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Notizen aus der Endspurt-Woche

Kolumne: Batke dichtet – Auch wenn die wachsende Verdrossenheit bei der Niedersachsenwahl aufgrund des Wahlkampfs nicht verwundert, ist das Nichtwählen eine falsche Schlussfolgerung.

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Endspurt-Woche im Wahlkampf, die meisten Argumente sind ausgetauscht, in den Innenstädten wird zur finalen Schlacht geblasen, um auch noch die Unentschlossenen zu überzeugen. Insbesondere die Christdemokraten haben hierzulande in den letzten Tagen vor der Niedersachsenwahl am Sonntag noch einmal mobil gemacht und sogar ihren Bundesvorsitzenden Friedrich Merz zusammen mit dem Spitzenkandidaten Bernd Althusmann in Vechta in die Bütt geschickt. Politischer Aschermittwoch light in Südoldenburg.

Von Herrn Althusmann habe ich vor einigen Tagen sogar eine Postkarte ins Haus bekommen. Ein „Postwurfspezial“, vorschriftsmäßig abgestempelt, sogar mit Briefmarke versehen. Und die hatte ein besonders originelles Motiv. Nicht etwa das Niedersachsenpferd, grasende schwarzbunte Kühe oder ein schmuckes LNG-Terminal – nein, es war Herr Althusmann selbst, der mich da von der Briefmarke anstrahlte. Man sollte sie ausschneiden, vielleicht wird sie eines Tages ein rares Sammlerstück sein.

Was er mir geschrieben hat, wollen Sie wissen? Ganz genau kann ich mich nicht erinnern; ich glaube, er meinte, dass es Zeit sei für „Lösungen und Zuversicht“. Ach ja, eine etwas kryptische Formulierung ist noch hängengeblieben: „Die Ampel kostet. Rot-Grün noch mehr“. Wobei man durchaus die Frage aufwerfen könnte, was wohl Schwarz-Grün kosten würde. Zumal ein Wahlgewinner Althusmann zur Brautsuche ins Grüne aufbrechen müsste.

"Es wäre jammerschade, wenn das Geschenk freier, unabhängiger und geheimer Wahlen von mehr als einem Drittel der Stimmberechtigten ignoriert würde."Alfons Batke

Nun, so richtig umgehauen hat mich der Wahlkampf nicht. Am markantesten ins Auge gestochen sind mir einige Plakate der Grünen. Jedoch nicht aufgrund der Parolen (irgendwas mit „CO2“), sondern weil sie in meiner Heimatstadt Lohne so dicht an der Straße hingen, dass ich Mühe hatte, sie nicht umzufahren. Eher im Bereich galliger Humor ist der AfD-Slogan „Keine Spaltung“ anzusiedeln. Und die Linken, so las ich, zogen jetzt ihr letztes Ass aus dem Ärmel, indem sie für unser Land einen zusätzlichen Feiertag (8. März, Weltfrauentag, fällt nächstes Jahr auf einen Mittwoch) fordern.

Irgendwie kommt mir beim Sinnieren über knackige Wahlkämpfe das Jahr 1972 in den Sinn. Genau vor 50 Jahren lief das fesselnde Duell zwischen Willy Brandt und Rainer Barzel. Letztgenannter hatte schon im Frühjahr '72 versucht, Brandt mit einem Misstrauensvotum im Bundestag zu stürzen, was jedoch misslang. Dennoch gab es vorgezogene Wahlen (19. November), nicht zuletzt wegen des ebenso einfachen wie genialen Slogans „Willy wählen“ fuhr Brandt mit 45,8 Prozent das beste SPD-Wahlergebnis aller Zeiten ein. Die CDU-Parole „Die SPD muss weg“ verfing nicht in gewünschtem Maß, Barzel (44,9 Prozent) hatte knapp das Nachsehen.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich will keinesfalls alte Zeiten glorifizieren. Aber dass seinerzeit 91,1 Prozent aller Wahlberechtigten an die Urnen gingen und es zuletzt bei der Niedersachsen-Wahl nur 63,1 Prozent waren, zeugt von wachsender Verdrossenheit. Es wäre jammerschade, wenn das Geschenk freier, unabhängiger und geheimer Wahlen von mehr als einem Drittel der Stimmberechtigten ignoriert würde. Deshalb: Geht wählen!


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de

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