Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Protest gegen private Kosten für Corona-Test

Vor der Aufnahme eines Patienten in ein Pflegeheim ist oft ein Corona-Test erforderlich. Und der muss bislang aus eigener Tasche bezahlt werden. Doch es gibt Unklarheiten in der Frage.

Artikel teilen:
Auf Nummer sicher: Corona-Tests sorgen für Klarheit, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Das hilft auch, um andere zu schützen. Foto: dpa / Hildenbrand

Auf Nummer sicher: Corona-Tests sorgen für Klarheit, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. Das hilft auch, um andere zu schützen. Foto: dpa / Hildenbrand

Peter Landwehr aus Vechta ist verärgert und empört – wegen der "sozialen Ungleichheit" bei der Kostenübernahme von Corona-Tests. Während die Bundesregierung für Urlaubsrückkehrer aus Corona-Risikogebieten den kostenfreien Pflicht-Test auf Covid-19 einführt, müssen Patienten vor der Aufnahme in ein Pflegeheim diese Leistung beim Hausarzt aus eigener Tasche bestreiten – oder ihre Angehörigen.

Dabei geht es um eine Summe zwischen 80 und 150 Euro. Das sei ungerecht und logisch nicht nachvollziehbar, sagt Landwehr, der aus eigener Erfahrung spricht.

Der Gymnasiallehrer im Ruhestand pflegt seine Frau, die nach einer Gehirnblutung körperlich schwerstbehindert ist. Für insgesamt vier Wochen im Jahr gewährt die Pflegekasse den Anspruch auf eine Kurzzeitpflege in einer Einrichtung. Jetzt sollen es vier Tage sein, die Peter Landwehr sich rund ums Wochenende als Auszeit nehmen will. Seine Frau soll in dieser Zeit im Aphasiezentrum in Langförden versorgt werden.

"Ich unterstütze Corona-Tests vor der Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung bedingungslos."Peter Landwehr aus Vechta

Allerdings: Vor der Aufnahme sei ein Corona-Test erforderlich gewesen. Und die Kosten dafür beim Hausarzt, die soll Landwehr selbst tragen – und nicht die Krankenkasse, nicht der Staat oder die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Landwehr betont: "Ich unterstütze Corona-Tests vor der Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung bedingungslos." Aber warum hier die Kosten privat zu tragen sind, das sei nicht nachvollziehbar. Bei Pflegebedürftigen in Heimen handele es sich schließlich um eine besondere Risikogruppe. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) selbst habe diese Losung ausgegeben: "Wenig zu testen ist teurer als viel zu testen."

Kostenübernahme für Tests von Reiserückkehrern

Bei Urlaubern, die freiwillig in einer Corona-Hotspot-Region waren, da würden die Kosten übernommen. Und ein Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung, sei es für kurze Zeit oder auf Dauer, das sei keine Vergnügungsreise. Im Fall einer Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung gehe es um umfassende Prävention. Das sei eine öffentliche Aufgabe.

Und: Sollte es bei der privaten Zahlung bleiben, würden im Fall des Ehepaars Landwehr bei sieben Testungen im Jahr vor einer Phase der Kurzzeitpflege etwa 900 Euro zusammenkommen.

Unterschiedliche Bestimmungen in Pflegeheimen

Derweil gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die Corona-Tests vor der Aufnahme in Pflegeeinrichtungen tatsächlich privat zu zahlen sind oder nicht. Außerdem gehen die einzelnen Einrichtungen – je nach Hygienekonzept – unterschiedlich vor: Manche fordern vor der Aufnahme neuer Patienten einen Corona-Test, andere nicht immer. Ein Überblick:

Aphasiezentrum: Stephan Benhamza, der Geschäftsführer des Aphasie- und Seniorenzentrum in Langförden, sagt: "Wir nehmen jeden Patienten auf. Aber wir haben eine Verantwortung unseren Bewohnern und Gästen gegenüber." Vorgeschrieben sei eine generelle Testung bei Neuaufnahme aber nicht. "Wir starten unabhängig davon bei der Aufnahme mit erhöhten Hygienemaßnahmen, um die 14-tägige Inkubationszeit zu beachten", erläutert er. Jederzeit sei dabei ein Verlassen der Einrichtung möglich. Auch Besuche könne es in dieser Phase geben – unter Beachtung besonderer Regeln.

