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So lief die Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl

70 Gäste verfolgten die Gesprächsrunde der Kolpingsfamilie. Die IGeHo kritisiert einige Entscheidungen. Inhaltlich lag sie mit CDU, SPD und FDP aber gar nicht so weit auseinander.

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Diskutierten über die Holdorfer Kommunalpolitik: (von links) Stephan Möhring (SPD), Andreas Lucht (IGeHo), Peter Höffmann (FDP) und Jan-Dierk Brand (CDU).  Foto: Vollmer

Diskutierten über die Holdorfer Kommunalpolitik: (von links) Stephan Möhring (SPD), Andreas Lucht (IGeHo), Peter Höffmann (FDP) und Jan-Dierk Brand (CDU).  Foto: Vollmer

Es ging um das Thema Verkehr und die Flächenkonflikte, um die Umwelt und das Zusammenleben in der Gemeinde Holdorf: 4 der 6 eingeladenen Parteien und Gruppierungen, die für den neuen Rat kandidieren, beteiligten sich am Dienstagabend auf Einladung der Kolpingsfamilie Holdorf an der Podiumsdiskussion, um die Wähler über ihre politischen Ziele zu informieren und möglichst viele der 20 zu vergebenden Gemeinderatssitze bei der bevorstehenden Kommunalwahl am 12. September (Sonntag) für sich zu gewinnen.

"Kolping hat schon immer politische Bildung angeboten, deshalb haben wir zu dieser öffentlichen Podiumsdiskussion eingeladen", begrüßte der Vorsitzende Bernd von Lehmden etwa 70 Teilnehmer am Dienstagabend im Saal des Hotels zur Post. Während CDU (Jan-Dierk Brand), SPD (Stephan Möhring), FDP (Peter Höffmann) und IGeHo (Andreas Lucht) jeweils einen Kandidaten stellten, nutzten AfD und UWG ihre Chancen nicht, ihre politischen Ziele zu den 4 Themenblöcken vorzustellen. AfD-Kandidatin Ingrid Lohstroh verfolgte die Diskussion stattdessen im Publikum. Die Moderation der 2-stündigen Veranstaltung hatte Frederik Böckmann, Holdorf-Reporter der OM-Medien, übernommen.

Andreas Lucht nutzte direkt den ersten Aufschlag zum Thema Straßenverkehr zur Kritik am aktuellen Gemeinderat. „Basisdemokratie ist eine klasse Sache“, begrüßte Andreas Lucht die Einwohnerbefragung zu den Straßenausbaubeiträgen (die jetzt sehr wahrscheinlich abgeschafft werden). Er monierte jedoch die Antwortmöglichkeiten und das lange Erklärstück zu den Auswirkungen als zu kompliziert. 14-Jährige hätten dies nicht verstehen können. Unterstützung erhielt er von Peter Höffmann. Andreas Lucht forderte: Jetzt müsse festgelegt werden, welche Straße in welcher Reihenfolge saniert werde.

"Wir sind unterm Strich zufrieden, dass sich 46 Prozent der Bürger beteiligt haben und ein eindeutiges Ergebnis vorliegt", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jan-Dierk Brand. Jetzt liege ein klarer Weg vor, den werde die CDU verfolgen. Die SPD, die den Antrag der Abschaffung gestellt hatte, sei anfangs nicht mit der Einwohnerbefragung einverstanden gewesen, fühle sich aber durch das abgegebene Votum bestätigt, sagte Stephan Möhring.

Zum Thema Straßenverkehr stellte Andreas Lucht, früher Ratsherr in Wallenhorst, außerdem fest: Wenn eine Gemeinde wächst, dann wächst auch der Verkehr. Das müsse eine Gemeinde berücksichtigen. Beim Baugebiet Am Lagerweg sei das an der Kleinen Eschstraße versäumt worden, diese hätte man vor der Wohnbebauung ausbauen müssen. Aus dem Publikum erhob Anke Lucht, stellvertretende Schriftführerin der IGeHo, den Vorwurf, dass die Zufahrt und der Kreuzungsbereich zum Osterort zuvor hätte ausgebaut werden müssen. Ob der jetzt dafür angedachte Kreisverkehr neben dem vorgesehenen Bürgerpark verträglich ist, sei fraglich. Jan-Dierk Brand erwiderte, dass von Planern vorgestellte Entwürfe für Lösungen zuvor mit den Bürgern besprochen werden. Freidemokrat Peter Höffmann forderte, dass bei der Sanierung der Industriestraße zumindest ein Fahrstreifen befahrbar bleibe.

