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Sinnvoll oder überflüssig? Geplanter Imkerschein stößt vor Ort auf geteiltes Echo

Hobby-Bienenzüchter sollen eine Art Führerschein machen, ehe sie tätig werden dürfen. Dieses Vorhaben treiben CDU und SPD im Landtag trotz einiger Kritik voran.

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Kontrolle ist wichtig: Das gilt nicht nur für Bienenvölker, sondern auch für Imker. Davon sind die Fraktionen von CDU und SPD im Landtag überzeugt. Foto: dpa/Kumm

Kontrolle ist wichtig: Das gilt nicht nur für Bienenvölker, sondern auch für Imker. Davon sind die Fraktionen von CDU und SPD im Landtag überzeugt. Foto: dpa/Kumm

Einen verpflichtenden Imkerschein, mit dem auch Hobbyimker grundsätzliche Sachkunde im Umgang mit Bienenvölkern nachweisen müssen, fordern die Fraktionen von SPD und CDU im niedersächsischen Landtag. Damit sollen Honigbienen mehr geschützt und deren Haltung verbessert werden. Auch der Ausbreitung von Krankheiten, wie der amerikanischen Faulbrut, könne auf diesem Wege effektiver vorgebeugt werden, heißt es.

Das ist die Ausgangslage: Immer mehr Menschen begeistern sich für die Imkerei, vor allem in Großstädten. Deutschlandweit ist die Zahl nach Angaben des Deutschen Imkerbundes binnen 10 Jahren von etwa 95.000 auf jetzt 145.000 geklettert. Zuwächse gibt es aber auch in ländlichen Regionen. So berichtet der Imkerverein Vechta von einem jährlichen Mitgliederzuwachs in Höhe von etwa 4 Prozent auf jetzt 160. Insgesamt sind im Kreisgebiet nach Angaben des Veterinäramtes aktuell 489 Standorte mit 2320 Bienenvölkern registriert.

Das sind die Hintergründe der Forderung: Trotz der enorm wichtigen Bedeutung für Flora und Fauna sei die Imkerei derzeit kaum geregelt und nur durch wenige Gesetze bestimmt, bemängeln die Landespolitiker von CDU und SPD. Jeder könne sich ein Bienenvolk kaufen und in den Garten stellen. Der Hobbyimker benötige dabei keinerlei Genehmigung. Er müsse die Imkerei nur anmelden.

Das Siegel Echter deutscher Imkerhonig darf nur verwenden, wer zuvor an einer Imkerschulung teilgenommen hat. Foto: dpaPleulDas Siegel "Echter deutscher Imkerhonig" darf nur verwenden, wer zuvor an einer Imkerschulung teilgenommen hat. Foto: dpa/Pleul

Tatsächlich heißt es in der Bienenseuchen-Verordnung des Bundes: „Wer Bienen halten will, hat dies spätestens bei Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde unter Angabe der Anzahl der Bienenvölker und ihres Standortes anzuzeigen.“ Vor Ort handelt es sich dabei um das Veterinäramt des Landkreises Vechta. Auf der Homepage der Behörde sowie bei Imkervereinen gibt es entsprechende Vordrucke.

Das bemängeln die Kritiker: „Wir werten das als Aktionismus“, sagt der Vorsitzende des Imkervereins Vechta, Andreas Richter. Möge es in Großstädten, in denen der Überblick fehle, vielleicht angebracht sein, würde diese Maßnahme in gewachsenen Strukturen wie dem Kreis Vechta mit seinem funktionierenden System aus freiwilligen Grundschulungen für Jung- und Neuimker, in denen sowohl theoretische als auch praktische Fähigkeiten erworben werden, nur weitere Bürokratie aufbauen. „Und im Moment haben wir ja wohl schon genug neue Regularien“, fügt Richter an. Zudem befürchtet er, dass der Trend zur Imkerei und damit auch zum praktizierten Naturschutz infolge des Zwangs und der Reglementierung jäh beendet werden könnte. Richter plädiert dafür, die Lage nach dem Ende der Corona-Pandemie neu zu überdenken.

"Wenn dort die amerikanische Faulbrut ausbricht, ist sie über Jahre hinweg nicht wieder einzufangen."Werner Clausing, Ehrenvorsitzender des Landesverbandes der Imker Weser-Ems

Ähnliche Bedenken gegen einen verpflichtenden Imkerschein äußert auch der Vorsitzende des Imkervereins Damme, Heiner Meyerrose. „Das würde mehr Bürokratie bedeuten“, sagt er. Und ob mit einer Schulungspflicht jene Hobbyimker erreicht werden, die ihre Tätigkeit bislang schon nicht angemeldet haben, bezweifelt Meyerrose.

Das sagen die Befürworter: „Für mich ist besonders wichtig, dass die rechtlich als Nutztier eingestufte Honigbiene nur gesund leben kann, wenn verantwortungsbewusst mit ihr umgegangen wird“, verteidigt der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke die Pläne. Und dafür seien „umfangreiche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig“, fügt er an.

Zustimmung kommt vom Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes der Imker Weser-Ems, Werner Clausing aus Vechta. Gerade in Städten sei es wichtig, dass Imker einen Führerschein machen, weil dort viele Völker auf Dächern oder Balkonen gehalten würden und nicht gemeldet seien. Clausing: „Wenn dort die amerikanische Faulbrut ausbricht, ist sie über Jahre hinweg nicht wieder einzufangen.“ Für den Raum Weser-Ems würde sich dagegen gar nicht viel ändern, ist er überzeugt. Denn: Hier seien intensive Schulungen an 25 Standorten - darunter in Langförden - mit jährlich 700 Teilnehmern seit Langem etabliert. Hinzu komme ein dichtes Monitoring, das größere Ausbrüche der amerikanischen Faulbrut verhindere. Daher begegnet Clausing einem verpflichtenden Imkerschein „ganz entspannt“.

Pläne kommen am 14. April auf den Prüfstand

Für dessen Einführung spricht sich auch der Landkreis Vechta aus. „Grundsätzlich befürwortet die Kreisverwaltung die geplante Einführung einer verpflichtenden Sachkunde für Bienenhalter“, erklärt Behördensprecherin Eva-Maria Dorgelo. Insbesondere die Bienenseuchenlage habe sich in den letzten Jahren in Niedersachsen verschärft. Um diese Krankheiten frühzeitig zu erkennen und Verständnis für die Gesunderhaltung der Völker zu entwickeln, sei eine entsprechende Sachkunde hilfreich. Dorgelo: „Eine verpflichtende Schulung mit vorgegebenen Qualitätsstandards kann in der Breite noch viel mehr Imker erreichen und diese auf einen einheitlichen Wissensstand bringen.“

So geht es weiter: Ein entsprechenden Entschließungsantrag zur Imkerscheinpflicht haben SPD und CDU Ende März in den Landtag eingebracht. Er wurde zur weiteren Beratung an den Agrarausschuss überwiesen. In der kommenden Sitzung am 14. April sollen erste Verfahrensfragen für die weitere Beratung festgelegt werden, heißt es aus der CDU-Fraktion.

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