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So bewertet die Dinklager Bürgeraktion die Pläne zur Verkehrsentwicklung

Welche Ziele sollen verfolgt werden? Welche Maßnahmen sind dafür nötig? Die Geschäftsleute diskutierten und stimmten ab. Jetzt folgt der nächste Schritt: Die Bürger sollen sich äußern.

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Wenn zwei Fahrzeuge sich begegnen, wird's im Kösters Gang eng. Foto: Böckmann

Wenn zwei Fahrzeuge sich begegnen, wird's im Kösters Gang eng. Foto: Böckmann

Den Verkehrsfluss besser zu lenken, es Fußgängern und Radlern leichter zu machen und die Sicherheit zu erhöhen – das sind die Ziele des Dinklager Verkehrsentwicklungsplans (VEP). Mit ihm möchte die Stadt vorsorgen und gleichzeitig die Innenstadt aufwerten.

Zwei Jahre, nachdem der VEP von der Politik angeschoben worden war, könnte jetzt noch Bewegung in das Thema kommen. Denn der Verein "Dinklager Bürgeraktion", dem Handel, Gewerbe und Privatpersonen angehören, hat sich zu den Vorschlägen in einer Stellungnahme an die Verwaltung geäußert – und machte damit indirekt den Weg frei, als nächstem Schritt die Dinklager Öffentlichkeit zu beteiligen.

Welchen Hintergrund hat der Verkehrsentwicklungsplan?
Der Verkehrsentwicklungsplan wurde vornehmlich auf Initiative der SPD vom Rat im Juli 2019 beschlossen. Die Sozialdemokraten hatten in den vergangenen Jahren einige Anträge eingereicht. Das Verkehrs- und Parkraumkonzept sollte optimiert werden, die Attraktivität für Fahrradfahrer und Fußgänger erhöht werden. Handlungsbedarf sah die SPD-Fraktion vor allem am Kösters Gang, der Schulstraße, der Gartenstraße und der Burgstraße. Die Attraktivität der Stadt sollten dabei auch unter Aspekten des Umwelt- und Klimaschutzes verbessert werden. 

Im Sommer 2019 wurde dann ein Arbeitskreis "Verkehrsentwicklung" eingerichtet, der bislang 4-mal unter der Leitung des Fachbüros PGT Umwelt und Verkehr (Hannover) tagte. Diskutiert wurde unter anderem über die Punkte „Verkehrsgruppen und -arten“, „Verkehrssicherheit“, „Innenstadt und Parkraum“, „ÖPNV“ (kurz für Öffentlicher Personennahverkehr), „Verkehrsführung und Elektromobilität“. 

Fahrradklimatest bestätigt Einschätzung

Wie bewertete das Fachbüro die Verkehrssituation in Dinklage?
Gemischt. Die Wege in die Stadt sind für Fußgänger und Radfahrer kurz, auch dank mehrerer kleinerer Wegeverbindungen. Die zentral liegenden Schulen sind überwiegend gut zu Fuß und mit dem Rad erreichbar. Der Stadtring und die Umgehungsstraße entlasten die Innenstadt. Die Stadtmitte ist dank der kurzen Wege kompakt. In der City sind alle nötigen Geschäftsbereiche vorhanden.

Die Verkehrsexperten bemängeln allerdings auch: Die Gehwege sind zu schmal, es gibt keine getrennten Rad- und Fußwege. Im Allgemeinen ist die Verkehrsführung für Radfahrer nicht eindeutig. Das bestätigte zum Teil auch die Auswertung des Fahrradklimatests 2020.  Dazu kommt: Trotz Stadtring und Umgehungsstraße fahren zu viele Autos und Lkw durch die City. Es mangelt an einer eindeutigen Hierarchie. Auch das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs ist trotz des Rufbusses nicht gut.

Welche Ziele müssen aus Sicht der Bürgeraktion im VEP verfolgt werden? 
In 2 Online-Sitzungen mit den Mitgliedern des zuständigen Arbeitskreises Verkehr und dem Planungsbüro tauschte sich die Bürgeraktion aus. Rund 50 Teilnehmer (Mitglieder der Bürgeraktion und auch weitere Geschäftsleute) beteiligten sich daran. Außerdem gab es ein Brainstorming mit der Architektin Elke Meinert-Bahlmann. Folgende Ziele formulierte die Bürgeraktion:

  • Die Innenstadt muss attraktiver werden, damit es dort auch künftig Einzelhandel und Gastronomie gibt.
  • Die Innenstadt muss zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Auto erreichbar bleiben. Die City zu sperren oder als Fußgängerzone einzurichten, ist keine Alternative.
  • Die Wohnqualität muss erhöht werden, damit hochwertige Immobilien für Mieter interessant sind. Nur so lasse sich eine lebendige und lebenswerte Innenstadt erhalten.

Welche Maßnahmen sind dafür aus Sicht der Bürgeraktion notwendig?

