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"Pro Wald" fordert Arboristik-Vortrag, Verwaltungsausschuss lehnt dies aber ab

Im Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung war der Vorstoß der Fraktion noch auf große Zustimmung gestoßen. 2 Wochen später hatte vor allem die CDU einen Sinneswandel vollzogen.

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Ist das Baumpflege – oder Verkehrssicherung? Die Fraktion des Wahlbündnisses der Bürgerinitiative "Pro Wald" wollte mit einem Fachvortrag für das Thema sensibilisieren. Der Antrag stieß zunächst auf Zustimmung, fiel letztlich aber doch durch. Foto: BI "Pro Wald"

Ist das Baumpflege – oder Verkehrssicherung? Die Fraktion des Wahlbündnisses der Bürgerinitiative "Pro Wald" wollte mit einem Fachvortrag für das Thema sensibilisieren. Der Antrag stieß zunächst auf Zustimmung, fiel letztlich aber doch durch. Foto: BI "Pro Wald"

So etwas kommt nicht allzu oft vor: Der Lohner Verwaltungsausschuss hat einen Antrag der Fraktion des Wahlbündnisses der Bürgerinitiative "Pro Wald" abgelehnt – obwohl der zuständige Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung sich eindeutig dafür ausgesprochen hatte. Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet bestätigt auf Anfrage die Kehrtwende des nicht öffentlich tagenden Gremiums und spricht von einer "knappen Entscheidung".

Worum ging es? Die Fraktion hatte beantragt, dass kurzfristig ein Experte für Arboristik – verkürzt geht es dabei um den Erhalt und die Pflege von Stadt- und Straßenbäumen – im Fachausschuss einen Vortrag zum Thema "Welche Möglichkeiten bestehen, die Fällung von Stadtbäumen zu verhindern?" hält. Anlass war die Fällung von Eichen am Moorkampsweg, die aus Sicht von "Pro Wald" unnötig gewesen war und hätte verhindert werden können.

Nach einer Präsentation mit einigen Bildbeispielen von Dr. Lutz Neubauer einigten sich die Ausschussmitglieder – auf Vorschlag von Konrad Rohe (CDU) – auf die Durchführung einer öffentlichen Informationsveranstaltung, von der Stadt organisiert, mit verschiedenen Referenten zu dem Thema.

CDU-Fraktionschef vertraut Bauhofmitarbeitern

2 Wochen später im Verwaltungsausschuss hatte vor allem die CDU offensichtlich einen Sinneswandel vollzogen. Fraktionsvorsitzender Norbert Hinzke sagt, der Antrag habe unterstellt, dass in Lohne vorschnell mit der Verkehrssicherungspflicht argumentiert werde, um Bäume zu fällen. Dagegen spricht laut Hinzke unter anderem, dass die Fällung am Moorkampsweg in der fachlichen Verantwortung des städtischen Bauhofs gelegen hat.

"Die zuständigen Mitarbeiter (...) sind für die Beurteilung der Standfestigkeit von Bäumen im Bereich von Verkehrsflächen verantwortlich und haben die Bäume am Moorkampsweg langjährig regelmäßig überprüft. Zudem werden die eigens für die Pflege von Bäumen zuständigen Bauhofmitarbeiter fortlaufend geschult und auch in der Arboristik qualifiziert."

"Nicht nur die Politik sträubte sich, auch im Bauamt stieß er auf keine Gegenliebe."Dr. Lutz Neubauer, Mitglied der Fraktion "Pro Wald" im Stadtrat Lohne

Wie aus dem Verwaltungsausschuss zu hören ist, hatte Eckhard Knospe vorgeschlagen, den "Pro Wald"-Antrag abzulehnen – und damit den Stein ins Rollen gebracht. Der Vorsitzende der SPD/Grünen-Gruppe teilt mit, dass er keinen Mehrwert in einem zusätzlichen Fachvortrag sieht. Die Bewertung von Stadtbäumen obliege der Verwaltung, die die Gehölze zwei Mal im Jahr von geschulten Mitarbeitern überprüfen und dokumentieren lasse. "Ich vertraue darauf."

Knospe sagt, dass er das "immer wiederkehrende, von Unterstellungen und Abwertung geprägte Misstrauen der Bürgerinitiative gegenüber der Verwaltung weder für richtig noch für zielführend" erachte. Und weiter: "Wenn man die Auffassung vertritt, zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema ‚Erhalt von Stadtbäumen‘ einladen zu müssen, bedarf es keines Antrags an den Stadtrat – eine Initiative der Bürgerinitiative würde ausreichen."

UBG-Fraktionschef stimmte für den Antrag

Neubauer spricht von "großem Entsetzen" innerhalb der Bürgerinitiative über die Ablehnung des Antrags. "Nicht nur die Politik sträubte sich, auch im Bauamt stieß er auf keine Gegenliebe." Er sagt: "Eine Veranstaltung zum Thema Baumerhalt (die wenig kostet) für überflüssig zu halten, ist, bei Kenntnis der Bedeutung der Stadtbäume im Klimawandel, unbegreiflich." Arboristik beschäftige sich mit dem Schutz und der Entwicklung von Gehölzen und Grünräumen in Städten. Der Bürgerinitiative "Pro Wald" sei es wichtig gewesen, dass neue Erkenntnisse vorgetragen werden, um misshandelte oder gefällte Bäume künftig zu vermeiden. "Eine Chance wurde erneut leichtfertig vertan."

Der UBG-Fraktionsvorsitzende Franziskus Pohlmann, der ebenfalls Mitglied im Verwaltungsausschuss ist, teilt auf Anfrage mit: "Wir befürworten den Antrag auf Durchführung eines Fachvortrages zum Thema Arboristik. Ein solcher Vortrag würde zu einer besseren Entscheidungsbasis bei zukünftigen Beratungen beitragen. Wir bedauern daher, dass hierfür auch angesichts der Wichtigkeit des Natur- und Umweltschutzes keine Mehrheit zustande gekommen ist."

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