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Solidarität der Tat auch in Corona-Zeiten

Leitartikel: Die Pandemie drohe die EU zu spalten, sagt Gastautor Wolfgang Zapfe. Dabei könne die Krise viel besser bewältigt werden, wenn Europa seine Kräfte bündele.

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Wir alle spüren: Die Corona-Pandemie hält die Welt weiterhin in Atem. Mit ihren Auswirkungen hat sie das öffentliche Leben erheblich eingeschränkt beziehungsweise fast zum Erliegen gebracht – trotz einiger Lockerungen. Die Corona-Seuche hat in Europa wieder zu Grenzkontrollen und teilweise auch zu Grenzschließungen geführt, die die „ultima ratio“ in höchster Not sein mögen.

Besser wären aber frühzeitig koordinierte und zeitgleiche Maßnahmen aller Mitgliedsstaaten gewesen, selbst wenn sie für den Gesundheitsschutz formell zuständig sind. In Europa war anfangs von der Idee europäischer Werte und von Solidarität nicht viel zu spüren. Die aktuelle Corona-Krise drohte die Europäische Union zu spalten, ja sogar zu zerstören.

Ein geeintes Europa lässt sich nicht auf einen Schlag herstellen

Deshalb lohnt es sich, an die Erklärung von Robert Schuman vom 9.Mai 1950, vor 70 Jahren also, zu erinnern. Ihre Kernbotschaft hat nichts von ihrer Bedeutung verloren – gerade jetzt in der Corona-Krise. In seiner historischen Rede legte er als damaliger französischer Außenminister den Grundstein für die europäische Einigung. Mit seiner kühnen Idee, die damals wichtigsten Rohstoffe – Kohle und Stahl – von den früheren „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich gemeinsam verwalten zu lassen, setzte er auf Zusammenarbeit statt Konkurrenz, auf Gemeinschaft statt Nationalismus und auf Vertrauen statt Argwohn.

Wie zeitlos sein Grundgedanke war, zeigt sich in seinem Appell: „Europa lässt sich nicht mit einem Schlag herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung: Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.“

Diese Solidarität der Tat muss bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen überall in der Europäischen Union wieder sichtbar und erlebbar werden. Diese Krise kann – wie jede andere globale Herausforderung – besser bewältigt werden, wenn Europa seine Kräfte bündelt und gemeinsam solidarisch handelt.

„Deutschland kommt aus der Krise nur heraus als Teil eines starken Europas“

Corona stellt die Europäische Union und die Weltgemeinschaft dabei auf eine harte Probe. Um die langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Folgen zu bewältigen, bedarf es dringend gesamteuropäischer Lösungen, die Teil der europäischen Werte sind, zum Beispiel ein Wiederaufbauprogramm für Europa.

Und: Deutschland kommt aus der Krise nur heraus als Teil eines starken Europas. Alle Staaten werden aus den Erfahrungen lernen müssen, dass ein europäisch abgestimmtes Vorgehen besser ist als nationale Aktionen und Maßnahmen. Sie werden lernen müssen, dass die öffentliche Daseinsfürsorge einen neuen Stellenwert in Europa bekommt.

Robert Schuman begann seine Rede mit den Worten: „Der Friede der Welt kann nicht gewährt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen“. Dieser Leitspruch lässt sich auf die aktuellen Bedrohungen anwenden, gerade auch auf die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. Info: Wolfgang Zapfe ist Ehrenvorsitzender des Landesverbandes und Vorsitzender der Kreisverbandes Vechta der Europa-Union Deutschland.


Zur Person:

  • Gastautor Wolfgang Zapfe ist Ehrenvorsitzender des Landesverbandes und Vorsitzender der Kreisverbandes Vechta der Europa-Union Deutschland.
  • Wolfgang Zapfe war 27 Jahre Leiter des Gymnasium Antonianum in Vechta. Seit 2008 ist er im Ruhestand.

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