausbaubeiträge. Weil die CDU eine Bürgerbefragung scheut, hat sie jetzt die Abschaffung beantragt. Das ist Wendehals-Politik. Das ist nicht mein Politikstil. 

These 9: Lohne will eine Stadt für Familien sein. Dann braucht die Kommune ein Spaßbad.

Ja, wenn man als Stadt familienfreundlich sein will, muss man darüber nachdenken. Wir haben zwei Landkreis-Bäder, die abgängig sind. Also muss etwas Neues her. Da darf die Diskussion über ein Spaßbad geführt werden. Man will 12 Millionen Euro für Blau-Weiß Lohne ausgeben. Ein Spaßbad würde allen Lohnern gerecht werden, auch jenen, die nicht in einem Verein sind. Aber das Projekt hängt natürlich von der Finanzierbarkeit ab. Die Fläche am Lohneum ist geeignet. Aber womöglich wäre eine Anbindung ans Waldbad besser, weil Wechselwirkungen möglich wären.

These 10: Das Freizeitangebot bedarf keiner Verbesserung.

Wenn Lohne einzigartig sein will, sollte das Angebot verbessert werden, beispielsweise im kulturellen Bereich. Auch bestehende Angebote des Theaterrings oder der Meisterkonzerte könnten mit städtischer Unterstützung noch ausgeweitet werden. Für Kinder und Jugendliche müssen wir auch etwas tun. Da sehe ich den Jugendtreff als wichtigen Baustein, als Treffpunkt. Deshalb ist ein Neubau erforderlich. Natürlich ist das immer mit Geld verbunden. Aber wenn wir stillstehen, kommen wir nicht weiter.

These 11: Der Jugendtreff muss sich von seiner Sozialarbeit trennen.

Nein. Dann muss die Stadt einspringen. Das wäre mit Mehrkosten verbunden. Die Sozialarbeit ist nur eine Facette des Angebots des Jugendtreffs. Und: Wenn es den Familien gut geht, profitieren davon auch die Kinder. Es ist doch sogar so, dass die Stadt die Leute zum Jugendtreff schickt, weil sie dort Hilfe erhalten. 

These 12: Lohne braucht keine flexiblere Kinderbetreuung, keinen Ganztag im Kitabereich. Der Nachwuchs fühlt sich bei Oma und Opa viel wohler.

Falsch. Nicht jede Familie hat Oma und Opa vor Ort. Bei meiner Arbeit als Fachanwalt für Familienrecht sehe ich fast täglich, wie schwierig es für Alleinerziehende ist, ihren Nachwuchs zu betreuen und gleichzeitig einer Arbeit nachzugehen. Wir müssen es diesen Menschen ermöglichen, in Arbeit zu kommen und etwas für ihre Rente zu tun. Denn sonst benötigen sie im Alter staatliche Unterstützung. Das bedingt, dass die Betreuungszeiten ausgeweitet werden sollten; von 6 bis 22 Uhr. Das kostet viel Geld. Aber das ist der einzige Weg zur Chancengleichheit. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass Betriebskindergärten geschaffen werden müssen. 

These 13: Blau-Weiß Lohne ist ein absolutes Aushängeschild der Stadt. Es ist richtig, BWL bevorzugt zu behandeln.

Man muss differenzieren, dass zwar Blau-Weiß Lohne die Anträge stellt, es aber im Grunde eigenständige Abteilungen sind. Die Fußballer sind, wie viele BWL-Abteilungen, ein Aushängeschild. Klar. Das rechtfertigt aber nicht, dass Unterschiede gemacht werden. Da geht es auch um Verlässlichkeit. 

These 14: Die Stadt muss die Sportförderung zurückschrauben.

Nein, das wäre nicht zielführend. Die Vereine wären sonst kaum in der Lage, sich weiterzuentwickeln. Sport stärkt die Gemeinschaft. Deshalb bin ich für eine 75-prozentige Förderung. Aber es müssen sich alle an die Regeln halten. 

These 15: Lohne, bis 2050 klimaneutral? Das ist eine Illusion!

