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Schnellsprecher will mit Worten überzeugen

Der Kandidaten-Check von OM online: Essens Bürgermeister Heiner Kreßmann schiebt gern Dinge an, sieht sich selbst aber nur als "Rädchen" im Gemeindegetriebe. Im Rat hat er breite Unterstützung.

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Tritt wieder an: Heiner Kreßmann möchte Bürgermeister in Essen bleiben. Foto: G. Meyer

Tritt wieder an: Heiner Kreßmann möchte Bürgermeister in Essen bleiben. Foto: G. Meyer

Der Kandidaten-Check von OM online. In dieser Reihe stellen wir zur Kommunalwahl im September die Bürgermeister- und Landratskandidaten in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vor. Das Konzept: Einen thematischen Treffpunkt darf der Kandidat wählen, den anderen bestimmt die Redaktion. In dieser Folge: Essens amtierender Bürgermeister Heiner Kreßmann (parteilos) im Talk mit Reporter Georg Meyer.

Wenn Heiner Kreßmann so richtig in Fahrt ist, spricht sein ganzer Körper. Mit den Händen formt Essens Bürgermeister dann seine Worte, geht leicht in die Knie und dreht dabei die Schultern von links nach rechts. Energie hat der 58-Jährige für 2 – mindestens. Am 12. September tritt er zur Wiederwahl an.

Kreßmann ist der einzige Bewerber. Die Kandidatenliste wurde am Montag geschlossen. Der Amtsinhaber hat es zur Kenntnis genommen. Ist er erleichtert, dass die Wahl im Grunde entschieden ist? Für Kreßmann ist das die falsche Frage. Es sei ja noch gar nicht abgestimmt worden, korrigiert er. Das Ergebnis ist ihm wichtig, fällt es doch ein Urteil über seine bisherige Arbeit im Rathaus. 

Die ersten 5 Jahre als Verwaltungschef hat der Polizei-Hauptkommissar fast hinter sich. "Herausfordernd" seien sie gewesen, sagt er. Und dass sie "riesigen Spaß" gemacht hätten. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Gemeinderat habe sehr gut funktioniert. Kreßmann sieht sich vor allem als Teamplayer. "Alles, was erreicht wurde, ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen", betont er mehr als einmal.

"Kindercampus" ist Kreßmanns größtes Projekt

Die Liste der seit 2016 angeschobenen und teilweise vollständig umgesetzten Projekte ist lang. Sie reicht vom Bau der 5-gruppigen Kinderkrippe "Schatzkiste" über die Neugestaltung des nördlichen Teils der Lange Straße bis zur Erweiterung der Grundschule. Das Mega-Vorhaben ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Gemeinde. Am Ende soll mitten im Ort ein moderner "Kindercampus" entstanden sein, der Krippe, Kindergärten, Busbahnhof und Grundschule vereint. Mit inzwischen fast 10.000 Einwohnern richtet sich Essen auf wachsende Schülerzahlen ein. Die Kinder werden demnächst auch aus dem neuen Baugebiet an der Löninger Straße ins Zentrum radeln. Weitere Bauplätze schafft die Verwaltung derzeit  in Bevern. Dass sich mit dem Verkauf  des  ehemaligen Don-Bosco-Geländes für Calhorn neue Wohnbauperspektiven ergeben, dürfte auch etwas mit der Hartnäckigkeit des Schnellsprechers zu tun haben. Gemeinsam mit Vertretern der Dorfgemeinschaft reiste er extra zu Gesprächen an den Münchener Sitz des Salesianerordens. Die Förderung des ländlichen Wegebaus, die Bereitstellung von Gewerbeflächen und zahlreiche kleinere Maßnahmen zählt Kreßmann ebenfalls zu den Leistungen von Politik und Verwaltung.

Sowohl die CDU als auch die SPD unterstützen den parteilosen Bürgermeister bei seiner Wiederwahl und verzichten auf die Aufstellung eigener Kandidaten. Vor 5 Jahren war diese Harmonie nicht unbedingt erwartbar. Nach seinem überraschenden Sieg über den damaligen Landtagsabgeordneten Clemens gr. Macke befürchteten viele sogar einen politischen "Riss" quer durch die Gemeinde. Der blieb jedoch aus. Inzwischen erfahre er von allen Seiten großen Zuspruch, berichtet der Vater zweier erwachsener Kinder. 

Marktplatz soll zur "guten Stube" werden

Zu tun gibt es für Kreßmann noch jede Menge. Die Bautätigkeiten in der Ortsmitte sind längst nicht abgeschlossen. Gern würde er bald die Umgestaltung des Marktplatzes in Angriff nehmen. Er soll zur "guten Stube" Essens werden. In seinem Kopf hat Kreßmann schon alles fertig. Dass gerade im Zentrum viele Häuser zur Unterbringung von Schlachthofmitarbeitern dienen und optisch wenig hergeben, möchte der Bürgermeister ändern. Zumal die meist aus Osteuropa stammenden Männer oft nicht allein kommen. "Diese neuen Familien wollen wir künftig besser integrieren, und dazu gehört auch ein vernünftiges Wohnangebot." Außerdem macht er sich über die dauerhafte ärztliche Versorgung Gedanken. "Das Thema wird uns in den kommenden Jahren beschäftigen." Einsetzen will sich der Verwaltungschef auch für die Neuaufnahme des Schienenverkehrs zwischen Essen und Meppen. Der Essener Bahnhof als Verkehrsknoten im Nordwesten – das würde ihm gefallen. 

Ideen hat Heiner Kreßmann also genug. Jetzt gelte es, die Menschen von ihrer Umsetzung zu überzeugen. Dafür wünscht er sich 5 weitere Jahre. Er habe das Glück, in seinem Leben gleich 2 Traumberufe zu haben, bekennt er. „Für mich ist das Amt immer noch eine große Ehre.“


Zur Person:

  • Heiner Kreßmann ist 58 Jahre alt, verheiratet und 2-facher Vater.
  • Ausbildung für den Polizeidienst. Letzter Dienstrang:  Hauptkommissar bei der Polizeiinspektion Cloppenburg-Vechta.
  • 2016: Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Essen.
  • Hobbys: Motorradfahren, Treffen mit Freunden.

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