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Sanierung für die Kita wird doppelt so teuer

Die Verwaltung kündigt eine überraschende Kostensteigerung für die Übergangslösung in der Liobaschule in Vechta an. Die Politik fordert eine frühzeitige Planung von Betreuungsplätzen.

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Freie Kapazitäten: In dem zweigeschossigen Schulgebäude soll eine Kindertagesstätte mit 50 Plätzen entstehen. Foto: Speckmann

Freie Kapazitäten: In dem zweigeschossigen Schulgebäude soll eine Kindertagesstätte mit 50 Plätzen entstehen. Foto: Speckmann

Um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen in der Stadt Vechta zu decken, soll ein Teil der Liobaschule übergangsweise als Kindertagesstätte genutzt werden. Den Beschluss für die Sanierung hat die Politik bereits im Herbst vergangenen Jahres gefasst. An den Plänen hat sich nichts ändern. Allerdings wird die Maßnahme doppelt so teuer wie erwartet. Nach Angaben der Verwaltung belaufen sich die Kosten nunmehr auf etwa 400.000 Euro.

Die Nachricht stieß in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Familie, Gesundheit und Soziales bitter auf. „Ich fühle mich ein bisschen überfahren“, erklärte Günter J. Nyhuis (CDU). Mit seinem Frust war er nicht allein. Aber auch die anderen Ratsvertreter sahen aufgrund der Dringlichkeit keine andere Lösung, als die Kröte zu schlucken, denn die Plätze müssen im Sommer zur Verfügung stehen.

Liobaschule wird spätestens im Jahr 2023 geschlossen

Weil die Liobaschule spätestens im Jahr 2023 geschlossen wird, bieten sich die freien Kapazitäten zur Kinderbetreuung an. In dem anvisierten Gebäude sollen zweieinhalb Gruppen untergebracht werden. Aber ohne die Sanierung sowie die entsprechende Ausstattung, die weitere Kosten in Höhe 112.500 Euro verursacht, geht es nicht. Immerhin kann die Kommune auf Zuschüsse in Höhe von 121.000 Euro bauen.

Die Klassenzimmer sind bereits leer geräumt. In Kürze sollen hier die Handwerker anrücken, um die Räume für die Kinderbetreuung herzurichten. Foto: SpeckmannDie Klassenzimmer sind bereits leer geräumt. In Kürze sollen hier die Handwerker anrücken, um die Räume für die Kinderbetreuung herzurichten. Foto: Speckmann

Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann legte dem Ausschuss unter dem Vorsitz von Sebastian Ramnitz (SPD) die Gründe für die Kostensteigerung dar. Demnach hat sich bei näherer Betrachtung mit Architekten und Fachplanern herausgestellt, dass neue Trinkwasser- und Elektroleitungen verlegt und ein zweiter Fluchtweg für das Obergeschoss geschaffen werden müssen. Außerdem sollen neue Toiletten installiert werden. Ursprünglich waren Sanitärcontainer vorgesehen.

Containerdorf wäre auf Dauer teurer

Eine Alternative zur Sanierung wäre ein Containerdorf, wie es in Telbrake oder Langförden errichtet worden ist. Diese Übergangslösung wäre auf Dauer aber teuer und würde sich bereits nach 3 Jahren nicht mehr rechnen, wie Fachdienstleiter Rüdiger Holzenkamp erläuterte. Ein weiterer Vorteil der Sanierung sei, dass das Gebäude dann auf einem aktuellen Stand sei und später für andere Zwecke verwendet werden könne.

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) verteidigte die Pläne. Es sei eine Möglichkeit, um „relativ kostengünstig kurzfristig Kitaplätze zu erstellen". Die Investitionen seien nicht verloren. Das städtische Gebäude biete sich für eine langfristige Nutzung an, etwa für eine Großtagespflege. Die Ideen für ein Mehrgenerationenkonzept werde die Verwaltung in den nächsten Monaten vorstellen.

„Wir brauchen diese Plätze, um am 1. August durchs Loch zu kommen.“Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann

Laut Sollmann könnte die städtische Kindertagesstätte langfristig am Standort bleiben und 2 weitere Gebäude der Liobaschule zur Kinderbetreuung nutzen. Vorrangiges Ziel sei aber erst einmal die Schaffung von 50 Betreuungsplätzen für das nächste Kindergartenjahr. „Wir brauchen diese Plätze, um am 1. August durchs Loch zu kommen“, betonte die Fachbereichsleiterin.