Mein Ziel ist es, dass wir bis 2030 klimaneutral sind. Dafür trete ich an. Das ist möglicherweise ein frommer Wunsch, aber wir haben keine andere Wahl. Wir stehen in der Pflicht, etwas fürs Klima zu tun – auch wenn Lohne natürlich nicht der Nabel der Welt ist und die Probleme alleine lösen kann. Wir brauchen mehr Windkraft, mehr Photovoltaik. Wie wäre es, wenn die Stadt selbst ein Windrad baut? Wohngebiete sollten künftig immer klimaneutral sein.  

These 16: Jeder Baum zählt. Die Stadt sollte eine Baumschutzsatzung erlassen.

Das ist ein schwieriges Thema. Für Bestandsbäume macht es Sinn. Aber eine solche Satzung birgt die Gefahr, dass niemand mehr auf seinem Grundstück einen Baum pflanzt – weil er sonst niemals mehr beseitigt werden kann. Das kann nicht das Ziel sein. Wir müssen erst einmal umsetzen, was in den Bebauungsplänen festgesetzt ist. Ein Baumkataster finde ich hingegen in Ordnung. Wir brauchen auch mehr Bäume in der Innenstadt. Und: Kompensation muss in Lohne stattfinden. Wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, Bäume zu pflanzen und zu erhalten. 

These 17: Zukünftige Generationen müssen sich darauf einstellen, dass sie in Lohne kein Eigenheim mehr bauen können.

Wir sollten allen Menschen diesen Traum ermöglichen. Aber die Verhältnisse von früher mit bis zu 1000 Quadratmeter großen Grundstücken wird es nicht mehr geben – zumindest aus öffentlicher Hand. Dafür ist die Nachfrage zu groß. Man muss auch über Tiny-House-Modelle nachdenken.

These 18: Strukturwandel und Transformationsprozesse sind schuld: Die Finanzkraft bröckelt. Die Stadt muss den Gürtel künftig enger schnallen.

Wir müssen wirtschaftliche Expansionen und Innovationen ermöglichen. Aber wir dürfen uns nicht allein auf die etablierten Betriebe fokussieren, sondern weiterdenken. Die Wirtschaft muss breiter aufgestellt werden. Wir müssen mehrere Standbeine haben. Da kann es auch sein, dass an einem Standort drei oder vier Firmen arbeiten, weil wir mit den Industrieanlagen in die Höhe gehen.

These 19: Wohnen, Industrie und Klimaschutz brauchen Platz. Die Landwirtschaft muss zurückstecken.

Wir sind landwirtschaftlich geprägt. Das birgt Probleme. Das kann aber nicht die Stadt lösen. Die Landwirte können vielfach keine Flächen mehr abgeben, weil sie sonst ihre Existenzgrundlage verlieren. Wir müssen mit allen im Gespräch bleiben, auch wenn es sehr schwierig wird, Flächen für Wohnen und Industrie zu generieren. Da muss man den Menschen reinen Wein einschenken.

These 20: Lohne sollte an den Straßenausbaubeiträgen festhalten.

Ich wiederhole mich: Die CDU hat Wendehals-Politik betrieben. Man hätte direkt über die Gegenfinanzierung sprechen müssen, statt der Verwaltung den Schwarzen Peter zuzuschieben. Es gibt im Grunde nur zwei Lösungen. Entweder finanziert die Stadt den Straßenausbau künftig über den Haushalt. Oder die Grundsteuer B wird erhöht. Dies würde aber neue Probleme bringen, da die Erhöhung über die Nebenkosten auf Mieter umgelegt werden kann. Ich bin also für eine Finanzierung aus dem Haushalt. Ich hätte mir eine offene Debatte und das Bemühen um eine gerechtere Lösung gewünscht. 


Fakten:

  • Am 6. März 2022 (Sonntag) wählen die Lohner einen neuen Bürgermeister.
  • Um das höchste Amt der Stadt bewerben sich Dr. Henrike Voet (CDU), Stephan Blömer und Frank Wassenberg (beide unabhängig und parteilos).
  • Die Amtszeit des neuen Verwaltungschefs geht bis 2031.
  • OM-Medien stellt die Kandidaten jeweils in einem Porträt vor und macht mit ihnen einen Kandidaten-Check.
  • Videos zu den Bürgermeisterkandidaten finden Sie unter www.om-online.de.

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