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Sechsspuriger Ausbau der A1 soll im ersten Halbjahr 2021 beginnen

Ab Januar ist nicht mehr das Land für das millionenschwere Großprojekt im Kreis Vechta zuständig, sondern der Bund. Das ist nicht die einzige Änderung.

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Das Autobahnnetz, auch im Oldenburger Münsterland, wird ab Januar komplett vom Bund verwaltet. Foto: dpa/Gollnow

Das Autobahnnetz, auch im Oldenburger Münsterland, wird ab Januar komplett vom Bund verwaltet. Foto: dpa/Gollnow

Es kommt wieder Bewegung in den seit Langem geplanten Ausbau der Autobahn 1 zwischen den Anschlussstellen Lohne/Dinklage und Bramsche auf sechs Fahrspuren. Nach diversen Verzögerungen in der Vergangenheit übernimmt der Bund ab Januar die Zuständigkeit für das Projekt vom Land Niedersachsen. Verantwortlich ist dann die neue Autobahn GmbH, Niederlassung Westfalen, mit Sitz in Hamm.

Die neue Gesellschaft drückt dabei aufs Gaspedal. „Die Autobahn Westfalen steht in den Startlöchern und möchte den Auftrag Anfang kommenden Jahres vergeben, vielleicht sogar noch Ende Januar“, sagt Sprecher Bernd Löchter auf Anfrage von OM online. Und weiter: „Danach werden die Gespräche mit dem Unternehmer geführt, um einen Baubeginn noch in der ersten Jahreshälfte zu erreichen.“

Rückblick: Bislang steckte in diesem Prestigeprojekt, an dem seit Jahren herumgeplant wird, der Wurm drin. So mussten etwa die Pläne mehrfach überarbeitet werden. Hinzu kamen rechtliche Änderungen bei der Auftragsvergabe. Ende 2019 wurde bekannt, dass die Anschlussstellen Holdorf und Lohne/Dinklage wegen ihres schlechten Zustands komplett erneuert werden müssen.

Anfang dieses Jahres stellte sich zudem heraus, dass es Probleme bei der Entsorgung des alten Fahrbahnbelags geben wird, der mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet und damit krebserregend ist. Das alles führte dazu, dass die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die zuvor auf 265 Millionen Euro veranschlagten Kosten nicht mehr valide beziffern konnte.

Nun übernimmt also der Bund, dem das 13.000 Kilometer lange Autobahnnetz in Deutschland ohnehin gehört, auch Betrieb, Erhalt und Ausbau von den Ländern. Ziel ist es, schneller und kostensparender zu arbeiten. Auswirkungen hat das im Oldenburger Münsterland nicht nur auf das Großprojekt A1-Ausbau. Nachfolgend gibt es einen Überblick über die Konsequenzen der „größten Verwaltungsreform in der Geschichte der Autobahn“ (Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer) für die hiesige Region.

Wer ist ab Januar für die Autobahnen im Oldenburger Münsterland zuständig?

Hauptschlagader der Region ist die Autobahn 1. Die Niederlassung Westfalen der neuen Autobahn GmbH ist - lokal gesehen - verantwortlich für den Abschnitt von Neuenkirchen-Vörden bis zur Anschlussstelle Cloppenburg (siehe Karte). Für den weiteren Verlauf in nördlicher Richtung, bis zur Grenze zum Landkreis Oldenburg und darüber hinaus, ist die Niederlassung Nordwest in Hannover zuständig. Gleiches gilt für den auf Cloppenburger Kreisgebiet, östlich von Emstek und Halen, verlaufenden Abschnitt der Autobahn 29.

Was geschieht mit den Bundes- und Landesstraßen?

„Planung, Bau und Unterhaltung der Bundesstraßen und Landesstraßen bleiben weiter in unserer Hand“, sagt die Sprecherin der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Heike Haltermann. Anstelle des Autobahnnetzes kommen dort neue Aufgaben wie die E-Mobilität, der Radverkehr als neuer Schwerpunkt und das Verkehrsmanagement hinzu.

Was passiert mit der Autobahnmeisterei in Holdorf?

Die Autobahnmeisterei Holdorf geht – wie alle insgesamt 189 Autobahnmeistereien - an die Autobahn GmbH über. In Holdorf ändere sich „im Grunde genommen nichts“, sagt Autobahn-Sprecher Löchter. Zu den Aufgaben der Autobahnmeisterei Holdorf mit ihren fast 30 Beschäftigten zählen weiterhin etwa Streckenkontrolle, Unfalldienst und Winterdienst auf einem 65 Kilometer langen Abschnitt der A1.

Gibt es neben dem sechsspurigen A1-Ausbau noch weitere Projekte, die im neuen Jahr in Angriff genommen werden sollen?

Im Autobahnbereich aktuell nicht, aber wahrscheinlich bei den Bundes- und Landesstraßen: Unter dem Vorbehalt, dass die finanziellen und verwaltungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen, sind im Jahr 2021 im Landkreis Vechta drei größere Maßnahmen geplant. Dazu zählen nach Angaben der Leiterin des Geschäftsbereichs Osnabrück der Landesbehörde, Uta Weiner-Kohl, vorneweg die Fahrbahnerneuerung der Bundesstraße 214 westlich von Holdorf und der Umbau der verkehrsreichen Kreuzung der Landesstraßen 843 und 848 in Bakum-Daren sowie eine kombinierte Fahrbahnerneuerung und Radwegsanierung an der Landesstraße 846 zwischen Vörden und Damme. Weiner-Kohl: “Ob auch die Landesstraße 80 zwischen Hunteburg und Damme 2021 saniert werden kann, hängt von den umfangreichen Bauvorbereitungen ab.“  

Zurück zur Autobahn: Bleibt die Frage, ob die neue Gesellschaft mit ihren insgesamt 10 Niederlassungen überhaupt startklar ist?

Hintergrund dieser Frage sind Berichte, in denen zuletzt von Problemen bei der IT-Infrastruktur, enormen Kostensteigerungen bei der Umstrukturierung und einer zu dünnen Personaldecke die Rede war. „Personal suchen wir noch, das stimmt, bislang haben wir 100 neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt, bis zum nächsten Sommer sollen weitere 200 folgen“, sagt Behördensprecher Löchter. Und die IT-Struktur sei so angelegt, dass die Systeme „schrittweise“ angepasst würden. Dennoch werde „einem erfolgreichen Start der Autobahn Westfalen nichts entgegenstehen“, bekräftigt er. Und: „Die Lager sind voll mit Öl und Salz, der Winterdienst wird laufen, das ist das Wichtigste.“

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