  • den Verkehr reduzieren, Geschwindigkeit senken, mehr Sicherheit vor allem für schwächere Verkehrsteilnehmer 
  • die Aufenthaltsqualität erhöhen durch mehr Grün (zum Beispiel am Alten Markt), durch Spielgeräte respektive einen Brunnen
  • die Außengastronomie ermöglichen beziehungsweise fördern
  • Kurzzeitparkplätze erhalten und kontrollieren, Anwohnerparkplätze ermöglichen und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder schaffen
  • die Wohnqualität erhöhen, Lärm durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit erhöhen, Posen unterbinden, temporäre Durchfahrtsverbote schaffen (zum Beispiel abends/nachts beziehungsweise am Wochenende)

Diskutierte die Bürgeraktion auch über Einzelmaßnahmen? Ja. Um ein breites Meinungsbild zu bekommen, gab es bei auch ein Voting (siehe Grafik). Die größten Diskussionen gab es laut den Vorsitzenden Joe Behrens (auch CDU-Ratsmitglied) und Markus Ruhe beim Thema "Umgestaltung Alter Markt". Einerseits aus baulicher Sicht, weil es der zentrale Platz in der Innenstadt ist und noch keine Planungen vorliegen. Andererseits mit Blick auf den Verkehr.

Denn die T-Kreuzung vor der Eisdiele ist ein Knotenpunkt. Häufig wissen Autofahrer nicht, wer hier Vorfahrt hat. Die Online-Umfrage ergab eindeutig, dass die Mitglieder der Bürgeraktion gegen eine abknickende Vorfahrtsregelung auf der Burgstraße (in Richtung Pfarrhof) sind und auch gegen eine Einbahnstraßenregelung am Alten Markt. Testweise sollten hier andere Verkehrsführungen ausprobiert werden, "bevor kostenintensive Tatsachen geschaffen werden", teilten Behrens und Ruhe mit.

Und was ist mit dem viel diskutierten Kösters Gang?
Dass die enge Straße eine Einbahnstraße werden soll, dafür sprechen sich die meisten Teilnehmer der Online-Umfrage aus. In welche Richtung, darüber gibt es keine Einigkeit. Für eine Einbahnstraße in Richtung Schulzentrum, also aus der Innenstadt raus, sprechen die 3 Bildungseinrichtungen und das Gesundheitszentrum, die auf dem Weg liegen. Das Problem: Der Linksabbieger-Verkehr in den Kösters Gang bleibt, die Kreuzung ist dann immer noch unübersichtlich. Für eine Einbahnstraße in Richtung Innenstadt spricht wiederum eine dann übersichtlichere Verkehrsführung. Auch Fahrzeuge des Malteser-Hilfsdienstes müssen keinen Umweg nehmen. Und klar ist auch: Die Geschäftsleute wollen, dass die Verkehrsteilnehmer in die Innenstadt fahren – und nicht aus ihr heraus.

Wurden schon Maßnahmen aus dem Verkehrsentwicklungsplan umgesetzt?
Ja. Der Kreisel im Kösters Gang und die Fahrradpiktogramme auf der Entlastungsstraße. Auch das Parkraumkonzept bei der Kardinal-von-Galen-Schule ging aus den Gesprächen im Arbeitskreis Verkehr und den Anregungen des Planungsbüros hevor. 

Jetzt sollen sich alle Dinklager beteiligen

Wie geht es nun weiter?
In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung empfahlen die Mitglieder einstimmig 2 Punkte. Zum einen wurden die Anregungen der Bürgeraktion im Entwurf des Verkehrsentwicklungsplanes ergänzt. Zweitens, und viel wichtiger: Die Bürger sollen jetzt aktiv beteiligt werden und informiert werden: durch Flyer, Online-Befragungen und vielleicht auch noch durch eine Präzens- oder Online-Veranstaltung. Dies soll alles möglichst noch  vor der Sommerpause geschehen.

In dieser Zeit sollen die Ergebnisse und Stellungnahmen ausgewertet werden. In  der Ratssitzung am 5. Oktober 2021 könnte der Verkehrsentwicklungsplan dann verabschiedet werden. Bauamtsleiter Michael Busch betonte aber: Jede einzelne Maßnahme müsse vom Rat noch einmal einzeln beschlossen werden. Klar ist auch: Dies wird dann ins Geld gehen.


Infos: 

  • Einige der Unterlagen zum Verkehrsentwicklungsplan gibt es im Ratsinformationssystem der Stadt Dinklage.
  • Mitglieder in dem halb-öffentlichen Gremium sind von der Verwaltung Bürgermeister Frank Bittner, Klimaschutzmanagerin Dorothee Arp sowie vom Bauamt Anne Miosga, Michael Busch und Sven Friedrich. Dazu die Polizei, die Bürgeraktion, die Leiter aller vier Schulen und Heinz Fischer vom Projekt Dinklusiv. Eingeladen sind auch alle Mitglieder des Stadtrates.



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