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Polizei registriert weniger Straftaten im Pandemie-Jahr 2020

Die Statistik der Polizeidirektion Oldenburg liefert Zahlen und einen Eindruck, wie sich Lockdown und Homeoffice auf Menschen mit krimineller Energie auswirken.

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Symbolfoto: dpa

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Erneut weniger Straftaten insgesamt, erneut weniger Diebstähle, erneut weniger Wohnungseinbrüche: Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) der Polizeidirektion Oldenburg für das von der Coronapandemie geprägte Jahr 2020 weist in vielen Bereichen positive Ergebnisse aus, die den Trend der vergangenen Jahre bestätigen. In einigen Kriminalitätsfeldern sind jedoch auch Zunahmen zu verzeichnen, wie es in der Pressemitteilung der Polizei heißt.

"Die Menschen können sich auch weiterhin in unserer Region sicher fühlen", betonte Polizeipräsident Johann Kühme demnach am Dienstag bei der Vorstellung der PKS." Die Straftaten sind erneut gesunken und befinden sich auf dem niedrigsten Wert der vergangenen 30 Jahre. Dies sei einerseits das Resultat der guten polizeilichen Arbeit. "Aber natürlich muss man bei der Bewertung der Zahlen andererseits auch die außergewöhnlichen Umstände im Jahr 2020 berücksichtigen. Corona hat nicht nur die Welt verändert, sondern sich sicherlich auch auf die Formen der Kriminalität ausgewirkt", so Kühme.

Zahl der Straftaten sinkt, Aufklärungsquote steigt

Zusammengenommen wurden im vergangenen Jahr 89.619 Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Oldenburg registriert. Dies sind noch einmal 1.960 weniger (2,14 Prozent) als in 2019 und stellt einen historischen Tiefstwert dar. Zum Vergleich im letzten 10-Jahres-Zeitraum: 2012 betrug die Zahl der Straftaten noch 115.853, was einen Rückgang von 22,64 Prozent zu 2020 bedeutet.

Die anhaltend sinkende Kriminalitätsbelastung in der Region verdeutlicht auch der Blick auf die sogenannte Häufigkeitszahl, womit die Zahl der registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner ausgedrückt wird. Demnach ist die Gefahr, in der Polizeidirektion Oldenburg Opfer einer Straftat zu werden, erneut zurückgegangen. Die Häufigkeitszahl von 5.134 liegt unterhalb der des Landes (6.219).
Weiterhin positiv entwickelt sich auch die Aufklärungsquote, die 64,74 Prozent im Jahr 2020 betrug und somit im 10-Jahresvergleich nach 2019 (63,71 Prozent) einen neuen Höchstwert erreichte.

Zwar bilden die Diebstahldelikte mit 29,61 Prozent weiterhin den größten Teil der polizeilichen Ermittlungsverfahren. Im Jahr 2020 verringerte sich ihre Anzahl jedoch noch einmal deutlich um 4.480 Taten von 31.012 (2019) auf nunmehr 26.532, was einen Rückgang von 14,45 Prozent bedeutet. Im Vergleich zum Jahr 2000 mit 60.211 Diebstahlsdelikten haben sich die Straftaten sogar mehr als halbiert.
Auch die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle ist weiter gesunken, im Jahr 2020 waren es mit 1.709 Taten 221 weniger (-11,45 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr und damit so wenige wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. Laut Mitteilung ist davon auszugehen, dass sich die coronabedingten Beschränkungen  auf die Fallzahlen ausgewirkt haben.

Mehr Fälle von häuslicher Gewalt

"Wenn die Menschen öfter zu Hause sind, passieren weniger Einbrüche. Gelegenheit macht Diebe - andersherum gilt das eben auch", wird Polizeivizepräsident Andreas Sagehorn zitiert. Gleichzeitig  habe er aber betont, dass Corona nicht der einzige Grund für die Abnahme von Wohnungseinbruchdiebstählen sei: "Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht seit Jahren zurück. Das zeigt, dass unsere Maßnahmen greifen und wir die richtigen Schwerpunkte gesetzt haben."

Als effektive Elemente der Bekämpfungsstrategie haben sich demnach regelmäßige Kontrollen, die länderübergreifende polizeiliche Zusammenarbeit sowie die gezielte Beratung der Menschen im Rahmen der Kriminalprävention erwiesen. So scheiterte im Jahr 2020 in ca. 45 Prozent der Fälle (773 Taten) bereits der Versuch, in das Wohnobjekt einzudringen. Der kontinuierlich ansteigende Anteil der Versuchstaten ist ein Hinweis darauf, dass der technische Einbruchsschutz immer effektiver wird und auch so weniger Tatgelegenheiten bestehen. Auch die Aufklärungsquote konnte im Jahr 2020 auf 26,04 Prozent gesteigert werden (2019: 24,61 Prozent).

