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Rettungsschirm spannt sich nicht über Cappeln

Eine Million Euro weniger Gewerbesteuern nimmt die Gemeinde im laufenden Jahr ein, erklärt Bürgermeister Marcus Brinkmann in seinem Rück- und Ausblick.

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Zentrum verändert sein Gesicht: In wenigen Tagen kommen die Abrissbagger und werden in der Cappelner Ortsmitte Platz schaffen für das neue Rathaus und Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Daniel Willenborg

Zentrum verändert sein Gesicht: In wenigen Tagen kommen die Abrissbagger und werden in der Cappelner Ortsmitte Platz schaffen für das neue Rathaus und Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Daniel Willenborg

Ein Rückblick auf 2020, ohne, dass Corona im Mittelpunkt steht, ist kaum möglich. Auch wenn man die vergangenen 12 Monate in der Gemeinde Cappeln Revue passieren lässt, dann ist das Virus das beherrschende Thema. "Wenn ich meinen Kalender durchschaue, dann ist Corona der am häufigsten genannte Begriff", sagt Bürgermeister Marcus Brinkmann in einem Pressegespräch.

Jubilare bekommen Geschenk mit der Post geschickt

Januar und Februar liefen noch „normal“. Bei der Feuerwehr wurde ein Fahrzeug eingeweiht, es gab die Klausurtagung des Gemeinderates, den Neujahrsempfang, den Sängerball und eine Ratssitzung. "Corona tauchte zwar schon in den Nachrichten auf, war aber noch weit weg." Am 10. März gab es ein Treffen mit den Architekten des Büros "9 Grad" aus Oldenburg und das war "das letzte Mal, dass man sich zur Begrüßung die Hand gegeben hat".

Am 13. März gab es eine Lagebesprechung der Hauptverwaltungsbeamten beim Landkreis und einen Tag später war Brinkmann noch bei einer goldenen Hochzeit, auf der auch der Musikverein gespielt hat. "Da haben wir festgestellt: das kann man so nicht mehr machen." Ehe- und Geburtstagsjubilare bekommen seither einen Brief und ein kleines Präsent.

Ratsmitglied einen Tag später erkrankt

Am 1. April hat sich der Rat das erste Mal online getroffen. Dass dies keine schlechte Entscheidung war, zeigte sich nur 24 Stunden später. Dann wurde ein Ratsmitglied positiv auf das Coronavirus getestet. "Hätten wir uns in normaler Runde getroffen, wären einige wahrscheinlich in Quarantäne gekommen."

Videokonferenzen sind aber auch kein Allheilmittel. "Nach vier Stunden Verwaltungsausschuss im Video rauscht der Kopf mächtig", erinnert sich der Bürgermeister. Die Verwaltungsmitarbeiter haben Laptops bekommen und man ist in den Zwei-Schicht-Betrieb übergegangen, um handlungsfähig zu bleiben. Die Konsequenz: die Digitalisierung im Haus wird weiterentwickelt, und auch für die Bürger soll eine benutzerfreundliche Oberfläche eingerichtet werden.

Einheitliche Linie unter den Kommunen gewünscht

Vieles ist neu in diesen ersten Wochen und Monaten der Pandemie, aber wenn eine mangelnde Abstimmung unter den Ländern kritisiert wird, dann hätte sich der Verwaltungschef auch kreisweit hier und da eine bessere Kommunikation gewünscht. Das Aussetzen der Kindergartenbeiträge beispielsweise hätte seiner Meinung nach geschlossen in die Öffentlichkeit getragen werden können. "Es gab einen gewissen Wettbewerb."

