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So gefährdet die Politik die Zukunft des Lokaljournalismus

In Programmen niedersächsischer Parteien spielt Strukturwandel der Medien keine Rolle.

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Die Digitalisierung sorgt für einen riesigen Umbruch der Medienlandschaft, in Deutschland, in Europa, weltweit. Ältere Menschen bleiben treue Zeitungsleser, aber die jüngeren Generationen holen sich wichtigen Informationen längst über Smartphone, Laptop und Tablet.

Auch ein lokales Medienhaus wie die aus OV und MT hervorgegangene OM-Mediengruppe investiert aktuell massiv in die Digitalisierung ihrer Produkte, Prozesse und Vertriebswege. Auch wenn die Zeitungslektüre für viele Menschen noch lange eine lieb gewonnene Gewohnheit bleiben wird, steht fest: Die Zukunft des Lokaljournalismus als wichtiger Marktplatz der Nachrichten und Meinungen vor Ort ist digital.

Die Frage ist nur, wie künftig das Geschäftsmodell privater kommerzieller Medien aussehen wird. Seriöser Lokaljournalismus kostet nun einmal Geld. Werden die Digitalerlöse zur Finanzierung unabhängiger Redaktionen ausreichen, die auch mal unbequeme Wahrheiten aussprechen? Oder reicht es uns als lokale Gemeinschaft, wenn wir uns künftig auf Facebook und Twitter gegenseitig ausschimpfen? Wie lange noch werden Redaktionen ihre Nachrichten sowohl digital als auch auf Papier, also mit hohen Kosten verbunden, vertreiben müssen, weil der eine Kunde dies will und der andere jenes?

„Solche Rahmenbedingungen erleichtern lokalen Medien nicht gerade ihren publizistischen Auftrag"Ulrich Suffner, Chefredakteur

Fragen über Fragen zu einem durchaus auch demokratierelevanten Wirtschaftsthema. Da wundert man sich schon, welche geringe Rolle der digitale Wandel in der Medienbranche in den Programmen der Parteien zur Landtagswahl in Niedersachsen spielt. „Aus Sicht der privaten kommerziellen Medien sind die Positionen der Parteien eine Riesenenttäuschung“, sagt Stefan Borrmann, Geschäftsführer des Verbands Nordwestdeutscher Zeitungsverlage und Digitalpublisher (VNZV) in Hannover. Dem kann man als verantwortlicher Chefredakteur vor Ort nur zustimmen. Klare Aussagen, ob und wie private Medien in diesem Strukturwandel unterstützt werden sollen? Leider Fehlanzeige.

Bürgermedien heißt dagegen das Zauberwort in den Wahlprogrammen von SPD und Grünen. Die Lokalradios sollen – geringer Reichweite und niedriger Relevanz zum Trotz – mit Steuergeld aufgepäppelt werden. Für den erwünschten Zusammenhalt lokaler Zivilgesellschaften ist der Beitrag privatwirtschaftlich organisierter Lokalmedien mit ihren weiterhin großen Reichweiten nachweislich ungleich größer.

FDP lobt Lokalzeitungen, lässt die niedersächsischen Verlage im Wandel aber auch allein

Die CDU will zwar Medienvielfalt „erhalten und fördern“, aber sie sorgt sich vor allem um die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Rundfunkgebühr soll sich an der Preisentwicklung orientieren. Das wird teuer angesichts der galoppierenden Inflation. Die FDP lobt Lokalzeitungen, lässt die niedersächsischen Verlage im Wandel aber auch allein. So ist gerade im ländlichen Bereich die digitale Infrastruktur immer noch so lückenhaft, dass sich das Video vom jüngsten Schützenfest auf dem Handy leider gar nicht abspielen lässt. Auch die restriktive Landesdatenschutzbehörde behindert eine reichweitenstarke digitale Verbreitung. Mindestlohn und Energiekosten kommen als bundesweite Faktoren hinzu.

Solche Rahmenbedingungen erleichtern lokalen Medien nicht gerade ihren publizistischen Auftrag, den sie auch in Zukunft gerne erfüllen wollen, digital und auf Papier.

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

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