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Oberwasser für Brückenbauer

Thema: Präsidentschaftswahl in Polen - Der PiS-Partei scheint die Kontrolle über die öffentliche Meinung entglitten zu sein. Das könnte eine Chance sein für Herausforderer Rafal Trzaskowski.

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Beschränkung von Presserechten, Unabhängigkeit der Justiz und Versammlungsfreiheit, Gleichschaltung der Medien: Polen hat sich in den vergangenen fünf Jahren immer weiter von demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen verabschiedet. Das Ziel dahinter ist klar: Die unter der Regie ihres mächtigen Chefs Jaroslaw Kaczynski allein regierende PiS-Partei will die Kontrolle über die öffentliche Meinung. Die scheint ihr jetzt aber entglitten zu sein.

Bei den Präsidentschaftswahlen ist PiS-Mann und Amtsinhaber Andrzej Duda nicht - wie erwartet - als strahlender Sieger aus dem ersten Urnengang hervorgegangen. Duda, der im Mai noch Zustimmungswerte von mehr als 50 Prozent hatte, musste sich letztlich mit 41 Prozent der Stimmen zufriedengeben. Sein liberaler Herausforderer, der kurzfristig nachnominierte Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski, holte stolze 30 Prozent.

Offenbar hat es Kaczynski mit seiner Mischung aus autoritärem Staatsumbau und narzisstischen Allmachtfantasien zu weit getrieben. Gerade in Zeiten der Corona-Pandamie kam das nicht mehr gut an. Und auch Dudas Idee, sich als Brandstifter zu betätigen, indem er die Opposition beschimpfte und Homosexuelle verunglimpfte, schlug fehl. Denn gerade in den zahlreichen weltoffenen und urbanen Zentren des Landes – von Danzig bis Krakau – hat sich der Wind gedreht. Vor allem dort hat Trzaskowski mit seiner vermittelnden Art gepunktet.

Oberwasser für den Brückenbauer: Ob es auch reicht, um ins Präsidentenamt gespült zu werden, wird sich bei der Stichwahl zeigen.

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