Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Sorgenkind Gesamtschule: Gemeinde will stärker werben

Nach Jahren endlich das Leuchtturmprojekt: Die Barßeler Integrierte Gesamtschule entstand. Doch die Schülerzahlen gehen mittlerweile zurück. Die Lösung? Die Politik tritt mit den Eltern ins Gespräch.

Artikel teilen:
Sinkende Schülerzahlen gibt es an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Barßel. Nun soll kräftig für diese Schulform die Werbetrommel gerührt werden. Bild. CPassmann

Sinkende Schülerzahlen gibt es an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Barßel. Nun soll kräftig für diese Schulform die Werbetrommel gerührt werden. Bild. CPassmann

Jahrelang hatte die Gemeinde Barßel um die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) gerungen. Endlich 2015 wurde die neue Schulform endlich eingeführt. Und sie war zunächst auch ein Erfolgsmodell: 80 Schüler gingen im ersten Durchgang zum Beginn des Schuljahres an den Start. Aber mittlerweile sinken die Schülerzahlen.

Damit diese Schulform aber wieder den nötigen Stellenwert erhält und der Sinkflug gestoppt wird, hat die Gemeinde Barßel zusammen mit der Schulleitung eine Imagekampagne gestartet. Bürgermeister Nils Anhuth erklärte im Schulausschuss des Gemeinderats: „Das Verhalten der Eltern hat sich geändert. Daher haben wir nach Gründen gesucht und eine Eltern- und Schülerbefragung durchgeführt.“ Sowohl Schule als auch die Gemeinde seien dabei zur Erkenntnis gekommen, dass eine engere Verzahnung zwischen der IGS und den Grundschulen geben muss. Zudem müsse man die Vorzüge der IGS stärker den Eltern und Schüler vermitteln. „Das beginnt schon in der Grundschule“, meinte Anhuth.

IGS-Schulleiterin Simone Petzold sagte: „Die Eltern wollen einfach mehr Beratung und Informationen. Vielen ist nicht bewusst, welche Vorzüge eine solche Schulform für ihre Kinder hat.“ Daher müsse die Beratung nicht schon in der vierten Grundschulklasse beginnen, sondern bereits in der dritten. Aber es gehe nicht nur um die Beratung: „Wir möchten, dass die Grundschüler, die nach der vierten Klasse die Schulform wechseln, schon vorab an den Arbeitsgemeinschaften an unserer IGS teilnehmen, um die Schulform kennenzulernen“, sagte Petzold. Leider sei das wegen der Corona-Pandemie zu kurz gekommen.

Petzold: Viele denken, dass Schüler an der IGS keinen erweiterten Sekundarabschluss machen könnten

Die Schulleiterin sieht ein weiteres Problem. „Ganz viele Eltern denken, dass man hier nicht das Abitur machen kann und schicken ihre Kinder lieber zur Realschule und zum Gymnasium.“ An der IGS könnten Schüler aber sehr wohl den Realschulabschluss oder auch den erweiterten Sekundarabschluss erreichen, um dann das Abitur zu machen. „Das müssen wir für den Müttern und Vätern genau erklären“, so Petzold.

Eine weitere Erkenntnis der Umfrage: Viele Eltern melden ihre Kinder eben an der Schule an, die deren Freundinnen oder Freunde später besuchen. Ein ausschlaggebender Grund. Durch die Teilnahme an den AGs verspricht sich die Schule, dass diese Schüler wieder ins IGS-Boot geholt werden können. Um Werbung zu betreiben, wird derzeit eine neue Homepage erstellt. Außerdem werden zusammen mit der Gemeinde Informationsbroschüren erstellt, in der die Vorzüge der IGS vermittelt werden. Gleichzeitig entsteht ein Imagefilm gedreht, der aufzeigen soll, was das Besondere an dieser Schulform ist. Die IGS habe gute Angebote, so Petzold und Anhuth unisono.

Trotz Werbung gebe es noch eine Hemmschwelle

Die Leiterin der Grundschule Sonnentau in Elisbathfehn, Sigrid Lockstädt-Güttler sagte im Ausschuss: „Wir weisen unsere Schüler, schon auf das Besondere der IGS und deren Abschlüsse hin. Aber wie nehmen das die Eltern auf? Sie entscheiden sich dann teilweise anders.“ Lockstädt-Güttler sieht da noch eine Hemmschwelle.

Auch Ratsherr Hans Eveslage (CDU) sieht Probleme: „Es war eigentlich 2015 schon klar, dass es kein leichter Weg für die IGS wird. Andere Schulen haben auch gute Angebote.“ Man sei im Wettbewerb. Und: Die IGS Barßel sei die einzige Gesamtschule im gesamten Landkreis Cloppenburg. Seine Meinung nach sei in der Vergangenheit nicht offensiv genug Werbung gemacht worden. Man habe stets in der Defensive gearbeitet. „Die IGS müsste selbstbewusst an die Grundschüler herantreten. Und dort muss schon ganz früh die Werbetrommel gerührt werden. Denn die IGS ist eine sehr gute Schule“, so Eveslage.

Politiker betonen den Nachholbedarf beim Angebot und bei der Talentförderung

Auch Ratsherr Johannes Geesen betonte, die Schule sei besser als ihr Ruf. Er kritisierte vor allem das Verhalten von Eltern in der Ortschaft Harkebrügge. „Die schicken ihre Kinder woanders hin, aber nicht nach Barßel zur Schule“. Das bestätigte Schulleiterin Petzold: „Aus Harkebrügge haben wir sehr wenige Schüler“.

CDU-Fraktionschef Ralph Schröder plädierte für mehr inhaltliche Arbeit. „Wir müssen im Angebot aufholen. Die Schule ist sehr gut ausgestattet. Es geht nur über die Eltern“, sagte. FDP-Ratsherr Joachim Dahlke betonte auch die Wichtigkeit der Talentförderung an der IGS

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Sorgenkind Gesamtschule: Gemeinde will stärker werben - OM online