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Papst zeigt Reformen die kalte Schulter

Franziskus verweigert den katholischen Bischöfen aus Deutschland das Gespräch über Vorschläge des synodalen Weges. Das ist kein gutes Zeichen.

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Der Papst hat am Freitag die katholischen Bischöfe aus Deutschland versetzt. Das ist kein gutes Zeichen für den synodalen Weg. Eigentlich war Franziskus sowohl vom vatikanischen Presseamt als auch von der Deutschen Bischofskonferenz als Teilnehmer eines Gesprächs über die Reformwünsche der deutschen Katholiken angekündigt worden.

Doch dann durften die deutschen Bischöfe doch nur mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der Nummer zwei im Vatikan, und den Leitern der Behörden für Glaubenslehre und Bischöfe streiten. Immerhin außergewöhnliche vier Stunden. Ergebnisse noch nicht bekannt.

Franziskus soll schon bei einer ersten Audienz am Donnerstag genug gehört haben, kolportieren Vatikan-Kenner. Da habe man sich lange über wirklich Wichtiges ausgetauscht, also den Ukraine-Krieg oder die christliche Evangelisierung in der heute weithin säkularisierten Welt. Nur ganz am Schluss seien die synodalen Reformideen aus Deutschland kurz und knapp gestreift worden. Manchmal erklärt eine kalte Schulte einfach mehr als tausend Worte.

Der Pontifex hat zwar bekanntlich selbst einen weltweiten synodalen Prozess zu mehr Mitsprache und Mitwirkung der Laien angestoßen. Doch die Ergebnisse des in Deutschland durch Missbrauchskandale und eine tiefgreifende Vertrauenskrise ausgelösten Reformprojektes gehen Franziskus offensichtlich deutlich zu weit.

„Das ist noch kein Nein Roms zu den Reformvorschlägen des synodalen Weges. Aber ein frustrierender Fingerzeig.“Ulrich Suffner

In der Tat würden die von den deutschen Laien und der Mehrheit ihre Bischöfe formulierten Forderungen nach Weiheämtern für Frauen, nach mehr demokratischer Beteiligung bei den Bischofswahlen sowie nach einer neuen Ehe-Lehre und Sexualmoral die Struktur und Lehre der Kirche dramatisch verändern. Aus europäischer Perspektive zum Guten. Doch der argentinische Jesuit sieht wohl eher eine Anbiederung an den Zeitgeist und ernste Gefahr für die weltkirchliche Einheit.

Seine Behörden tragen ohnehin seit Monaten vor allem eines vor: Bedenken. Gegen eine grundlegende Änderung bei Bischofswahlen, gegen aus Bischöfen und Laien bestehende Leitungsgremien, gegen eine veränderte Lehre zur menschlichen Geschlechtlichkeit.

„Ein gutes aufeinander Hören, ein mühevolles Argumentieren und ein ehrliches Ringen miteinander“ hatte sich Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gewünscht. Erneuerung sei möglich ohne die Einheit zu gefährden. Doch muss am Reformwillen Roms mehr denn je gezweifelt werden. Sollten die Bischöfe ernsthaft gemeint haben, Franziskus ihre Reformvorschläge persönlich und ausführlich vortragen zu dürfen, wurden sie in dieser Woche bitter enttäuscht. Das ist noch kein Nein Roms zu den Reformvorschlägen des synodalen Weges. Aber ein frustrierender Fingerzeig.

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