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Ratlos in der Defensive

Thema: Interview mit Papst Franziskus – Das Kirchenoberhaupt übt im italienischen Fernsehen zwar Kritik an der katholischen Kirche, die wesentlichen Fragen lässt er allerdings unbeantwortet.

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Warum müssen Kinder leiden? Dass selbst Gottes Stellvertreter auf Erden darauf keine Antwort hat, ist menschlich. Denn es gibt Fragen, auf die es keine wirklichen Antworten gibt – Fragen, die sich dem menschlichen Verstand schlichtweg entziehen.

Wer es mit dem christlichen Glauben hält, könnte sagen: "Die Wege des Herrn sind unergründlich." Der Zyniker darf fragen: "Solche Wege soll der Herrgott einschlagen?" Und der Journalist? Der sollte kritisch nachhaken. Zum Beispiel, warum zahlreiche Geistliche Kindern unter dem Deckmantel der katholischen Kirche derartiges Leid zugefügt haben. Und wieso die Gräueltaten um die Missbrauchsskandale noch immer nicht vom Kirchenoberhaupt kommentiert werden.

Der Pontifex gibt sich im Interview zwar selbstkritisch, wenn er die Überhöhung und Aufwertung der Geistlichen und Kirchenoberen gegenüber den Laien kritisiert und davon spricht, dass derartige "Starrheit" zum Festfahren in der Kirche führe. Jedoch scheint er dabei zu vergessen, dass sein Umgang mit den Missbrauchsfällen – sei es aus Unsicherheit oder Ignoranz – Gleiches bewirkt.

Die Gläubigen wollen Antworten, aber bekommen keine

Stattdessen versucht der Argentinier, menschlich zu wirken, volksnah zu sein, indem er erzählt, als Kind mal den Berufswunsch "Metzger" gehegt zu haben. Das ist nicht weiter verwerflich. Allerdings sollten solche netten Anekdoten angesichts der aktuellen Situation in der katholischen Kirche keinen Raum in einem einstündigen Interview finden.

Die Gläubigen wollen Antworten, die ihnen ihr Kirchenoberhaupt offenbar nicht geben kann. Der kleine, aber feine Unterschied zur Frage, weshalb Kinder im Allgemeinen leiden müssten, ist nämlich: Warum mussten Kinder unter den Gräueltaten von selbsternannten Geistlichen leiden? Auf diese Frage muss der Pontifex eine Antwort finden.

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