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Richtig – aber spät!

Thema: Berlin diskutiert über Nordstream 2 - Die Gasleitung war schon immer ein Politikum, das unsere osteuropäischen Partner besorgt hat. In Berlin wollte man das lange nicht einsehen.

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Seit Jahren zeigt Russland sich von seiner schlechten Seite: 2008 unterstützte Moskau sezessionistische Milizen in Georgien. Schon lange hat Russlands Präsident Wladimir Putin auch seine Hände im dreckigen Spiel des syrischen Bürgerkrieges, dort unterstützt er den Schlächter Baschar al-Assad. Seit 2014 besetzen Moskau-hörige Milizen die Ostukraine. Im gleichen Jahr annektierte Russland die Halbinsel Krim. Jetzt zeigt Putin Muskeln und bietet Belarus Truppen zur Niederschlagung der Demonstrationen an. All das zeigt: Putin und die Elite in der Staatsführung sind vom Phantomschmerz über die untergegangene Sowjetunion getrieben.

In diesem Kontext muss auch die Gasleitung Nordstream 2 betrachtet werden. Denn bisher ist es so, dass russisches Gas auf dem Weg nach Deutschland durch die Ukraine und andere Transitländer geschickt wird. Wenn Russland diesen Ländern den Gashahn abdreht – und das ist in der Vergangenheit schon passiert –, schädigt Moskau sich selbst: weil die einträglichen Verkäufe nach Westeuropa ausfallen.

Mit Nordstream 2 dürfte das anders werden: Dann kann Russland sein Gas bequem nach Deutschland befördern, während die Osteuropäer mit höheren Preisen erpresst werden können – einfach, weil Moskau nicht mehr darauf angewiesen ist, dass sie russisches Gas weiterleiten.

Dass deutsche Regierungspolitiker nun anfangen, Nordstream 2 zu überdenken, ist löblich – aber spät. Gerade Deutschland, Hegemon in Europas Mitte, darf nicht zulasten Osteuropas mit Russland paktieren – egal, wie billig das Gas ist.

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