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Sie haben zumindest Respekt verdient

Thema: Streik der Lokomotivführer – Die Arbeit wird nicht aus Jux und Dollerei niedergelegt, sondern um für gerechte Löhne und Wertschätzung zu kämpfen.

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31 Prozent der Deutschen haben einer Yougov-Umfrage zufolge Verständnis für den Streik der Lokführergewerkschaft GDL, 55 Prozent haben es nicht. Das ist ein altbekanntes Dilemma: Kaum legt irgendwo in Deutschland eine Branche die Arbeit nieder, solidarisieren sich große Teile der Bevölkerung nicht mit den Streikenden und deren Forderungen, sondern schimpfen über die persönlichen Beeinträchtigungen.

Wenn Versandhändler bestreikt werden, wird gejammert, weil sich die Pakete verspäten. Wenn Erzieherinnen die Arbeit niederlegen, schlägt ihnen der Unmut der Eltern entgegen. Und wenn die Bahnbediensteten streiken, stößt das bei Fahrgästen mitunter auf blanken Hass.  Dieses Verhalten ist nicht nur egoistisch, sondern auch reichlich kurz gedacht und vor allem unsozial.

All den Jammernden sei gesagt: Ein Streik macht nur Sinn, wenn er spürbar ist, wenn er wehtut. Um Druck auf den Arbeitgeber aufzubauen. Oder um Forderungen zu untermauern. Auch wird die Arbeit nicht aus Jux und Dollerei niedergelegt, sondern um – wie etwa bei den Lokführern – Löhne zu erstreiten, die den Wert dieser verantwortungsvollen Arbeit zumindest halbwegs widerspiegeln.

Bahnpersonal hält den Betrieb am Laufen

Kurios: Landet ein Flugkapitän seine Maschine sicher, wird geklatscht. Bei einem Lokführer ist der sichere Transport dagegen eine Selbstverständlichkeit, die außerhalb der Streiks achtlos zur Kenntnis genommen wird. Hinzu kommt: Läuft nicht alles wie gewünscht, gibt es etwa Verspätungen, müssen diese Menschen auch noch als Sündenböcke herhalten.

Dabei haben sie, das gesamte Bahnpersonal, den Betrieb auch in der Hochphase der Pandemie immer am Laufen gehalten. Wenn die Bahn jetzt damit argumentiert, dass unter anderem wegen Corona ein Tarif-Frieden nötig sei, dann ist das schäbig, auch weil sich die Chefetage selbst weiterhin fürstlich auf Top-Niveau entlohnt.

Also: Man muss die GDL und ihren polarisierenden Chef Weselsky nicht mögen, etwa wegen der Verquickung von Tarifkonflikt und Politik. Zumindest Respekt haben sie aber in jedem Fall verdient - für ihren beherzten Kampf um gerechte Löhne und mehr Wertschätzung für die geleistete Arbeit.

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