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Sehnsucht nach Linie

Thema: Corona-Treffen im Kanzleramt: Die Menschen lechzen nach einer klaren Linie. Zuletzt gab es diese zum Beginn der Corona-Zeit in Deutschland.

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Schaut mir in die Augen, Söder, Weil, Schwesig, Laschet oder Müller, dachte sich womöglich die Kanzlerin, als sie Präsenzpflicht für die Ministerpräsidenten in Berlin anordnete. Im persönlichen Gespräch lässt sich's eben leichter streiten, aber auch eher ein Kompromiss finden. Von der gewünschten bundeseinheitlichen Botschaft sind die Länderchefs allerdings noch weit entfernt.

Die Menschen lechzen nach einer klaren Linie, die es zuletzt zu Beginn der Coronazeit gab. Als Angela Merkel im März ein Kanzlerinnenwort sprach und auf die Bedrohung durch das Virus einschwor, versammelte sich das Volk gewissermaßen hinter ihr. Einschließlich aller zu dem Zeitpunkt stummen Politiker. Damals wagte sich niemand aus der Deckung, um einen eigenen Kurs zu verkünden. Heute sind sie vermeintlich schlauer und sorgen mit ihrer eigenen Wahrheit für mehr Verwirrung als für Durchblick.

Das alles sollte nun im Kanzleramt aufgebrochen werden, um eine neue Akzeptanz und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Das ist nur zum Teil gelungen. Aus dem politischen Flickenteppich mit föderalistisch geprägten Einzelteilen ist kein Ganzes geworden.

Aufreger der Woche: Das Beherbergungsverbot. Viele bewerten diese Maßnahme als Mittel gegen Corona sowieso als völlig überschätzt. Und trotzdem konnte sich die Runde nicht auf eine bundeseinheitliche Richtung einigen. Lächerlich und den Bürgern wenig zugewandt. Weil es drastische Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen hat, die dringend eine Erholungsphase hätten gebrauchen können. Dass sich das Thema nach den Herbstferien vermutlich beruhigen wird, macht die Sache nicht besser.

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