Auf Nachfrage des frisch nachgerückten Ratsherrn Harald Schulz (SPD) ging die Verwaltungsvertreterin auf den Bedarf an Betreuungsplätzen ein. Konkrete Angaben machte sie in der Sitzung nicht, aber sie prognostizierte, dass die Stadt Vechta aufgrund des Wachstums und neuer Baugebiete weitere Plätze schaffen müsse. „Wir werden uns in naher Zukunft die Zahlen wieder ganz genau angucken.“

Pandemie wirkt sich auf den Bedarf aus

Wie die Verwaltung auf Anfrage erklärte, ist der Bedarf durch gesetzliche Änderungen im Land Niedersachsen zuletzt deutlich gestiegen, etwa durch die 2018 eingeführte Beitragsfreiheit für Kinder ab 3 Jahren. Im selben Jahr ist eine neue Regelung für sogenannte Flexikids in Kraft getreten. Eltern von Kindern, die im Juli, August oder September 6 Jahre alt werden, können selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder ein weiteres Jahr im Kindergarten betreuen lassen. Dieser Anteil werde sich im Sommer aufgrund der Pandemie vermutlich spürbar erhöhen.

„Wir begrüßen die gesetzlichen Änderungen, die im Sinne der Eltern und Kinder sind und sich auch positiv auf die Integrationsarbeit auswirken. Daraus folgt aber auch, dass wir nicht genügend Zeit für die Planung einer ausreichenden Anzahl an Plätzen in Neubauten hatten“, so Sollmann. Die Beschlüsse für die neuen Kindertagesstätten in Telbrake und Langförden seien bereits 2018 mit dem Blick darauf gefasst worden, dass die Realisierung gut 3 Jahre in Anspruch nehme.

30 Krippenplätze in der Buddenkämpe geplant

Voraussichtlich im nächsten Jahr sollen an der Buddenkämpe in Vechta 30 Krippenplätze entstehen. „Diese bauen nicht wir als Kommune, sondern ein Unternehmer. Betreiber wird das Andreaswerk sein“, so die Fachbereichsleiterin weiter. Mit dem jetzt eingeleiteten Bauleitverfahren für ein Baugebiet in Bergstrup sei auch der Neubau einer Kindertagesstätte explizit vorgesehen. Allerdings müsse die Verwaltung erst ermitteln, wie hoch der Bedarf sein werde und wann die Plätze benötigt würden.

„Das ist alles nicht so ausgereift, wie wir es uns vorgestellt hatten“, erklärte Stephan Sieveke (VCD) mit Blick auf die Gesamtsituation. Er forderte von der Verwaltung eine vorausschauende Planung in der Kinderbetreuung und stellte bezüglich Buddenkämpe die Frage: „Hätte der Startschuss nicht schon passieren können?“

Dr. Christa Kiene-Schockemöhle (CDU) sprang in die gleiche Bresche. Sie verwies auf die aktuelle Situation in Telbrake, wo die Planung für eine Kindertagesstätte mehrere Jahre gedauert hat und zurzeit noch Wohncontainer als Übergangslösung dienen. Ihr Appell: „Bei zukünftigen Wohngebieten bitte rechtzeitig planen!“

Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation war in der Beratung deutlich zu spüren. Dazu trug nicht nur die Kostensteigerung bei, sondern auch die Tatsache, dass der Fachausschuss im vergangenen Jahr bei der Übertragung der Trägerschaft an die Stadt Vechta übergangen worden war. Aufgrund des Bedarfs an Betreuungsplätzen stimmte das Gremium der Sanierung mehrheitlich zu.


Kommentar zum Thema von Thomas Speckmann (Reporter):

Keine Zeit verlieren

Der Ausschuss hat der Kostensteigerung für die Sanierung notgedrungen gestimmt. Eine Alternative gibt es nicht, denn die Plätze werden dringend benötigt. Doch Übergangslösungen dürfen nicht zur Gewohnheit werden. Keine Frage: Die Stadt Vechta hat in den vergangenen Jahren schon enorm viel geleistet, um die zunehmende Nachfrage nach Betreuungsplätzen zu stillen. Diesen Weg gilt es mit Blick auf neue Baugebiete fortzusetzen, und zwar mit Weitsicht und Tatendrang. Dabei dürfen Verwaltung und Politik keine Zeit verlieren. Denn jede Notlösung könnte der Kommune am Ende zusätzliches Geld kosten.

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