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Niedersachsen will die "roten Gebiete" genauer eingrenzen

Noch 2021 soll es eine Regionalisierung in den Teilen des Landes geben, wo das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet ist. Der Vechtaer Kreislandvolkverband sieht zumindest die richtige Richtung.

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Umweltminister Olaf Lies. Foto: Sina Schuldt/dpa

Umweltminister Olaf Lies. Foto: Sina Schuldt/dpa

Im Kampf gegen die Überdüngung des Bodens will die Landesregierung stärker auf regionalisierte Lösungen setzen. Ziel sei eine wirklich verursachergerechte Ausweisung der nitratbelasteten Gebiete, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Hannover.

Geplant sei die Einführung eines mehrphasigen Modells. Bis November solle es eine Regionalisierung in den Teilen des Landes geben, in denen das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet ist. «Uns eint ein Grundwasserschutz, der prioritär ist und auf der anderen Seite dafür sorgt, dass der landwirtschaftliche Betrieb, der nicht Verursacher ist, auch nicht zum Betroffenen wird», sagte Lies. Das Phasenmodell gehe nun in die Verbandsanhörung und solle Ende des Monats vom Kabinett verabschiedet werden.

Landwirte müssen laut Düngeverordnung in Gebieten mit einer hohen Nitratbelastung, den «roten Gebieten», ihre Düngung reduzieren - sie müssen 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanzen bleiben, was geringere Erträge zur Folge hat. Aufgrund massiver Proteste der Landwirte hatten Landesumwelt- und -Agrarministerium zugesagt, die Verordnung über die Ausweisung dieser Gebiete nochmals zu überarbeiten.

"Es kann nur ein Anfang sein, denn ein echtes Verursacherprinzip gibt es immer noch nicht."Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta

„Wir hatten mit unserer Kritik an der Neuausweisung der Roten Gebiete offensichtlich Recht, sonst hätte es diese Neuausweisung so nicht gegeben.", sagt Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta am Montag gegenüber OM online. Die Landesregierung habe sich nun langsam aber sicher auf den richtig Weg gemacht, dieser sei aber noch nicht zu Ende. "Es kann nur ein Anfang sein, denn ein echtes Verursacherprinzip gibt es immer noch nicht. Das brauchen wir aber, weil wir Landwirte wissen wollen, was wir tun oder lassen sollen", so Wilking. Das Ziel sei dabei unverändert: "Dass wir mit unseren Betrieben aus den ,roten Gebieten' wieder herauskommen.“

Für die Betriebe im Landkreis Cloppenburg hat die Überarbeitung der roten Gebiete so gut wie keine Folgen. „Für mich ändert sich nichts“, sagt Andreas Thobe. Der Essener hat auf seinen Flächen bereits deutlich unter dem Pflanzenbedarf gedüngt. Bevor er das Güllefass hinter seinen Trecker spannte, hatte Thobe sich mit einem Berater zusammengesetzt, der ihm die Rechtslage erklärte. „Heute entscheidet nicht mehr der landwirtschaftliche Sachverstand darüber, wie viel gedüngt werden darf“, kritisiert er. Er rechnet im Sommer mit Mindererträgen. Das Problem: „Die erlaubte Düngermenge richtet sich nach der durchschnittlichen Ertragsleistung. Wenn die sinkt, werde ich in Zukunft noch weniger düngen dürfen.“ Die Abwärtsspirale sei damit vorprogrammiert.

Umweltschützer kritisieren die Ankündigung

Erwartbare Kritik an dem angekündigten Modell gibt es von Umweltschützern. "Dass sich Minister Olaf Lies unter dem Mantel des Niedersächsischen Weges für eine weitere Aufweichung der Gebietskulisse einsetzt, ist für den BUND inakzeptabel", erklärt Susanne Gerstner, Geschäftsführerin des BUND Niedersachsen. Eine weitere Reduzierung der Gebietskulisse sei ein deutlicher Rückschritt für den Gewässerschutz. "Die Aufgabe muss sein, das Nitrat im Grundwasser und nicht die ,roten Gebiete' zu reduzieren."

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