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Rekordanstieg des Treibhausgases Methan in der Atmosphäre

Vieles konzentriert sich bei den Treibhausgasen auf Kohlendioxid, weil es zwei Drittel der Gesamtmenge ausmacht. Methan ist aber 25 Mal klimaschädlicher.

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Reisfelder in Indien. Foto: dpa/Nath

Reisfelder in Indien. Foto: dpa/Nath

Nie seit Beginn der systematischen Messungen vor fast 40 Jahren ist die Konzentration des mächtigen Treibhausgases Methan in der Atmosphäre so stark gestiegen wie 2021.

Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf steht vor einem Rätsel: "Der Grund für diesen außergewöhnlichen Anstieg ist nicht klar, scheint aber sowohl auf biologische als auch auf vom Menschen verursachte Prozesse zurückzuführen zu sein", berichtete sie am Mittwoch. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre habe damit 2021 zugleich einen Höchststand erreicht, ebenso wie die von Kohlendioxid und Lachgas – jeweils seit Beginn der Messungen dieser Treibhausgase.

Zum Anstieg der Methan-Konzentration sagte WMO-Chef Petteri Taalas in New York, dass es Anzeichen gebe, dass dieser "sehr stark aus den tropischen Gebieten kommt, in denen wir etwa Feuchtgebiete haben". Zudem komme das Methan auch von landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Es gäbe jedoch eine "Tendenz zu höheren Emissionen aus natürlichen Quellen – aber wir haben keine sehr belastbaren Zahlen".

Klimaschädlicher als CO₂

Methan (CH4) trägt nach Kohlendioxid (CO₂) am meisten zum Klimawandel bei. Es entsteht, wo organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird. Es ist 25-mal klimaschädlicher als CO₂. Es hält sich jedoch viel kürzer in der Atmosphäre. Bei Methan sind es gut zehn Jahre, bei CO₂ ist selbst nach Jahrhunderten ein beträchtlicher Anteil noch in der Atmosphäre.

CO₂ trägt etwa zwei Drittel zum Treibhauseffekt bei, Methan gut 16 Prozent und Lachgas rund 6,5 Prozent. Alle Treibhausgase zusammen haben zu einer durchschnittlichen weltweiten Erwärmung von 1,1 Grad seit Ende des 19. Jahrhunderts geführt. In Deutschland waren es 1,6 Grad.

Talaas sah in der Entwicklung auch etwas Positives: Die Welt sei zwar im Moment nicht auf Kurs für das Pariser 1,5-Grad-Ziel, sondern eher für 2,5 Grad - aber: "Die gute Nachricht ist, dass wir nicht mehr auf drei bis fünf Grad zusteuern." Die Welt habe begonnen, sich in die richtige Richtung zu bewegen, dies gehe jedoch nicht schnell genug.

Die globale Durchschnittskonzentration von Methan stieg nach WMO-Schätzungen 2021 um 18 auf 1908 ppb (parts per billion – Teilchen Methan pro Milliarde Teilchen). Im Jahr davor war der Anstieg mit 15 ppb ebenfalls deutlich größer als im langjährigen Durchschnitt. 1908 ppb entspricht 262 Prozent des Niveaus vor der Industrialisierung.

Feuchtgebiete und Reisfelder

Ein Großteil stamme wohl aus Feuchtgebieten und Reisfeldern, schreibt die WMO in ihrem jährlichen Treibhausgas-Bulletin. Unklar sei noch, ob dies eine Folge des Klimawandels ist, etwa, weil Feuchtgebiete feuchter und wärmer werden. Je wärmer, desto schneller wird organisches Material abgebaut, und ein Abbau im Wasser ohne Sauerstoffzufuhr führt zu höheren Methanemissionen. Aber die WMO schreibt auch: "Der dramatische Anstieg könnte auch auf die natürliche jährliche Variabilität zurückzuführen sein."

Beim Kohlendioxid sei der Anstieg der Konzentration von 2020 auf 2021 höher gewesen als im Durchschnitt der 10 vorangegangenen Jahre. Die Konzentration stieg 2021 um 2,5 auf 415,7 ppm (parts per million - Teilchen CO₂ pro Millionen Teilchen). Das entspricht 149 Prozent des Niveaus vor Beginn der Industrialisierung um 1750. CO₂ entsteht etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Waldzerstörung.

Je nach Messstationen und Berechnungsmethoden weichen die WMO-Werte leicht von Angaben etwa der US-Klimabehörde NOAA ab. Die WMO bildet jeweils einen Mittelwert aus den Messungen mehrerer Stationen.

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