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#Rückwärtsrolle

Kolumne: Irgendwas mit # - Religiös motivierte Konservative haben es in den USA in wichtige Ämter geschafft. Dabei ist gerade die katholische Kirche in Frauenrechtsfragen kein guter Berater.

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An diesem Dienstag wählen die US-Amerikanerinnen und die US-Amerikaner ihren Präsidenten. Egal, wie diese Wahl ausgehen mag. Das Vermächtnis Donald Trumps wird vermutlich mehrere Amtszeiten ihm nachfolgender Präsidenten überdauern. Jüngstes Beispiel: Die Berufung der 48-jährigen Juristin Amy Coney Barrett an den ohnehin vergleichsweise jung besetzten Supreme Court. Die Amtszeit der Richterinnen und Richter gilt ein Leben lang. Mit sechs der neun Richter gibt es jetzt am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten eine konservative Mehrheit. Frauenrechtsbewegungen beobachten das mit Sorge.

Amy Coney Barrett folgt auf Ruth Bader Ginsburg. Während Bader Ginsburg sich stets für liberale Ideale, insbesondere Frauenrechte, einsetzte, wird man das von Coney Barrett nicht erwarten können. Die Juristin gilt als erzkonservativ und streng gläubige Katholikin. Gerade diese Religiosität wird der Richterin in Frauenrechtsfragen im Weg stehen. Denn: Mit Frauen hat es die katholische Kirche bekanntlich nicht so und taugt meiner Meinung nach in Frauenfragen nicht als moralischer Kompass.

„Während die Welt sich weiter dreht, die Gesellschaft sich weiterentwickelt, hat die Kirche Schwierigkeiten, da mitzuhalten.“ Carina Meyer, Redakteurin

So dürfen Frauen keine geweihten Ämter übernehmen. Mit der heute gängigen Auffassung, dass Frauen und Männer gleichgestellt sein sollten, ist das schwer zu vereinbaren. Die katholische Kirche sagt aber: Der Priester handelt während der Heiligen Messe in persona Christi – sprich: stellt Jesus dar. Und wer Jesus darstellt, muss ihm im Geschlecht gleichen. Also ein Mann sein. So einfach ist das. Das Engagement von gläubigen Katholikinnen schätzt man eher in der Verwaltung und im Ehrenamt.

Das Problem: Die Entscheidungsträger innerhalb der katholischen Kirche sitzen in Weiheämtern. Sind somit ausschließlich maskulin. Diese klerikale Männer-Elite lässt es sich trotzdem nicht nehmen, auch zu familien- und frauenpolitischen Belangen Stellung zu beziehen. Ein aktueller Blick in das Nachbarland Polen zeigt das eindrucksvoll.

"Maria 2.0" fordert, die Rolle der Frau zu überdenken

Während die Welt sich immer weiter dreht, die Gesellschaft sich weiterentwickelt, hat die katholische Kirche deutliche Schwierigkeiten, da mitzuhalten. Eine moderne, aufgeklärte Frau braucht deshalb eine sehr große Portion Resilienz, um in der katholischen Kirche eine spirituelle Heimat zu finden.

Damit wollen sich zum Glück viele Katholikinnen nicht mehr abfinden. In Deutschland wird im Zuge des Synodalen Weges und vor allem in der Bewegung „Maria 2.0“ gefordert, die Rolle der Frau innerhalb der Kirche mal kräftig zu überdenken.

Allerdings entsteht beim außenstehenden Beobachter der Eindruck, dass das in Rom kaum jemanden interessiert. Noch Anfang des Jahres hat der Vatikan mit dem Schreiben des Papstes „Querida Amazonias“ bekräftigt, dass Frauen die Ordination nicht zusteht. Dieser Reformunwille lässt einen faden Beigeschmack zurück: An dem bestehenden Machtgefälle darf bloß nicht gerüttelt werden.

Wenn das alles für Amy Coney Barrett völlig in Ordnung ist, kann man für die US-Amerikanerinnen tatsächlich nur noch beten. Wie heißt es bei Carolin Kebekus in ihrem satirischen Lied „Im Namen der Mutter“: „Alte Männer am Altar, Frauen kannst du ewig suchen. Moses teilt das Meer, wir teilen Käsekuchen.“


Zur Person:

  • Carina Meyer ist Redakteurin der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Die Autorin erreichen Sie unter info@om-online.de

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