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Null Emissionen: SPD und Grüne fordern klimaneutrales Wohngebiet

Die Stadt soll einen "Klimaschutzfahrplan" erarbeiten, der künftig bei der Aufstellung von Neubaugebieten gilt. Das muss aus Sicht der Parteien nicht wesentlich teurer für Häuslebauer werden.

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Begehrtes Gut: Die Nachfrage nach Grundstücken in Lohne – im Bild eine Impression aus dem Neubaugebiet Voßberg-Nord – ist weiterhin hoch. SPD und Grüne fordern, dass die Ausweisung von Bauland künftig nach Kriterien der Klimaneutralität erfolgt. Foto: Timphaus

Begehrtes Gut: Die Nachfrage nach Grundstücken in Lohne – im Bild eine Impression aus dem Neubaugebiet Voßberg-Nord – ist weiterhin hoch. SPD und Grüne fordern, dass die Ausweisung von Bauland künftig nach Kriterien der Klimaneutralität erfolgt. Foto: Timphaus

Es wäre ein Novum im Landkreis Vechta: Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Lohner Stadtrat fordern die Ausweisung eines klimaneutralen Wohngebietes. In einem gemeinsamen Antrag, über den am Dienstag (13. April) die Mitglieder des Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschusses beraten, machen sich die Parteien für den Start eines Pilotprojekts in naher Zukunft stark.

Zudem soll die Stadt einen "Klimaschutzfahrplan" erarbeiten, der künftig bei der Aufstellung von Neubaugebieten Anwendung findet. In dem Schreiben, das die Fraktionsvorsitzenden Eckhard Knospe (SPD) und Walter Mennewisch (Grüne) unterzeichnet haben, ist die Rede von einer zu erstellenden "Machbarkeitsstudie zur klimaneutralen Gestaltung in zukünftig zu entwickelnden Wohngebieten/Wohnquartieren".

Zur Begründung führen die beiden Oppositionsparteien den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung an, der sich an den Zielen des Pariser Abkommens orientiert. "Unser aller Ziel ist es, bis spätestens 2050 CO₂-neutral zu produzieren, Energie zu erzeugen und zu wohnen. Um dieses Ziel auch tatsächlich erreichen zu können, bedarf es geeigneter Maßnahmen, die bereits heute ergriffen werden müssen", heißt es in dem Antrag.

Klimaneutralität soll zum Standard erklärt werden

Bezogen auf die Stadt Lohne bedeutet dies nach Angaben von SPD und Grüne, Einfluss über die Bauleitplanung zu nehmen, um das Null-Emissionen-Ziel zu erreichen. Die beiden Parteien sprechen sich dafür aus, von den zur Verfügung stehenden Instrumenten bei der Festsetzung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen Gebrauch zu machen und so die Rahmenbedingungen für neue Wohngebiete und -quartiere zu schaffen.

SPD und Grüne drücken dies wie folgt aus: "Das Ziel bei der Planung eines neuen Wohnbaugebietes muss es sein, die Klimaneutralität zum Standard zu erklären." Dazu ist es aus Sicht der Parteien notwendig, dass die Stadt einen "Klimaschutzfahrplan" entwickelt.

Nachhaltigkeit verursacht nicht wesentlich höhere Baukosten

Null Emissionen gleich teures Bauen? Das muss aus Sicht von SPD und Grünen nicht sein. Im Antrag heißt es, dass verschiedene Berechnungen zeigten, dass nachhaltig gebaute Wohngebäude "nicht wesentlich höhere Baukosten verursachen müssen". Die Kostensteigerung eines klimaneutralen Wohngebäudes sei, so geben SPD und Grüne es zu Protokoll, circa 6 Prozent höher als die herkömmliche Bauweise. Ein weiterer Vorteil könnte aus Sicht der Antragssteller der Wegfall von Leitungsnetzen für Gas und Oberflächenentwässerungen sein.

SPD und Grüne fordern die Stadt dazu auf, verschiedene Punkte bei der Erstellung der Machbarkeitsstudie zu berücksichtigen. So solle der Energiebedarf unter Annahme eines "durchmischten Wohngebietes" – also mit Ein- und Mehrfamilienhäusern, Mehrgenerationenhäusern und Reihenhäusern – ermittelt werden.

Knospe und Mennewisch wollen wissen: Wie hoch ist die Versorgungslast, die ausschließlich durch erneuerbare Energien im Wohngebiet selbst zu erzeugen ist? Als Beispiele zählen sie Photovoltaikanlagen, Solarthermie, Geothermie, Luft-Luft-Wärmepumpen wie auch Kleinanlagen zur Energiegewinnung mittels Windkraft und Biomasse auf.

Bauen nach dem Cradle-to-Cradle-Konzept

Weiter soll die Stadt in Erfahrung bringen, welche baurechtlichen Möglichkeiten es gibt, um alternative beziehungsweise regenerative Energien im Wohngebiet selbst zu erzeugen. 

"Cradle to Cradle" (C2C), von der Wiege zur Wiege: Im vergangenen November war die Lohner Stadtverwaltung beauftragt worden, sich über dieses Konzept der Ökoeffektivität eingehend zu informieren. SPD und Grüne greifen das Thema in ihrem gemeinsamen Antrag nun wieder auf. Sie fordern dazu auf, dass Baumaßnahmen auf das C2C-Konzept ausgerichtet beziehungsweise mittels neutral hergestellter Materialien durchgeführt werden.

Parteien fordern Regenwassermanagement

Um eine nachhaltige dezentrale Regenwasserbewirtschaftung zu erreichen, sehen es SPD und Grüne als zielführend an, dass die Versickerung beziehungsweise Rückhaltung des Regen- und Oberflächenwassers durch eine intelligente Entwässerung und das Sammeln von Wasser erfolgt.

  • Info: Die Mitglieder des Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschusses beraten am Dienstag (13. April) über den gemeinsamen Antrag von SPD und Grüne. Beginn ist um 17 Uhr in der Aula der Realschule. Vor der Sitzung werden Corona-Schnelltests durchgeführt. Aus zeitlichen Grünen bittet die Stadt die Teilnehmer darum, sich bereits um 16.30 Uhr in der Realschule einzufinden. Während der Sitzung ist eine FFP2-Maske zu tragen.

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