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Psalmen: „Nachtherbergen für die Wegwunden“

Kolumne: Auf ein Wort – Was kann oder darf ich in diesen Tagen überhaupt noch tun? Die Kirche bietet zwei Antworten: „Betet für die Toten und kämpft wie der Teufel für die Lebenden!“

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„Wenn irgendwann mal die Welt untergeht, fahr‘ ich in Urlaub“, hat der frühere bayerische Kabarettist Fredl Fesl gesungen. „Nach Wolfratshausen.“ Rutschten schon damals nicht allen die Mundwinkel nach oben, bleibt der Lacher heute regelrecht im Halse stecken. Und doch fragen sich manche gerade genau das: Kann ich / will ich über Ostern in Urlaub fahren? Ist das angebracht? Ist es heute moralisch vertretbar, mit Freunden zusammenzusitzen und gut zu essen?

Überhaupt: Was kann / darf / soll ich tun in diesen Tagen? Was tun, das anderen und vielleicht auch mir selbst hilft? Es gibt unzählige Antworten. Und viele sind richtig. Die Kirche bietet zwei an: „Kampf und Kontemplation“ heißen sie. Anders formuliert: „Betet für die Toten und kämpft wie der Teufel für die Lebenden!“

Respekt für alle Ukraine-Engagierten, die gehandelt haben. Hut ab vor jeder Spenderin und jedem Spender! Bewunderung den Maltesern an der polnisch-ukrainischen Grenze! Dank an Katrin Eigendorf vom ZDF und Georg Restle von der ARD, die als Korrespondenten jeden Tag aus dem Kriegsland berichten. Die damit ihr Leben aufs Spiel setzen für uns und um der Wahrheit willen!

"Im Gebet Gott an Gott erinnern! Neben dem Kampf ist es das, was möglich ist in diesen Tagen!"Dietmar Kattinger

Kampf und Kontemplation: Das alles ist die Seite des „Kampfes“. Das Gegenteil also von Rückzug, Sich-Verstecken, von Kopf in den Sand, sondern immer: „Mit dem Gesicht zur Welt“, wie es der frühere Münsteraner Theologe Johann Baptist Metz gefordert hat.

Kontemplation: Die 2. Seite der Medaille. Das Gebet. Warum? Weil die Bibel einlädt und regelrecht auffordert, egal in welcher Situation, alles vor Gott zu tragen. Und das hartnäckig. „Bittet, dann wird Euch gegeben. Klopft an, dann wird Euch aufgetan (Mt 7,7).“ Gebet ist die Widerstandskraft, sich mit dem Gegebenen gerade nicht abzufinden! „Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt (Mt 21,22).“

Als wäre er in der Ukraine entstanden, schreit beispielsweise der Beter in Psalm 22: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Als stamme er von der Mutter mit ihren drei Kindern, denen der Mann und Vater gerade entrissen wurde. „Ich bin hingeschüttet wie Wasser“, heißt es dort weiter. „Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen.“

Psalmen als Gebete für die bedrohte Welt und gleichzeitig als „Nachtherbergen für die Wegwunden“ (Nelly Sachs). Im Gebet Gott an Gott erinnern! Neben dem Kampf ist es das, was möglich ist in diesen Tagen!


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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