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So marginalisiert man sich

Thema: Wagenknecht und die Identitätspolitik - Die Linkspartei ist zutiefst zerstritten und zerfleischt sich dem amerikanischen Vorbild nach selber.

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Nach dem Sozialdemokraten Wolfgang Thierse ist jetzt die „Linken“-Politikerin Sahra Wagenknecht über die Identitätspolitik gestolpert. Für Äußerungen in einem noch unveröffentlichten Buch steht sie in der Kritik.

Die Causa Wagenknecht zeigt – ebenso wie der Fall Thierse – dass die Linke (verstanden als breite politische Strömung) zutiefst zerstritten ist. Damit ist ein weiterer soziokultureller Trend aus den USA nach Deutschland hinübergeschwappt: die Selbstzerfleischung linker Parteien über der Frage, ob sie sich vor allem für materielle Besserstellung von armen Leuten und Arbeitnehmern einsetzen sollen – oder für die identitären Belange teils realer, teils konstruierter Minderheitengruppen.

"Die Wahlergebnisse zeigen ja, dass alte Arbeiterparteien prekär Beschäftigte und Arbeiter kaum mehr überzeugen"Philipp Ebert, Volontär OM online

Dabei wird immer deutlicher: Insbesondere junge Menschen in linken Parteien sind zunehmend identitär geprägt. Der materielle Kampf ist eher eine Sache alter Recken. "Das materielle Sein bestimmt das politische Bewusstsein", hieß es einst noch bei Karl Marx. Doch die Frage nach Verteilungsgerechtigkeit ist in einer materiell übersättigten Gesellschaft für viele linke Politiker (die selbst kaum harte Maloche kennen) offenbar nicht mehr relevant.

Tatsächlich: Die Wahlergebnisse zeigen ja, dass alte Arbeiterparteien – egal ob SPD oder Die Linke – prekär Beschäftigte und Arbeiter kaum mehr überzeugen. Diese wählen zunehmend AfD. Genau davor warnen Wagenknecht und Thierse: dass die Klientel aus dem Blick verloren wird. Ihre Parteien aber entscheiden sich, abweichende Stimmen zu unterdrücken, statt Kritik ernst zu nehmen. So sieht der Weg in die Selbstmarginalisierung aus.

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