"Bei Risikopatienten und Patienten mit Krankheitsanzeichen sehe ich schon die Notwendigkeit eines Tests", führt Benhamza aus. Diese Testung an sich sei aber eine reine Privatleistung.

Benhamza schließt sich Landwehrs Haltung an. "Die Angehörigen haben bereits viel zu tragen und zu ertragen", sagt er. Die zusätzliche Belastung einer Kostenübernahme für den Corona-Test sei "fragwürdig". So diene eine Aufnahme in einem Pflegeheim ja zur Entlastung der Angehörigen, die bereits viel zu tragen hätten. Benhamza verweist auch auf die schwierige emotionale Situation: "Keiner möchte einen geliebten Menschen 'weggeben'. Und dieser geliebte Mensch ist beeinträchtigt – sonst würde er nicht in ein Pflegeheim müssen."

"Wir würden es begrüßen, wenn es eine kostenfreie Testung gäbe."Werner Westerkamp, Geschäftsführer Maria Rast Damme

Stiftung Maria Rast Damme: Geschäftsführer Werner Westerkamp sagt: Vor einer Aufnahme in eine der beiden stationären Einrichtungen werde nicht grundsätzlich ein Corona-Test verlangt. Anders sei das aber, wenn etwa einer der Angehörigen zuvor an Covid-19 erkrankt war oder wenn die zu pflegende Person in einer Sammelunterkunft gelebt hat. Mit Blick auf die privat zu zahlende Leistung beim Hausarzt sagt Westerkamp: "Wir würden es begrüßen, wenn es eine kostenfreie Testung gäbe."

St. Hedwig-Stiftung Vechta: Vorstand Peter Schulze sagt: "Bei einer Neuaufnahme fordern wir grundsätzlich einen Corona-Test." Die St. Hedwig-Stiftung mit ihren vier stationären Einrichtungen halte sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Sollte ein Testergebnis negativ sein, werde in Absprache mit dem Kreisgesundheitsamt beraten, wie im Einzelfall weiter verfahren wird.

Verordnung regelt Ausweitung von Tests

Auch Schulze tritt hierfür ein: Bei den Corona-Tests vor der Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung müsse es "die Kostenübernahme geben". Die Zahlung dürfe nicht weiter zu Lasten der zukünftigen Bewohner gehen. Schulze rät angesichts einer offenbar unklaren Lage dazu, die Rechnung des Hausarztes bei der Krankenkasse oder beim Landkreis einzureichen.

Wer muss zahlen? Darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Das Gesundheitsministerium in Berlin verweist auf Anfrage der Redaktion auf eine Verordnung, die seit dem 8. Juni gilt – sogar rückwirkend bis Mitte Mai. Darin sei festgehalten, wann auch Personen ohne Symptome getestet werden – und zwar kostenfrei.

Kreis sieht keinen Anlass zu pauschalen Testungen

In den zugesandten Erläuterungen ist zu lesen: Ziel sei es, "verstärkt, aber auch gezielt" zu testen. Auf Grundlage einer durch den behandelnden Arzt oder den öffentlichen Gesundheitsdienst getroffenen Entscheidung würden bestimmte Personengruppen getestet. Aufgeführt in der Liste sind auch "Patienten und Bewohner vor (Wieder-)Aufnahme in (...) stationäre Pflegeeinrichtungen".

Dennoch: Der Landkreis Vechta, die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Niedersachsen und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) erklären auf Anfrage von OM online: Die Kosten für einen Test seien privat zu tragen. Sie verweisen auf aktuelle rechtliche Bestimmungen. Diesen zufolge werden die Test-Kosten nur aus Geldern der Gesetzlichen Krankenkassen bestritten, wenn der Landkreis pauschal aus Präventionsgründen Corona-Testungen vor der Neuaufnahme in ein Pflegeheim anordnet.

Der Landkreis erklärt: Er müsse bei dieser Ermessensfrage verpflichtend die epidemiologische Lage berücksichtigen. Da es vor Ort kein Infektionsgeschehen in Pflegeeinrichtungen gebe, sei keine pauschale Testung von Neuaufnahmen angeordnet.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Protest gegen private Kosten für Corona-Test - OM online