Zum Thema Ortsdurchfahrt bemerkte Jan-Dierk Brand, dass bei der Sanierung der Industriestraße ein Problem auf den Ort zukomme, da hier die Umleitung für den Pkw-Verkehr vorgesehen sei. Das Ziel müsse es sein, mit einer einseitigen Befahrung zu arbeiten. IGeHo-Kassierer Manfred Frilling fragte kritisch nach, ob die Gemeinde Steinfeld sich an den Sanierungskosten der Industriestraße beteilige. Schließlich nutzten durch die neugebaute Verbindung zur Industriestraße die Steinfelder Unternehmen diese als Umgehungsstraße. Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug stellte klar, dass es diesbezüglich keinen Vertrag gebe.

SPD und CDU für verträgliche Nachverdichtung beim Bauen

Da die Wohnbebauung mit den Ansprüchen auf Agrarflächen der Landwirtschaft in Konflikt stehen, wollen alle Ratskandidaten eine erträgliche einvernehmliche Lösung finden. Dazu gehöre auch eine verträgliche Nachverdichtung von bebauten großflächigen Grundstücken, nannte Stephan Möhring als ein Ziel der SPD. Dieses deckt sich mit den Plänen der CDU. Denn künftig sollen Bürger auch noch bauen können. Das Konzept zur Steuerung der Wohnungsdichte sei ein erster Schritt, betonte Jan-Dierk Brand. Manchen Bürgern ginge es zu schnell, was die Entwicklung Holdorfs angehe, gab Andreas Lucht zu bedenken. Holdorf sei nicht mehr der homogene Ort, wie er es früher einmal gewesen sei. „Wir müssen uns überlegen, ob es noch das Einfamilienhaus geben kann“, sagte der IGeHo-Vorsitzende. Holdorf sei keine Flächengemeinde, deshalb müsse man sich neue Bauformen überlegen.

Beim Diskussionspunkt Umwelt war man sich einig, dass Veränderungen nur im Dialog mit der Landwirtschaft gehen. Die SPD drängte auf ihren Vorschlag, einen Nachhaltigkeitsmanager gemeinsam mit der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden einzustellen. Blühstreifen, Dachbegrünung und Zisternenbau seien ein erster Schritt, waren sich alle Parteivertreter einig. Holdorf habe schon viel erreicht und auch über die Gemeindegrenzen hinaus in Bewegung gesetzt. Dazu gehöre auch, dass zum Thema Wasserknappheit der OOWV sich auf die Suche nach einem neu zu bauendem Wasserwerk mache, so der Bürgermeister.

Die ehrenamtliche Arbeit besitzt in Holdorf einen hohen Stellenwert. Jan-Dierk Brand verwies darauf, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren sehr viel Geld für die Vereinsförderung ausgegeben habe. Stephan Möhring forderte die Politiker auf, sich mit den Vereinen an einen Tisch zu setzen, um zu klären, ob es einen von der CDU geforderten Ehrenamtsmanager braucht, der sie in ihrer Arbeit unterstützt. Außerdem sei zu überlegen, Gruppierungen zu unterstützen, die kein "eingetragener Verein" sind. Zudem müsse man sich Gedanken machen, wie man die Themen Wirtschaftsförderung bei Leerstand von Geschäftsräumen und Familienförderung verbessern könne.

Lud zu der Podiumsdiskussion ein: Bernd von Lehmden, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Holdorf. 
Foto: Vollmer
Die Diskutanten: (von links) Jan-Dierk Brand, Peter Höffmann, Andreas Lucht, Stephan Möhring.
Foto: Vollmer
Führten durch den Abend: Frederik Böckmann (Moderator), Peter Höffmann (FDP), Jan-Dierk Brand (CDU), Stephan Möhring (SPD), Andreas Lucht (IGeHo), Bernd von Lehmden (Kolpingsfamilie).
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Verfolgten interessierte die Diskussion: (von links) Elisabeth Vodde-Börgerding, Kim Rottinghaus und Inge Olberding.
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Sprach für die CDU: Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat Jan-Dierk Brannd
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Will für die FDP in den Gemeinderat: Peter Höffmann.
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Vorsitzender der Interessengemeinschaft Holdorf: Andreas Lucht.
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Spitzenkandidat der SPD: Stephan Möhring.
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Festzuhalten bleibt, dass insgesamt eine gute Atmosphäre herrschte und die Diskussion fair geführt wurde. Auch, wenn der IGeHo-Vertreter Andreas Lucht einige Male gegen die CDU und die SPD stichelte und ihnen "verkrustete Strukturen" vorwarf. Konkrete Lösungsvorschläge hatte Lucht indes auch nicht immer parat. Stattdessen verwies er lieber auf die aus seiner Sicht unbefriedigenden Ist-Zustände bei den diversen Themen. CDU und  SPD konterten darauf mit ihren umgesetzten Maßnahmen. Einen unbekümmerten Eindruck zwischen den drei erfahrenen Politikern hinterließ der Liberale Peter Höffmann. Er stecke inhaltlich natürlich in kaum einem Thema so tief wie die aktuellen Ratsmitglieder, räumte der 21-Jährige frei ein. Aber: "Ich habe Bock auf Kommunalpolitik." 

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