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Niedersachsen plant bis zu 60 Corona-Impfzentren

Noch ist kein Mittel gegen das Virus zugelassen. Die Planung für das Impfen großer Gruppen ist aber abgeschlossen. Für das Oldenburger Münsterland sieht das Konzept 2 Standorte vor. (Update 18.30 Uhr)

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Symbolfoto: dpa

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Sobald ein Impfstoff verfügbar ist, sollen in Niedersachsen große Teile der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft werden. Bis zu 60 Impfzentren sollen landesweit auf die Regionen verteilt eingerichtet werden, kündigte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Impfstrategie des Landes an. Die Zahl der infizierten Menschen in Niedersachsen stabilisiert sich aktuell auf hohem Niveau.

Wann die Impfungen tatsächlich losgehen, kann Ministerin Reimann noch nicht sagen. Zunächst sollen mobile Teams das Personal in Kliniken und Pflegeheimen impfen, oberste Priorität haben auch Risikogruppen. Zu Beginn wird erwartet, dass nur eine sehr begrenzte Zahl von Impfdosen zur Verfügung steht. Später sollen die Hausarztpraxen die Impfungen übernehmen.

Wo genau sollen die Impfzentren entstehen?

"Orte und die exakte Zahl der Impfzentren werden sich in den kommenden Wochen ergeben", sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Aufbau und Betrieb liegen in der Hand der Landkreise und kreisfreien Städte, an der Organisation der Massenimpfungen sollen der Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen und die Polizei beteiligt werden. Wie der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages, Hubert Meyer, sagte, ist an Stadtteil- und Veranstaltungszentren als Impforte gedacht. Erreichbarkeit und eine gute Internetanbindung sind wichtig.

Als Berechnungsgröße sieht das Land pro Standort durchschnittlich etwa 150.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vor. Mit Ausnahme des Landkreises Lüchow-Dannenberg soll mindestens ein Impfzentrum pro Kreis und kreisfreier Stadt installiert werden. Nach dem veröffentlichten Konzept sind für den Landkreis Cloppenburg (etwa 170.000 Einwohner) und Vechta (etwa 140.000 Einwohner) jeweils ein Impfzentrum geplant. 

Wo genau sich die Impfzentren in den Kreisen Cloppenburg und Vechta befinden werden, ist derzeit noch unklar. Jochen Steinkamp, Sprecher des Landkreises Vechta, erklärte am Donnerstag auf Anfrage von OM online, dass die Behörde auf Grundlage der Strategie ein "regionales Umsetzungskonzept" entwickeln werde. Darin soll dann auch der finale Standort festgelegt werden. Frank Beumker, Sprecher des Landkreises Cloppenburg, teilte auf Nachfrage mit, dass die "intensive Suche" und die Prüfung durch den Landkreis bereits auf Hochtouren laufen. "Die Zuständigkeit muss noch geklärt werden." Zur personellen und organisatorischen Ausstattung liegen der Behörde aber noch keine Informationen vor.

Wann werden die Impfzentren eingerichtet und wie lange sollen sie betrieben werden?

Dass die Impfzentren gleich zu Beginn des nächsten Jahres in Betrieb gehen, hält Ministerin Reimann für unwahrscheinlich, die ersten Impfungen werden wohl in der Hand der mobilen Teams liegen. Eine Rolle spielen werden auch die Zahl der zugelassenen Impfstoffe, die Menge, in der sie nach Niedersachsen geliefert werden sowie die Lagerbedingungen. Neben dem Impfstoff von Biontech und Pfizer, der bei minus 70 Grad gelagert werden muss, setzt man auf weitere Impfstoffe, bei denen Kühlschranktemperatur ausreicht und das Handling einfacher ist. Dies soll es später erleichtern, die Impfungen den Hausarztpraxen zu überlassen.

Wer kann sich impfen lassen, wer wird als erstes geimpft, wie werden die Prioritäten festgelegt?

Die Impfzentren sollen vorrangig in Niedersachsen Versicherten offen stehen, mit Blick auf Berufspendler wird aber auch an Regelungen mit Nachbarländern gedacht. Bundesweit wird die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut die Prioritäten festlegen, Vorrang haben Risikogruppen sowie Beschäftigte in Kliniken, Heimen, Kindergärten und Schulen.

Wie bekomme ich einen Termin?

Das Land plant ein einheitliches, zentrales Terminmanagement, das neben Onlinebuchungen auch auf ein Bürgertelefon und einen Bürgerservice setzt. Erforderlich ist nach der ersten Impfung ein 2.  Termin, je nach Impfstoff nach 14 oder 21 Tagen. Geprüft wird noch, wie bei der Terminvergabe gewährleistet werden kann, dass jemand zu einer Risikogruppe gehört und sich niemand vordrängelt. Möglicherweise soll dies über einen QR-Code geschehen, den man zuvor von seinem Arzt erhält.

Und wer bezahlt die Impfung?

Die Impfung zahlt die Krankenkasse, der Versicherte muss nichts bezahlen.

Gibt es genug Personal für die Massenimpfung, wer soll die Impfungen vornehmen?

Die Rekrutierung des ärztlichen Impfpersonals wird das Land in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung übernehmen, es ist ein Aufruf geplant. "Die knappste Ressource ist das Personal", sagte Ministerin Reimann. Allerdings sei es auch zum Betrieb der Corona-Testzentren gelungen, die erforderlichen Ärzte zu finden. Geplant sei das Gründen von Impfteams bestehend aus jeweils einem Arzt und einer Reihe zum Impfen befugter Helfer. Ein Impfteam soll 20 Menschen pro Stunde impfen können.

Wird zur Impfung aufgerufen, ist möglicherweise eine Impfpflicht geplant?

"Es wird keine Impfpflicht geben, ich erwarte eher, dass sich viele eine Impfung wünschen", sagte Reimann. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass sich viele impfen lassen wollen." Das Land werde umfangreich über die Impfung informieren. Geplant ist eine Dokumentation des Impfverlaufs, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen und weitere medizinische Erkenntnisse zu gewinnen.

Und wie soll die Logistik bewältigt werden?

Insbesondere die Kühlung von Impfstoff auf minus 70 Grad ist eine besondere Herausforderung, sagt Reimann. Ein Logistikunternehmen soll sich um die Anlieferung des Impfstoffes einschließlich des erforderlichen Trockeneises kümmern, die Lagerungszeit ist begrenzt. Jedes Impfstoffzentrum muss zwingend eine Kühlung vorhalten mit durchgängiger Temperaturkontrolle und -dokumentation.

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