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So pflegen die Dinklager ihre Partnerschaft mit Epouville

Seit 1986 gibt es ein offizielles Bündnis zwischen der Burgwaldstadt und dem Ferienort in der Normandie. Drei Mitglieder des Komitees berichten, was die deutsch-französische Freundschaft ausmacht.

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Sie leben die deutsch-französische Freundschaft: (von links) Irmgard Arlinghaus, Dieter Kruse und Ingrid kl. Sextro vom Partnerschaftskomitee freuen sich auf den Besuch in Epouville.   Foto: Böckmann

Sie leben die deutsch-französische Freundschaft: (von links) Irmgard Arlinghaus, Dieter Kruse und Ingrid kl. Sextro vom Partnerschaftskomitee freuen sich auf den Besuch in Epouville.   Foto: Böckmann

Die Erinnerungen an die vergangenen Besuche sind toll, die Vorfreude auf das Wiedersehen ist groß: Wenn vom 26. Mai bis 29. Mai (Donnerstag bis Sonntag) eine rund 40-köpfige Delegation aus Dinklage die französische Partnergemeinde Epouville besucht, dann sind Irmgard Arlinghaus, Ingrid kl. Sextro und Dieter Kruse natürlich dabei – so wie in den vergangenen Jahrzehnten. Das Trio bilde das Führungsgremium des achtköpfigen Partnerschaftskomitees. Arlinghaus ist seit 2009 Vorsitzende, kl. Sextro ihre Stellvertreterin und Kruse ist eine Art Manager – so wie er es jahrzehntelang auch bei den Dinklager Fußballern war.

„Wir freuen uns sehr, dass wir wieder nach Epouville reisen dürfen“, sagte Ingrid kl. Sextro. Coronabedingt fiel 2020 die für alle 2 Jahre anvisierte Reise in die Normandie aus. Die deutsch-französische Partnerschaft zwischen der Stadt am Burgwald und dem kleinen Ferienort im Département Seine-Maritime besteht offiziell seit 1986. Dieses Bündnis soll möglichst lange auch weiter aktiv gelebt werden und nicht nur auf dem Papier. Auch deshalb sei es wichtig, wieder nach Frankreich zu reisen. Aber nicht aus dem Hauptgrund.

Denn die Erfahrungen, der Austausch und die mittlerweile festen Freundschaften, die viele Dinklager mit ihren Gastfamilien haben, prägten für das ganze Leben, betonen Irmgard Arlinghaus, Dieter Kruse und Ingrid kl. Sextro, die übrigens bei Epouvilles Bürgermeisterin Christine Domain übernachtet.

Im Jahr 2016 wurde die Partnerschaft zwischen Dinklage und Epouville neu besiegelt. Mit dabei waren (von links) Irmgard Arlinghaus als Vorsitzende des Partnerschaftskomitees und der Ratsvorsitzende Robert Blömer.   Foto: Klaus HöfferIm Jahr 2016 wurde die Partnerschaft zwischen Dinklage und Epouville neu besiegelt. Mit dabei waren (von links) Irmgard Arlinghaus als Vorsitzende des Partnerschaftskomitees und der Ratsvorsitzende Robert Blömer.   Foto: Klaus Höffer

Also: Was macht die Freundschaft zwischen Dinklage und Epouville aus? Irmgard Arlinghaus spricht zum einen von einer „freundlichen Atmosphäre“, „außerordentlichen Gastfreundschaft“ der Franzosen, „die alles für ihre Gäste machen würden“. Die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees findet außerdem: Durch die festen jährlichen Treffen – ein Jahr in Dinklage, ein Jahr in Epouville – lerne man eine neue Kultur, eine neue Sprache und neue Menschen „richtig kennen, und nicht nur als Tourist“.

Dass man sich als Gast in Epouville dann aber auch mit den französischen Gewohnheiten arrangieren muss, daran habe man sich mittlerweile gewöhnt, sagt Ingrid kl. Sextro und schmunzelt. Das Frühstück zum Beispiel falle eher spartanisch aus und findet auch eher spontan statt. Es gehe in Frankreich eben alles etwas gemütlicher zu. Woran sich der Dinklager, der Ordnung und Disziplin liebe, vielleicht erst gewöhnen müsse. Irmgard Arlinghaus findet das aber nicht schlimm. Der Franzose nehme nicht alles so ernst, er liebe das Leben, er genieße das Essen und Trinken. Eins wissen aber auch die Freunde aus Epouville zu schätzen: deutsches Bier. Deshalb wird im Bus auch Haake Beck in die Normandie transportiert.

Im Laufe der vergangenen 3 Jahrzehnte haben Arlinghaus, kl. Sextro und Kruse einiges erlebt. Mal startete der Aufbau für einen großen Grillabend erst 1 Stunde vorher (und war dennoch rechtzeitig beendet), mal durfte der Dinklager Bus durch Unterstützung der Polizei auf der Autobahn drehen, weil er eine Ausfahrt verpasst hatte. Und in Dinklage wurde bei 35 Grad auch mal eine Gulaschsuppe serviert (die tatsächlich aufging).

Auch die Veränderungen in Epouville haben die Dinklager registriert. Die größte Firma wurde geschlossen, die Post ausgegliedert, die Supermärkte verschwanden, der Bahnhof verschwindet und die Tennisplätze wurden für Boule-Bahnen geopfert. Dafür hat Epouville nun eine Polizeistation und ein schickes Sportzentrum. Der geplante Bau eines Gefängnisses wurde nach einem Bürgerprotest übrigens nicht realisiert.

Nachwuchssorgen in Dinklage und Epouville

Keinen Hehl macht das Partnerschaftskomitee aus dem Alterungsprozess auf beiden Seiten. Es fehle zurzeit einfach der Nachwuchs, bedauert Kruse, der früher selbst öfter mit Jugendmannschaften des TVD in die Normandie reiste. Und in Epouville habe die Jugend nicht mehr so den Draht zu Deutschland, weil in der Schule nicht mehr Deutsch, sondern Spanisch als 2. Fremdsprache unterrichtet werde.

Die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen – dies lohne sich indes sehr, betont Irmgard Arlinghaus. „Wir sammeln Erfahrungen und Erlebnisse, die uns für das Leben prägen.“


Fakten:

  • Ab Mitte der 1980er Jahre gab es regelmäßigere Besuche von Vertretern aus Politik, Sport und Gesellschaft nach Epouville.
  • Die Partnerschaft zwischen Dinklage und Epouville wurde am 18. Mai 1986 offiziell besiegelt.
  • Seitdem gibt es regelmäßige Treffen – im einen Jahr in Dinklage, im anderen in Epouville.
  • Dem Partnerschaftskomitee gehören Irmgard Arlinghaus (Vorsitzende), Ingrid kl. Sextro (2. Vorsitzende), Dieter Kruse, Bernd Helmes, Jörg Hotze sowie Bürgermeister Carl Heinz Putthoff, der stellvertretende Bürgermeister August Scheper und Ratsvorsitzender Robert Blömer an.

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