Dass man im Sommer wieder dazu übergegangen ist, die politischen Gremien öffentlich tagen zu lassen, verteidigt Brinkmann. "Öffentliche Sitzungen haben ihren Stellenwert." Gleichwohl hat man angesichts der steigenden Corona-Zahlen im November und weiterer Fälle im Rat auf Treffen verzichtet. Dass Feste und Feiern als „Kitt der Gesellschaft" nicht stattfinden, bedauert Brinkmann. Gleichzeitig habe der Lockdown aber viel Kreativität und Hilfsbereitschaft freigesetzt. Hilfs- und Einkaufsdienste wurden angeboten und es gab Musik vor dem Seniorenzentrum. „Es wird aber eine nächste Herausforderung, die Ehrenamtlichen wieder zusammenzubringen, nachdem vieles lange ruht.“ Vielleicht, so Brinkmann, ist es aber eine Chace für neue Ideen.

Beschwerde bei MdL Christoph Eilers

Finanziell hat Cappeln den Lockdown deutlich zu spüren bekommen. Rund eine Million Euro niedriger wird die Gewerbesteuer ausfallen. "Der kommunale Rettungsschirm stößt mir richtig bitter auf." Der Grund: Anfang des Jahres hat Cappeln hohe Rückzahlungen erhalten, die in den Berechnungszeitraum fallen. Cappeln geht deshalb leer aus. Beschwerden beim Landtagsabgeordneten Christoph Eilers sowie beim Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund blieben erfolglos. Allerdings sei man noch mit einem blauen Auge davongekommen, weil einige Projekte nicht umgesetzt werden. Am Ende verschieben sich diese Aufgaben aber nur auf das kommenden Jahr.

In den Schulen habe man sich auf die neue Situation gut eingestellt, lobt Marcus Brinkmann die Lehrkräfte und Mitarbeiter. Die Digitalisierung werde weiter vorangetrieben und man hat sich um die Sofortausstattung beworben. Die 50 im Sommer georderten Tablets sind allerdings immer noch nicht angekommen. Auch die vom Land versprochene Ausstattung mit Masken für die Lehrer lässt auf sich warten.

Abriss beginnt in den nächsten Tagen

Eine Entscheidung mit Signalwirkung hat der Rat am 17. Februar getroffen: der Neubau des Rathauses und Dorfgemeinschaftshauses. "Alles andere wäre den Bürgern nicht zu vermitteln gewesen." Im Januar werden die Fachplaner ihre Arbeit vorstellen und schon zu Beginn des Jahres rollt eine Firma an, um das Gelände von Möller bis Hannöver frei zu machen. "Diskussionen wird sicherlich noch das zusätzliche Gebäude bringen. Entscheidend aber ist, ob es sich ins Gesamtgefüge einpasst. Schließlich wird dort etwas entstehen, dass das Ortsbild für Jahrzehnte prägt." Brinkmann betont, dass es Gespräche mit Investoren gibt, die auf ein ernstes Interesse deuten. Wenn im Sommer mit den Bauarbeiten begonnen wird, dann wird auch die Gestaltung des Marktplatzes Thema in den Gremien sein.

Aber nicht nur in der Ortsmitte investiert die Kommune. Die Kita in Sevelten soll im Sommer fertig werden und mit den abgeschlossenen Arbeiten an der Grundschule in Sevelten/Elsten würden beide Standorte gestärkt. Die Mensa an der Oberschule ist kurz vor der Fertigstellung. In das Sportstättenprogramm ist die Sporthalle in Cappeln aufgenommen worden. Für Sevelten hofft man auf neue Förderprogramme.

Tennet wird 2021 wieder Thema sein

Was bringt 2021 noch? "Zum Thema Radwegeausbau sollten wir die Lage zwischen Cloppenburg und Vechta als Chance nutzen", findet der Bürgermeister, da man entlang der Kreisstraßen in die Planung involviert ist. Und die Tennet wird sicherlich wieder diskutiert werden, da das Planfeststellungsverfahren ansteht. Außerdem hofft Marcus Brinkmann, dass sich noch mehr private Investoren der Dorfentwicklung verschreiben. "Ein gutes Beispiel ist die gelungene Umgestaltung des Bahnhofs in Schwichteler. Weitere Projekte sind wünschenswert."

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