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SPD fordert Starkregen-Analyse in Lohne

Nach einem Antrag auf Kreisebene hat der Lohner SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Knospe in der Stadt einen ähnlichen Antrag gestellt. Ein Lohner Ratsherr kritisiert den Antrag scharf.

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Land unter im Lohner Waldbad: Nach dem Starkregen im August 2019 musste das Bad eine Woche geschlossen bleiben. Foto: Stadt Lohne / Bregen

Land unter im Lohner Waldbad: Nach dem Starkregen im August 2019 musste das Bad eine Woche geschlossen bleiben. Foto: Stadt Lohne / Bregen

Das Thema Hochwasserschutz hat nun auch die politischen Gremien der Stadt Lohne erreicht. Die SPD-Fraktion stellte einen Antrag zur Durchführung einer kommunalen Starkregen-Analyse. Zuvor hatte der Lohner SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Knospe einen ähnlichen Antrag im Kreistag, in der er ebenfalls Fraktionsvorsitzender ist, eingereicht. Dr. Lutz Neubauer, parteiloser Ratsherr in Lohne, wittert bei dem Antrag Wahlkampftaktik, die SPD widerspricht entschieden.

"Die Intention für den Antrag kam uns nach der entsetzlichen Unwetterkatastrophe", begründet Knospe das Vorgehen seiner Fraktion. Er weist darauf hin, dass "ausgewiesene Fachleute" eine starke Zunahme an Starkregenereignissen prognostizierten. "Dass es dabei nur Vechta oder Damme trifft und Lohne außen vor bleibt, wäre naiv zu glauben", betont Knospe.

Starkregenereignisse in Lohne zuletzt im August 2019

Zwar seien die geografischen Gegebenheiten nicht die gleichen wie zum Beispiel im rheinland-pfälzischen Ahrtal; aber wenn 250 Liter pro Quadratmeter Regen fallen würden, seien laut Knospe auch hier die Grenzen erreicht. Er erinnert in dem Zusammenhang an die heftigen Regenfälle in Lohne im August 2019, wo bei 80 Liter Regen pro Quadratmeter die Oberflächenentwässerung nicht mehr in der Lage gewesen war, die Wassermengen abzuführen. Die Folge: Der Keller des Physiobereichs des Lohner Krankenhauses lief voll, einige Autofahrer verunfallten auf überfluteten Straßen. "Wie soll das erst werden, wenn hier mal 250 Liter runterkommen?", fragt sich Knospe.

Dabei haben Knospe und seine SPD-Kollegen vor allem die untere Brinkstraße als Schadensschwerpunkt in Lohne ausgemacht. "Die untere Brinkstraße ist eine Senke - wenn dort Wassermassen aus höhergelegenen Gebieten runterfließen, kann die Kanalisation die Sturzfluten nicht mehr aufnehmen", meint Knospe. Hier sei vor allem der Hopener Mühlenbach ein Risiko, der von der Freilichtbühne aus in Richtung Innenstadt fließt.

Szenarien sollen durchgespielt werden

Schäden nach Starkregenereignissen könnten nicht zu 100 Prozent verhindert werden, gesteht Knospe ein. "Wir haben als Kommune aber die Pflicht, solche Szenarien sicher zu begleiten." Deshalb wünscht sich die SPD-Fraktion nun, dass die Stadt eine Starkregen-Analyse vornimmt. Diese sollte laut Antrag auf der Grundlage von "hydrodynamischen Modellierungen" erfolgen. "Damit ist gemeint, verschiedene Szenarien von Starkregenereignissen durchzuspielen", erklärt Knospe. So sollen möglichst realitätsnahe Aussagen zu Gefährdungsbereichen oder Rückstaueffekten getroffen werden.

Langfristig könnten die Ergebnisse der Analyse dann in ein Starkregen-Risiko-Management einfließen. Knospe betont aber, dass die Analyse ergebnisoffen angelegt sein solle: "Ergebnis der Analyse kann ja auch sein, dass der Hochwasserschutz in Lohne ausreichend ist." Der SPD-Fraktionsvorsitzende erklärt ebenfalls, warum er sowohl einen Antrag im Kreistag als auch im Lohner Stadtrat gestellt hat: "Das hängt mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten zusammen. Der Landkreis soll das Thema ganzheitlich betrachten." Der Lohner Antrag ziele dagegen eher auf die Analyse der lokalen Begebenheiten ab.

Dr. Lutz Neubauer kritisiert den Antrag

Ganz und gar nicht einverstanden mit dem Antrag ist Ratsherr Dr. Lutz Neubauer (parteilos). Auf der Facebook-Seite der Bürgerinitiative Pro Wald Lohne äußert Neubauer den Verdacht, der SPD-Fraktion gehe es bei dem Antrag um Wahlkampftaktik. Außerdem kritisiert Neubauer, dass die mit dem Antrag verbundenen möglichen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Schaffung von Regenrückhaltebecken und Verbesserungen der Regenwasserkanalisation, energieaufwendig und somit nochmals klimaschädlich wären. "Wenn also nicht an den Ursachen der Klimakrise etwas grundlegend verändert wird, werden die Schutzmaßnahmen nur sehr vorübergehend wirken", meint Neubauer.

Die SPD-Fraktion wies die Anschuldigungen scharf zurück. "Anstatt einmal Antragsinhalte anzuerkennen und positiv zu begleiten, verfällt man in das altbekannte Verhaltensmuster einer sich ständig wiederholenden und leider auch schon abgedroschenen Generalkritik", sagt Knospe in Richtung eines "Lohner Dauerkritikers, der sich auf Stadt- und Kreisebene gegen alles und fast jeden ausspricht". Damit dürften Neubauer und seine Kritik in den sozialen Netzwerken gemeint sein. Und Knospe weiter: "Man kommt zudem zu dem Schluss, dass Maßnahmen zwar notwendig werden, doch alle energieaufwendig und somit nochmals klimaschädlich sind. Wer kann und soll das noch verstehen?"

Beratungen in der kommenden Ausschusssitzung

Gelegenheit zur weiteren Diskussion des Antrags werden die Kontrahenten in der nächsten Sitzung des Lohner Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschusses erhalten, der am 31. August tagen wird.

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