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"Notkandidat" genügt gegen Varnhorn nicht

Mit dem Personalverschlag der CDU-Spitze fürs Bürgermeisteramt stehen die kleineren Fraktionen unter Druck. SPD und Grüne strecken ihre Fühler schon bis nach Hannover aus.

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Ganz am Anfang: So startete der Rat vor fast drei Jahren. Zwei Ratsmitglieder, Heinz-Georg Berg (links) und Ludger Böckmann (Mitte), leben nicht mehr. Im nächsten Herbst wird ganz neu gewählt. Foto: Kreke

Ganz am Anfang: So startete der Rat vor fast drei Jahren. Zwei Ratsmitglieder, Heinz-Georg Berg (links) und Ludger Böckmann (Mitte), leben nicht mehr. Im nächsten Herbst wird ganz neu gewählt. Foto: Kreke

Das Glück der CDU ist das Problem der Konkurrenz: Weit und breit drängt sich im Kreis Cloppenburg kein aussichtsreicher "Gemeinschaftskandidat" auf, der Kreisrat Neidhard Varnhorn (CDU) Paroli bieten könnte, selbst wenn sich SPD, Unabhängige und Grüne zusammentun.

Anders als die CDU, die an entscheidenden Stellen in den Verwaltungen und der Wirtschaft ihre "Eigengewächse" über Jahre und Jahrzehnte im Blick hat, verfügt die Opposition über kein nennenswertes Reservoir an erprobten Führungskräften in der Region. Die Folge: Auf der Suche nach qualifizierten Bewerbern und Bewerberinnen strecken SPD und Grüne ihre Fühler bis in die niedersächsischen Parteizentralen aus. Der Nachteil: Mit "Stallgeruch", mit echter Kenntnis der Südoldenburger Eigenheiten, können "Importe" nicht aufwarten. SPD-Fraktionschef Jan Oskar Höffmann hält diese Not sogar für eine Tugend.

Ein Kandidat oder eine Kandidatin, die frei von örtlichen Verquickungen und Festlegungen auf eine Partei arbeite, werde "den Ansprüchen der Bürger am besten gerecht", meint der Sozialdemokrat, der offen für ein Personalbündnis mit Grünen und Unabhängigen eintritt. "Das ist meine Wunschvorstellung", sagt Höffmann. Ein oder kein Parteibuch wäre so zweitrangig.

Höffmann als Bürgermeisterkandidat?

Die in CDU-Kreisen kursierende Vermutung, Höffmann selbst könnte mit dem Spitzen­amt liebäugeln, wird also höchst unwahrscheinlich, auch wenn der Fraktionschef eine klare Absage (noch) vermeidet. Dass der ambitionierte Jurist als "Verlegenheitskandidat" antreten könnte, sollte die Suche nach dem "Traumbewerber" fehlschlagen, passt kaum in sein Profil, da sich Höffmann niedersachsenweit für die SPD auf etlichen Themenfeldern tummelt: Sowohl eine Wahlniederlage wie ein Wahlsieg wären da eher ein Klotz am "politischen Spielbein". Zudem gilt: Jeder "Notkandidat" würde angesichts der Qualitäten Varnhorns eher als Zeichen der Schwäche denn als echte Alternative wahrgenommen.

Die Suchenden geben sich dennoch hoffnungsfroh. „Ich bin überzeugt, dass wir eine spannende Kandidatur hinbekommen“, unterstrich Höffmann gestern nach einer Klausurtagung seines Ortsvereins. Druck spürt er angeblich nicht: "Wir befinden uns absolut in unserem Zeitplan." Die SPD hat angeblich "schon ein paar interessante Namen auf dem Zettel", ließ ein Ratsmitglied durchblicken. So weit sind die Grünen noch nicht.

"Wir brauchen noch ein bisschen Zeit", sagt Fraktionschef Michael Jäger. Nach den ersten losen Gesprächen mit der UWG will der 68-Jährige, der erneut für den Rat kandidiert, konkretere Absprachen abwarten. Das Anforderungsprofil ist jedoch klar: "Offen, überparteilich und ein bisschen visionär", "gern weiblich, aber nicht als Bedingung",sagt Jäger, denn Frauen, die sich in und für Führungspositionen empfohlen haben, sind rar.

Varnhorn ist für Grüne kein "Traumkandidat"

Hinzu kommt das berufliche Risiko. Der Ausgang ist trotz der Verluste der CDU bei der letzten Wahl und dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit im Rat "keine sichere Bank", weiß auch Jäger. Wer in Cloppenburg antritt, muss für den Fall eines Scheiterns in die alte Position zurückkehren können oder fällt tief.

Eine Unterstützung von Varnhorn kann sich Jäger trotz eines Gesprächsangebots der CDU nicht vorstellen. "Eine Wahl ist nur eine Wahl, wenn man eine Auswahl hat", betont er. Für die Grünen ist Varnhorn "nicht unser Traumkandidat, auch wenn niemand seine Kompetenz abstreitet". Aber: Nachdem der CDU-Vertreter jahrelang die oft von den Grünen und Unabhängigen bekämpften Beschlüsse der Kreistagsmehrheit verteidigt und umgesetzt hat, sei unklar, wie er jetzt überparteilich andere Positionen vertreten könne, meint Jäger.

Auch sein SPD-Kollege zweifelt: Ein eigenes politisches Profil sei bei Varnhorn nicht erkennbar, meint Höffmann. Im Wahlkampf werde der Kreisrat Farbe bekennen müssen, was er selbst wolle und wie er Beschlüsse anderer Mehrheiten umsetze.

Freiraum zum Gestalten statt Verwalten

Bei ihrer Suche könnte den kleineren Fraktionen zumindest die neue Personalstruktur im Rathaus zu Hilfe kommen. Seit der Bürgermeister von einem Allgemeinen Vertreter und einer Stadrätin unterstützt wird, ist das Spitzenamt von Verwaltungsaufgaben so weit entlastet, dass ein "politischer Bürgermeister" ohne ausgewiesene Verwaltungskarriere handlungsfähig geworden ist. Der Freiraum zum Gestalten statt Verwalten ist gewachsen.

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