Im Bereich der häuslichen Gewalt hat sich der seit Jahren anhaltende Anstieg der Fallzahlen im Jahr 2020 mit 3.764 Straftaten im Jahr fortgesetzt. Im Vergleich zu 2019 bedeutete dies eine Zunahme von 292 Taten (+7,48 Prozent). Unter häuslicher Gewalt fällt in der polizeilichen Kriminalstatistik jede Form der physischen, psychischen und/oder sexualisierten Gewalt zwischen Menschen, die in nahen Beziehungen stehen oder standen.
"Die Zahlen sind bedrückend, denn dahinter stehen schlimme persönliche Schicksale", sagt Polizeipräsident Johann Kühme. Ob die erneute Zunahme von häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Corona-Krise steht, sei noch nicht eindeutig zu beantworten. "Es ist einerseits ein langjähriger steigender Trend festzustellen. Wir ahnen aber auch, dass viele Taten aus Angst oder Scham nach wie vor gar nicht anzeigt werden und das Hellfeld nur einen Teil der tatsächlichen Dimension darstellt", so Kühme.
Wichtige Erkenntnisse erhofft sich die Polizeidirektion Oldenburg in diesem Zusammenhang von der Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes Niedersachsen, die Ende März 2021 startet. Bei dieser Erhebung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen liegt der Schwerpunkt auf den Bereich der häuslichen Gewalt. "Wenn es gelingt, das Dunkelfeld aufzuhellen, kann die Polizei ihre Präventions- und Hilfsangebote noch gezielter einsetzen und häusliche Gewalt noch wirksamer bekämpfen", sagte Kühme.

Fälle von Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften nimmt stark zu

Einen erneuten Anstieg gab es bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Im Jahr 2020 erhöhten sich die Fälle um weitere 8,90 Prozent (144 Taten) auf insgesamt 1.762. Insbesondere nehmen weiterhin die Fälle von "Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften" stark zu (+ 17,22 Prozent).
Ein Grund für die in jüngster Vergangenheit stark zunehmenden Fallzahlen im Bereich der Kinderpornografie sei die fortschreitende Digitalisierung: Foren, Chats und Messengerdienste sind leicht zugänglich und dienen oft als Austauschportale. Automatisierte Meldesysteme, durch die identifizierte strafrechtliche Verstöße an das Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet und als Ermittlungsverfahren in die Bundesländer gegeben werden, trügen ebenfalls zu den steigenden Kinderpornografie-Zahlen bei.

Problematisch ist laut Mitteilung auch, dass strafbare Inhalte von minderjährigen Schülerinnen und Schülern verbreitet und empfangen werden. "Dies geschieht häufig unbedacht, weswegen wir der Präventionsarbeit an Schulen weiterhin großer Bedeutung beimessen. Die Anzeigenbereitschaft hat sich dadurch bereits sehr verbessert", sagte Polizeivizepräsident Andreas Sagehorn, der unterstrich: "Die Bekämpfung der Kinderpornografie ist und bleibt ein vorrangiges Thema für die Polizei."
Als Reaktion auf die zunehmenden Straftaten der Kinder- und Jugendpornografie werden zum 1. April 2021 in allen Polizeiinspektionen innerhalb der Polizeidirektion Oldenburg ständige Ermittlungsgruppen zur Bekämpfung von Kinderpornografie eingerichtet. "Mit Kinderpornografie ist unvorstellbares Leid verbunden. Durch die noch schnellere und bessere Bearbeitung dieser Fälle können wir den Fokus künftig noch stärker darauf legen, andauernde Missbrauchstaten zu erkennen und zu unterbinden", erklärte Andreas Sagehorn.

Nachdem die Tendenz zuletzt leicht rückläufig gewesen war, sind die Zahlen zur Internetkriminalität nun wieder deutlich angestiegen. So wurden im Jahr 2020 insgesamt 7.170 Taten registriert, bei denen das Internet bei der unmittelbaren Ausführung eine Rolle gespielt hat. Im Vergleich zum Vorjahr (6.199) ist dies ein Zuwachs von 15,66 % - auch hier dürfte sich die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie ausgewirkt haben. In Ermangelung anderer Möglichkeiten wichen die Straftäterinnen und Straftäter für kriminelle Handlungen in den virtuellen Raum aus. Den Großteil der Gesamtfälle – circa 70 Prozent – nehmen Betrugstaten ein.
Im Kontext der zunehmenden Hasskriminalität im Internet sind die 391 Fälle von Beleidigungen zu sehen, was einen leichten Anstieg zu den Vorjahren darstellt. Allerdings dürfte im Bereich der Internetkriminalität generell ein großes Dunkelfeld bestehen, da davon auszugehen ist, dass eine Vielzahl solcher Taten erst gar nicht zur Anzeige gebracht wird.

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