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Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Was will der Moderator des "Heute Journals" mit seiner Kleidung aussagen? Auf dem Sofa vor der Mattscheibe gibt es da verschiedene Mutmaßungen.

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Die Abendstunden plätscherten so dahin und wir nahmen ohne große Erwartung Platz hinter dem Couchtisch mit Blick auf das Fernsehgerät. Vor der Nachtruhe sollte uns das ZDF noch kurz die Weltlage erklären. Das „Heute Journal“ begann mit seiner einprägsamen Musik – und die beste Ehefrau von allen kommentierte die erste Kameraeinstellung mit dem Satz: „Wie sieht der denn aus?“

In der Tat hatte der Moderator eine eher gewöhnungsbedürftige Anzugkombination gewählt. Ganz genau erinnern kann ich mich nicht mehr daran, aber irgendwas mit Blau und Gelb und passt nicht so ganz, ist in meinem Hinterkopf noch präsent.

Wir mutmaßten, die Kleidungswahl könnte eine Hommage an die tapfere ukrainische Nation darstellen. Oder einfach nur der Tatsache geschuldet sein, dass in der Moderatorengarderobe des ZDF aus Energiespargründen das Licht weggedimmt wurde. Der Nachrichtenprofi hatte in seiner Zeitnot zur erstbesten Kombination gegriffen, möglicherweise die für eine nachmittägliche Ratesendung.

Allerdings, nein, Profi bleibt Profi. Und so kam noch eine weitere Mutmaßung ins Spiel: Angesichts der aktuell wieder aufkeimenden Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsystem könnte es sich auch um ein politisches Statement zugunsten dieser aus der Sicht vieler Menschen modernen Art von Freibeuterei handeln. Seht her, wir können auch anders und bunt. Auch Moderatoren sind Unterhaltungskünstler.

„Während der Kanzler auf dem Bildschirm staatstragende Worte von sich gab, begann auf der Couch eine Analyse der Moderatorenkleidung.“Andreas Kathe

Nun steht ja das ZDF eher weniger in der Kritik. Es ist ein alleinstehender Turm in der Landschaft, während die ARD in eine mir gerade nicht geläufige Zahl von Landesrundfunkanstalten mit jeweils eigenem bürokratischen Wasserkopf, einer Hundertschaft von Fernseh- und Radioprogrammen sowie Rundfunkräten zersplittert ist. So etwas zu unterhalten, ist schon mühsam genug. Da bleibt für andere Formen des Amüsements in Richtung Publikum nicht immer genügend Fantasie und Men- oder Womenpower übrig.

Während im Hintergrund der derzeit amtierende Bundeskanzler auf dem Bildschirm staatstragende Worte von sich gab, begann auf der Couch eine tiefer gehende Analyse der Moderatorenkleidung und der Möglichkeit, das verkorkste System des „ÖRR“ – schon diese Abkürzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist eine sprachliche Offenbarung – zu reformieren.

Lieber doch eine erneute Erhöhung der Rundfunkgebühren

Einzelheiten erspare ich Ihnen, nicht aber die tiefer gehende Einsicht, dass Reformationen immer einhergehen mit der Tatsache, dass es Verlierer gibt und Köpfe rollen.

Das zeigt die Geschichte und das wissen auch alle politisch Verantwortlichen für dieses abstruse und nicht mehr zeitgemäße System. Ihre Fantasie endet dort, wo dann möglicherweise ihr eigener Kopf in Frage gestellt ist.

Man denkt dann lieber doch über eine erneute Erhöhung der Rundfunkgebühren nach, die.... Ach, schade, gerade in diesem Moment trat der Wettermoderator ins Bild. Passend in schwarz-grauer Kombination. Das Wetter war, glaube ich, dann doch ganz in Ordnung. Und wir ließen einen sehr kurzweiligen Abend ausklingen.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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