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So kommt das 9-Euro-Ticket ins Oldenburger Münsterland

Kommunen und Verkehrsbetriebe bereiten sich auf den 1. Juni vor. Dann startet die dreimonatige Aktion. Vor Ort werden darin sowohl Chancen als auch Risiken gesehen.

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Damit die Züge wieder voll werden: Das 9-Euro-Ticket soll Menschen dazu bewegen, wieder öfter mit der Nordwestbahn zu fahren. Foto: Berg

Damit die Züge wieder voll werden: Das 9-Euro-Ticket soll Menschen dazu bewegen, wieder öfter mit der Nordwestbahn zu fahren. Foto: Berg

Das 9-Euro-Ticket: Es wird mit heißer Nadel gestrickt, und doch könnte es dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einen echten Popularitätsschub bescheren. Den hätten Bus und Bahn nach der Corona-Pandemie auch dringend nötig. Noch sind auf politischer Ebene zwar nicht alle Details geklärt, doch der Starttermin ist mit dem 1. Juni bereits gesetzt. Kommunen und Verkehrsunternehmen vor Ort stecken mitten in den Vorbereitungen und sehen in dem Subventionsprogramm für die "Öffis" sowohl Chancen als auch Gefahren, wie Recherchen von OM-Online ergeben haben.

Mit dem 9-Euro-Ticket, das Teil des sogenannten Entlastungspakets ist, will die Bundesregierung vor allem Pendlerinnen und Pendlern unter die Arme greifen, die von den aktuell hohen Energie- und Kraftstoffpreisen betroffen sind (siehe auch Fakten). Willkommene Nebeneffekte wären die bereits angesprochene Stärkung des ÖPNV sowie ein Beitrag zum Klimaschutz. Die Auswirkungen der Berliner Planungen reichen sprichwörtlich bis zur letzten Milchkanne. Beispiel: "Das 9-Euro-Ticket wird im gesamten straßengebundenen ÖPNV-Angebot des Landkreises Vechta angeboten", sagt Behördensprecher Jochen Steinkamp.

Probleme beim Fahrrad-Transport erwartet

Dazu zählt etwa der komplette Linienbusverkehr sowie das gemeinsam mit dem Landkreis Cloppenburg angebotene Rufbussystem Moobil-Plus. Daher sind Absprachen zwischen den beiden Landkreisen notwendig, erläutert Steinkamps Cloppenburger Amtskollege Frank Beumker. Zunächst müssten jedoch die politischen Beschlüsse auf Bundesebene vorliegen, fügt er an. Auch die Abstimmung mit den Ländern läuft noch.

Das 9-Euro-Ticket gilt auch für den gesamten straßengebundenen ÖPNV in Südoldenburg, etwa den Rufbus Moobil-Plus. Foto: BergDas 9-Euro-Ticket gilt auch für den gesamten straßengebundenen ÖPNV in Südoldenburg, etwa den Rufbus Moobil-Plus. Foto: Berg

Knackpunkt ist das liebe Geld. "Es sind noch nicht alle Finanzierungsfragen beantwortet", erklärt der Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), Dirk Altwig, auf Anfrage in Hannover. "Wenn der Bund seinen Teil erfüllt, wird es an den Verkehrsbetrieben nicht scheitern", schiebt er nach. Die LNVG ist als hundertprozentige Tochter des Landes für Planung, Organisation und Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs in Niedersachsen zuständig.

Zum praktischen Teil: Tickets können nach Steinkamps Angaben sowohl in den Fahrzeugen als auch bei den Verkehrsunternehmen gekauft werden. Bei Moobil-Plus werden demnach Reservierungen möglich, aber kein Fahrkartenverkauf. Und: Die Erfordernisse für den Ticketverkauf in der Mobilitätszentrale am Bahnhof in Vechta würden vorbereitet. Ähnlich ist die Lage im Kreis Cloppenburg. "Die technischen Voraussetzungen für den Vertrieb des 9-Euro-Tickets werden derzeit geschaffen und bis zum 31. Mai abgeschlossen sein", bekräftigt Beumker.

Einige Verkehrs- und Umweltverbände kritisieren das verbilligte Ticket im Vorfeld als falsches Signal. Das Geld solle besser in den Ausbau des Streckennetzes und engere Zugtaktungen investiert werden, heißt es. Letzteres ist, unabhängig von dieser Aktion, auch vor Ort geplant. Zudem gebe es nicht genügend Personal und Fahrzeuge, um einen möglichen Ansturm zu bewerkstelligen, so die Kritik.

