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Steinfeld baut Kläranlage voraussichtlich in einem Rutsch bis Ende 2024 aus

Eine stufenweise Erweiterung der Kapazitäten würde deutlich teurer werden. Das war das Ergebnis einer Analyse, die das Ingenieurbüro Frilling + Rolfs jüngst im Betriebsausschuss vorstellte.

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Ein erheblicher Kostentreiber: Die zusätzliche Sauerstoffanreicherung in der Kläranlage soll nach dem Willen von Politik und Verwaltung schnellstmöglich beendet werden. Dazu muss das Abwasserwerk ausgebaut werden. Foto: Röttgers

Ein erheblicher Kostentreiber: Die zusätzliche Sauerstoffanreicherung in der Kläranlage soll nach dem Willen von Politik und Verwaltung schnellstmöglich beendet werden. Dazu muss das Abwasserwerk ausgebaut werden. Foto: Röttgers

Auf einen Rutsch statt Schritt für Schritt: Die Gemeinde Steinfeld verzichtet sehr wahrscheinlich auf eine stufenweise Erweiterung des Abwasserwerks in Düpe. Um Geld zu sparen, soll die Kläranlage stattdessen voraussichtlich bis Ende 2024 direkt ausgebaut werden.

Die Mitglieder des Betriebsausschusses empfahlen jüngst nach einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mehrheitlich, bei dem komplexen und kostspieligen Vorhaben auf diese Weise zu verfahren. Das letzte Wort hat der Gemeinderat, der in seiner Sitzung am Mittwoch (23. März, 17 Uhr, Don-Bosco-Schule) einen Beschluss fasst.

Jürgen Varnhorn vom Ingenieurbüro Frilling + Rolfs aus Vechta stellte das Zahlenwerk vor. Zunächst erläuterte er, dass die Kläranlage, deren Reinigungskapazität rechnerisch bei etwa 74.000 Einwohnerwerten (EW) liegt, aktuell eine Ist-Belastung von 82.675 EW aufweist. Dies könne bisher aber noch aufgereinigt werden.

Kläranlage soll auf 104.400 Einwohnerwerte ausgebaut werden

In einem 1. Bauabschnitt könnte das kommunale Abwasserwerk auf 95.900 EW erweitert werden. Der Diplom-Ingenieur sagte, dass dann die aktuell Ist-Belastung abgedeckt sei und auf das derzeit notwendige, provisorische Belebungsbecken verzichtet werden könnte. Im Endausbau würde die Auslastung bei 104.400 EW liegen. Anhand mehrerer Querschnitte zeigte Varnhorn die Unterschiede zwischen einem stufenweisen oder direkten Ausbau auf.

Bei einem stufenweisen Ausbau würde im 1. Abschnitt bis Ende 2023 eine Investition von 3,211 Millionen Euro brutto fällig. Bis zum endgültigen Ausbau, der voraussichtlich Ende 2027 erfolgen würde, und unter Berücksichtigung einer 3-prozentigen jährlichen Preissteigerung würden weitere 13,383 Millionen Euro brutto fällig. 

Kapitalkostenentwicklung spricht für Direktausbau

Eine Erweiterung der Anlage an der Dinklager Straße in einem Durchlauf wäre nach Angaben von Varnhorn voraussichtlich bis Ende 2024 möglich. Dann müsste die Gemeinde Steinfeld mit Kosten von etwa 13,818 Millionen Euro rechnen. 

Der Planer stellte die Kapitalkostenentwicklung beider Varianten bis 2035 gegenüber. Während diese beim Stufenausbau zunächst bei circa 175.000 Euro liegen, ab 2028 auf mehr als eine Million Euro ansteigen und dann langsam abfallen, könnte die Gemeinde beim Direktausbau mit relativ konstanten Kapitalkosten von etwa 870.000 bis 800.000 Euro rechnen.

Dann blickte Varnhorn auf den Energiebedarf. Dieser lag 2021 bei 871.706 Kilowattstunden im Jahr zuzüglich Reinsauerstoff. Der Ertrag der Photovoltaikanlage von 145.183 Kilowattstunden pro Jahr ist in dieser Rechnung berücksichtigt.

Direkter Ausbau des Abwasserwerks kommt günstiger

Beim stufenweisen Ausbau würde der Energiebedarf zwischen 2024 und 2027 etwa 1,213 Millionen Kilowattstunden im Jahr betragen. Ab 2028 läge der Wert aufgrund der Erträge aus der Photovoltaikanlage und der Eigenstromerzeugung durch das Blockheizkraftwerk bei 445.888 Kilowattstunden pro Jahr. Der identische Energiebedarf würde beim direkten Ausbau schon 2025 erreicht.

Varnhorn ging detailliert auf die Gasproduktion und Energieerzeugung ein. Er schlüsselte die Nutzung aus der Faulgasverwertung auf und stellte die Kosten für Energie und Klärschlammentsorgung bei beiden Varianten gegenüber. 

Anhand einer Übersicht der Jahreskosten und der möglichen Einsparungen in den Bereichen "Energie" und "Klärschlamm" zeigte Varnhorn auf, dass ein direkter Ausbau der Kläranlage die Gemeinde günstiger kommt als eine stufenweise Erweiterung. Dies wirkt sich auch auf die Gebührenentwicklung aus.

CDU-Ratsherr lobt Ingenieurbüro für Darstellung

Varnhorn präsentierte Zahlen, wonach die Abwassergebühr (aktuell 1,50 Euro pro Kubikmeter) beim Stufenausbau 2024 um 51 Cent pro Kubikmeter ansteigt – und bis 2028 sogar auf 62 Cent pro Kubikmeter klettert. Beim Direktausbau hingegen läge der Anstieg 2025 bei 56 Cent pro Kubikmeter, um dann bis 2028 auf 51 Cent pro Kubikmeter zu sinken.

Während der Debatte machte sich Frank Pille (CDU) für einen direkten Ausbau stark. Die finanziellen Vorteile seien offenkundig. Er nannte das Zahlenwerk „bemerkenswert“, lobte das Ingenieurbüro und mahnte, die Kläranlage künftig stets auf aktuellem Stand zu halten.

Christian Katzer (UWG/SPD-Gruppe) kritisierte zum wiederholten Male, dass die Gemeinde viel stärker auf eine Vorreinigung durch die Betriebe bestehen müsse. Varnhorn wies darauf hin, dass nur bei Neuansiedlungen eine Vorbehandlung vorgeschrieben werden könne.

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