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Sollten Milliardäre bestimmen, wo es im Internet langgeht?

Kolumne: Hassrede und Desinformation sind auf Facebook, Twitter und Co. allgegenwärtig. Das Problem: Mit Empörung verdienen die Unternehmen besonders viel Geld.

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Dass er via Twitter mit Atomkrieg drohte, Anhänger aufhetzte, einen knapp gescheiterten Staatsstreich steuerte und demokratische Wahlen delegitimierte – geschenkt. Donald Trump darf wieder twittern. Das hat der neue Twitter-CEO Elon Musk entschieden. Der reichste Mensch der Welt hat sich die Plattform für 44 Milliarden Dollar gekauft und bestimmt jetzt die Regeln. Heißt: besonders laxe Regeln, kaum Moderation, weniger Sperren. Hass, Hetze, Lügen und rechtextreme Politiker wie Donald Trump haben weitgehend freie Bahn. Dabei stellt sich mir aber weniger die Frage, ob Donald Trump das Twittern wieder erlaubt werden sollte, als viel mehr, ob einzelne Milliardäre und ihre Unternehmen darüber bestimmen sollten, wo es in großen Teilen des Internets langgeht.

Auf Facebook, Twitter und Google entscheiden Algorithmen, welche Inhalte die Nutzer zu sehen bekommen. Außerhalb der Unternehmen weiß niemand, wie genau die Algorithmen die Inhalte auswählen. Das Ziel ist aber klar: Die Nutzer sollen möglichst oft auf die Plattformen gelockt werden, wo sie sich möglichst lange durch die Timelines scrollen und möglichst oft mit den angezeigten Inhalten interagieren sollen. Je höher die Aufmerksamkeit, desto höher die Profite. Das Problem dabei ist, welche Inhalte die Nutzer zu sehen bekommen, damit sie die App möglichst nicht schließen.

Die Algorithmen müssen offengelegt und demokratisch gestaltet werden.Friedrich Niemeyer

Besonders profitabel sind provokante, polarisierende und empörende Inhalte. Das aber vergiftet die politische Debatte und führt zu einer Verrohung der Debattenkultur. "Facebook verdient Geld mit Hass und Wut", sagt die Whistleblowerin Frances Haugen, die interne Studien der Firma enthüllte. Facebook weiß, dass seine Algorithmen großen Schaden anrichten, unternimmt aber kaum etwas dagegen. Instagram, so eine interne Studie, verstärkt zum Beispiel Essstörungen und Depressionen bei Jugendlichen. Im Zweifel ist das Unternehmen aber seinen Aktionären verpflichtet und nicht dem Gemeinwohl. Das ist bei Twitter nicht anders. Auch schon vor Elon Musk hatte der Microblogging-Dienst seine Probleme mit Hassrede und Desinformation.

Wenn kommerzielle Plattformen also ein Problem für die Demokratie werden, wie ließe sich das Problem lösen? Ganz einfach: Die Algorithmen müssen offengelegt und demokratisch gestaltet werden. Die Nutzer sollten wissen, warum ihnen welche Inhalte gerade angezeigt werden. Statt der Unternehmen sollte eine öffentliche Instanz über die Algorithmen wachen und sie so gestalten, dass die Debattenkultur konstruktiver wird. Gleiches gilt für die Regeln auf den Plattformen: Sie sollten nicht von einzelnen Menschen entschieden werden. 


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