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Schön, dass es noch Menschen gibt, denen Leid und Tod auf dem Mittelmeer nicht egal sind

Thema: Neues Schiff zur Seenotrettung – Hilfsorganisationen weiten ihr Engagement aus, weil Abschottung die Maxime der Politik und auch von weiten Teilen der Zivilgesellschaft sind.

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Gibt es Menschen erster Klasse, Menschen zweiter Klasse und zuletzt sogar Menschen, die schlichtweg bedeutungslos sind? Deren Leid oder deren Tod egal sind? Manch einer und manch eine wird jetzt die Nase rümpfen und sagen: Solch eine Frage stellt man schon aus Gründen des Anstands nicht, jedes Menschenleben ist wertvoll. Stimmt. Und doch ist die Realität eine andere.

Seit Monaten überschatten der Krieg in der Ukraine sowie die daraus resultierende Energie- und Rohstoff-Krise, dass auf dem Mittelmeer jeden Tag ums nackte Überleben gekämpft wird. Dass jeden Tag zahlreiche Kinder, Frauen und Männer diesen Kampf verlieren. Realer ausgedrückt: Sie ertrinken jämmerlich. Warum? Weil sie aus ihren Heimatländern fliehen müssen, in denen Krieg, Mord, Hunger, Armut und Hoffnungslosigkeit herrschen. Ihre Flucht treibt sie nach Europa. Hier will sie jedoch niemand haben, auch um die Wohlstandsoase nicht zu gefährden.

Wir lassen eben nicht jeden rein

"Wir lassen aber auch wirklich jeden rein." Diesen Satz sagte neulich im Bekanntenkreis ein Familienvater mit festem, gut bezahltem Job, Eigenheim und neuem Auto. Nicht nur, dass dieser Satz zeigt, wie wenig Menschlichkeit und wie viel Besitzstandswahrung in ihm stecken, er ist auch noch schlichtweg falsch. Wir lassen eben nicht jeden rein.

Allein seit Anfang 2021 sind auf den Fluchtrouten über das Mittelmeer und den Balkan nach UN-Angaben weit mehr als 5000 Menschen gestorben. Und: Aktuell warten im Mittelmeer etwa 1000 Menschen an Bord von Rettungsschiffen verschiedener Hilfsorganisationen auf einen sicheren Hafen. Wo sind sie, die europäischen Werte, von denen in diesen Tagen oft die Rede ist? Gleichheit und die Achtung der Menschenwürde gehören angeblich dazu. Tatsächlich stehen unterlassene Hilfeleistung und Abschottung obenan.

Aber es gibt Lichtblicke. Wenn die Politik versagt und weite Teile der Gesellschaft wegschauen, müssen es halt engagierte Ehrenamtliche richten. Die Hilfsorganisation Sea-Watch und das einst von der Kirche initiierte Bündnis United4Rescue werden ein weiteres Hilfsschiff ins Mittelmeer entsenden. Schön, dass es doch noch Menschen gibt, denen Leid und Tod an den EU-Außengrenzen nicht egal sind.

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