"Wir freuen uns, weil wir die Chance erhalten, den ein oder anderen für den Bahnverkehr zurückzugewinnen."Steffen Högemann, Sprecher der Nordwestbahn

Diese Sorgen gibt es zum Teil auch vor Ort. "Wir freuen uns, weil wir die Chance erhalten, den ein oder anderen für den Bahnverkehr zurückzugewinnen", sagt Nordwestbahn-Sprecher Steffen Högemann. Zum Netz des Osnabrücker Verkehrsbetriebs gehören unter anderem die beiden hiesigen Strecken RE 18 (Osnabrück-Cloppenburg-Oldenburg) und RB 58 (Osnabrück-Vechta-Bremen). Gleichzeitig befürchtet Högemann, dass Fahrgäste Erfahrungen machen könnten, "die eher zu Frust führen".

So steht gleich zum Auftakt des dreimonatigen Aktionszeitraums das lange Pfingstwochenende an. Högemann: "Das Fahrgastaufkommen ist nicht vorhersehbar. Wir gehen aber davon aus, dass wir an den Wochenenden, gerade auch an Pfingsten, mehr Fahrgäste haben werden."

Problem: Es gebe keinerlei Möglichkeiten, die Züge mit mehr Waggons auszustatten oder die Taktungen zu erhöhen, weil es an Fahrzeugen und Personal fehle. Folge: Die Kundinnen und Kunden sollen frühzeitig auf mögliche Einschränkungen hingewiesen werden, etwa wenn sie beliebte touristische Ziele wie die Nordseeküste ansteuern wollen. Konkret bittet die Nordwestbahn schon jetzt darum, während der Phase des 9-Euro-Tickets "generell davon abzusehen, Fahrräder mitzunehmen." Andernfalls könne es zu Konflikten kommen, denn Räder würden laut Beförderungsrichtlinie nur mitgenommen, wenn Platz sei. Vorrang hätten Passagiere und deren Gepäck, Kinderwagen und Rollstühle.

Kommunen kritisieren kurze Planungszeit

Derartige Konflikte sind im Busnahverkehr offenbar nicht zu befürchten. "Nach intensiver Rücksprache mit den Verkehrsunternehmen vor Ort sind wir grundsätzlich auf die Situation vorbereitet", sagt Steinkamp. Nach derzeitigem Stand geht die Behörde in Vechta nicht davon aus, dass die Kapazitätsgrenzen erreicht werden. Steinkamp: "Sollte dies doch der Fall sein, kann je nach Ausgangslage nachgesteuert werden."

Demzufolge bewerten die Kommunen das Projekt 9-Euro-Ticket grundsätzlich positiv. "Insbesondere Pendler werden entlastet. Auch könnte der Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf den ÖPNV weiter voranschreiten", sagt Beumker. Kritik wird allerdings an dem großen organisatorischen Aufwand und dem übereilten Verfahren geübt. "Die doch sehr kurzfristige Planungszeit erschwert ein abgestimmtes Vorgehen in Niedersachsen", moniert Steinkamp.


Fakten: Das ist das 9-Euro-Ticket

  • Ab Anfang Juni und bis Ende August sollen Fahrgäste bundesweit für 9 Euro pro Monat im Nah- und Regionalverkehr in der 2. Klasse fahren können.
  • Das einzelne Ticket ist immer bis zum Monatsende gültig. Wer das 9-Euro-Ticket für 3 Monate kauft, zahlt 27 Euro – einen zusätzlichen Rabatt gibt es nicht.
  • Inbegriffen sind Linienbusse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen, Regionalzüge und Regionalexpress-Züge.
  • Ausgenommen sind der Fernverkehr der Deutschen Bahn AG und anderer Unternehmen, also zum Beispiel ICE, IC oder Flixbusse.
  • Ab Ende Mai sollen die Tickets online und in Apps erhältlich sein – etwa bei der Deutschen Bahn, Verkehrsverbünden und regionalen Verkehrsunternehmen – aber auch über Fahrkartenautomaten und Schalter gekauft werden können.
  • Wer bereits ein Abo besitzt, das deutlich teurer als 9 Euro ist, bekommt den Differenzbetrag ausgeglichen.
  • Die Aktion ist Teil eines Entlastungspakets der Bundesregierung für alle Bürgerinnen und Bürger infolge der aktuell hohen Energie und Kraftstoffpreise.
  • Die letzten Details zur Umsetzung stehen erst am 20. Mai fest, wenn das Entlastungspaket im Bundesrat verabschiedet wird. (Quellen: dpa, ADAC, Deutsche Bahn AG)

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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