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Polittalk im Internet: Innenstadt interessanter als Corona

Beim ersten virtuellen Politischen Themenabend des Bildungswerks Friesoythe setzten die Zuhörer mit Fragen eigene Akzente. Von den Corona-Auswirkungen ging es bald zu Fragen zur Innenstadtentwicklung.

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Verteilte Redner: Beim virtuellen Politischen Themenabend sprachen Bürgermeister Sven Stratmann (links) und der HGV-Vorsitzende Frank Hanneken im Rathaussaal in die Kameras. Moderator Julius Höffmann wurde aus einem Nachbarraum zugeschaltet. Foto: Stix

Verteilte Redner: Beim virtuellen Politischen Themenabend sprachen Bürgermeister Sven Stratmann (links) und der HGV-Vorsitzende Frank Hanneken im Rathaussaal in die Kameras. Moderator Julius Höffmann wurde aus einem Nachbarraum zugeschaltet. Foto: Stix

Zwei Männer an Stehtischen, einer auf der Leinwand und die Zuhörer zu Hause an ihren Computern: Mit dem ersten virtuellen Politischen Themenabend betrat das Katholische Bildungswerk Friesoythe am Donnerstagabend Neuland – und erntete von den Gästen schon während der 90-minütigen Veranstaltung viel Lob für die Idee und ihre Umsetzung.

Die Leiterin des Bildungswerkes, Nicola Fuhler, und Moderator Julius Höffmann, Chefredakteur der Münsterländischen Tageszeitung, hatten Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann und den Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins, Frank Hanneken, in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen, um über die Auswirkungen von Corona auf die Stadt zu sprechen. Und Hanneken machte denn auch gleich zu Beginn klar, dass dem Einzelhandel das Virus erheblich zu schaffen macht.

„In manchen Bereichen des Einzelhandels klingelt im Lockdown gar nichts in der Kasse.“Frank Hanneken, HGV-Vorsitzender

„Am 7. März sind es insgesamt 16 Wochen, in denen wir seit Frühjahr 2020 im harten Lockdown sind“, rechnete er vor. „In manchen Bereichen des Einzelhandels klingelt im Lockdown gar nichts in der Kasse.“ Bei vielen stehe die Existenz auf dem Spiel.

Noch allerdings könne man nicht absehen, wie sich Corona konkret auf die Einzelhandelslandschaft in Friesoythe auswirken werde. „Vielleicht kommen wir“, so Hanneken, „wegen der Struktur und der vielen Familienbetriebe mit einem blauen Auge davon.“

Stadt wird freiwillige Leistungen im Sozialbereich nicht kürzen

Darauf hofft auch Bürgermeister Sven Stratmann. Zwar seien auch in Friesoythe die Gewerbesteuereinnahmen 2020 gesunken, für 2021 rechne die Stadt mit einem weiteren Rückgang. „Aber da wir einen guten Branchenmix und eine starke Landwirtschaft haben, ist es sicher einfacher, die Krise gut zu überstehen.“

Trotz der gesunkenen Einnahmen, der für 2021 geplanten hohen Investitionen und der möglichen Nettoneuverschuldung werde es jedoch im städtischen Haushalt keine Kürzungen bei den freiwilligen Leistungen und im sozialen Bereich geben, betonte Stratmann. „Im Moment muss sich da niemand Sorgen machen.“

„Wir haben Anreize geschaffen, um städtebauliche Missstände zu beheben.“Sven Stratmann, Bürgermeister

Mehr als Corona und seine Auswirkungen allerdings beschäftigte die Zuhörer die generelle Entwicklung der Innenstadt. Man habe, so etwa Georg Litmathe, jetzt einen wunderschönen Stadtkern. „Wie können“, so seine Frage, „Grundstücks- und Immobilieneigentümer motiviert werden, das Erscheinungsbild ihrer Häuser an das hohe Niveau anzupassen?“

Hier gebe es, gestand Stratmann, noch Optimierungsbedarf, auch wenn an einigen Stellen schon etwas geschehen sei. „Wir haben Anreize geschaffen, um städtebauliche Missstände zu beheben.“ So könnten Hauseigentümer im Sanierungsgebiet unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse bis zu 50.000 Euro für Sanierungsarbeiten bekommen.

Frank Hanneken fordert einen "Kümmerer"

Das allein genügt Frank Hanneken nicht. Die Stadt müsse in allen Belangen der Innenstadt, sei es der zunehmend herumliegende Müll, seien es Leerstände oder fehlgenutzte Ladenflächen und eben auch Haussanierungen, entweder die Eigentümer direkt ansprechen oder nach Lösungen suchen. „Da muss ein Kümmerer her“, so seine Forderung.

Mit dem Ruf nach der Stadt kann es nach Stratmanns Ansicht wiederum nicht getan sein. „Kümmerer sind wir alle als Gesellschaft“, forderte er. Aber natürlich sei die Stadt tätig, etwa was Leerstände betreffe oder auch Erdgeschossflächen, deren Nutzung nicht innenstadtgerecht sei. „Spielotheken gehören nicht in die Innenstadt“, sagte er.

„Der Alte Wasserturm ist auch ein sehr attraktiver Ort für die Gastronomie.“Sven Stratmann, Bürgermeister

Auch das Thema Gastronomie griffen die Zuhörer in ihren Fragen auf. Ob es denn ein Konzept gebe, das Angebot in dieser Branche zu verbessern, wollte einer der Teilnehmer wissen. Hier verwies Stratmann auf vorliegende Anfragen, denen zum Teil Interesse an ganz bestimmten Flächen zugrunde liege. „Wir hatten einen Interessenten, der im Alten Rathaus ein gutbürgerliches Lokal und eine Wein- und Whisky-Bar eröffnen würde“, erzählt er. Man müsse dafür die weitere Entwicklung bei den Umzugsplänen des Bildungswerkes abwarten.

Darüber hinaus könne er sich gut einen Umzug des Jugendwerkes in das bald frei werdende Gebäude der Ludgerischule vorstellen. „Der Alte Wasserturm“, so der Bürgermeister, „ist auch ein sehr attraktiver Ort für die Gastronomie.“


Nachgefragt bei Nicola Fuhler, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerkes Friesoythe

Wie sind Sie mit dem ersten virtuellen Politischen Themenabend zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden. Ich finde, das war ein sehr interessantes Gespräch, wir hatten viele Zuschauer, wir hatten gute vorab eingesandte Fragen und durch die Wortmeldungen während der Veranstaltung auch noch schöne spontane Beiträge und Ideen. Auch die Technik, die bei solchen Online-Veranstaltungen ja entscheidend ist, hat gut funktioniert.

Gab es schon Resonanz von Zuhörern?
Viel, und eigentlich durchgehend positive. Vor allem hat mich das Feedback von drei jungen Zuschauerinnen gefreut. Die sagten, dass sie mit Politik eigentlich nichts am Hut haben, es aber total spannend fanden. Zu einer Präsenzveranstaltung würden die nie gehen, so hatten sie einen niedrigschwelligen Einstieg und finden vielleicht Interesse an der Lokalpolitik.

Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?
Wir wollen beim nächsten Mal den virtuellen Warteraum früher öffnen. Aus technischen Gründen konnten wir die Teilnehmenden erst kurz vorher eintreten lassen. In der Wartezeit stand eine Mitarbeiterin des Bildungswerkes beratend per Telefon zur Seite, sodass wir trotzdem pünktlich um 18.30 Uhr beginnen konnten.

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