Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Nie mehr "Land unter": Damme will sich besser vor Überflutungen schützen

Die EDV soll es richten. Per Computer und einer digitalen Geländekarte wollen Fachleute ermitteln, wie das Wasser bei starkem Regen in Damme abfließt und welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind.

Artikel teilen:
Land unter: Um Überflutungsschäden zukünftig möglichst gering zu halten, will die Stadt Damme eng mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband zusammenarbeiten. Foto: Bergmann

Land unter: Um Überflutungsschäden zukünftig möglichst gering zu halten, will die Stadt Damme eng mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband zusammenarbeiten. Foto: Bergmann

Es waren am 13. Juni 2020 dramatische Bilder. Nach heftigem Regen mit bis zu 70 Millimetern pro Stunde standen große Teile der Dammer Innenstadt, aber auch einige Bauerschaften unter Wasser. Die Schäden an Gebäuden waren teilweise erheblich. Es war die dritte Überflutung nach 2016 und 2018.

Seitdem laufen Überlegungen, wie sich die Folgen solcher – im Behördendeutsch genannten – "Starkregenereignisse" zumindest verringern lassen. Schritt 1: die Bestandsaufnahme. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) plant für sein gesamtes Verbandsgebiet, und damit auch für die Stadt Damme, eine Starkregen-Gefahrenkarte zu erstellen.

Ausschuss stimmt für Kooperation Dammes mit Wasserverband

Sie soll unter anderem zeigen, welche Gebiete in den einzelnen Kommunen bei übermäßigen Regenfällen von Überflutungen betroffen sind. Und: Was als Schutz zu tun ist, wenn die Kanalisation das Wasser nicht mehr aufnehmen kann.

Der Grundstücks- und Straßenbauausschuss hat sich in seiner am Montag im Rathaus von Heinrich Lehmkuhl (CDU) geleiteten Zusammenkunft dafür ausgesprochen, dass die Stadt bei diesem Projekt mit dem Wasserverband kooperieren soll. Die Kosten für die notwendigen Planungen durch ein Ingenieurbüro wird nach Angaben des OOWV-Regionalleiters Kay Schönfeld der Wasserverband tragen.

Der Hintergrund: Nach den starken Regenfällen in den Jahren 2016, 2018 und 2020 mit bis zu 70 Millimetern Niederschlag oder 70 Litern pro Quadratmeter und Stunde hatte die Stadt bereits mit dem OOWV sowie der Vechtaer Wasseracht und dem Unterhaltungsverband Hunte sowie dem Bauhof Gefährdungsanalysen erarbeitet. Wie Rolf Mähler, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, dazu ausführte, legten sie einen Arbeitsablauf im Falle eines Falles fest. Zu den Maßnahmen gehörte der Bau des Regenrückhaltebeckens im Bereich Westring/Holdorfer Straße.

Schutzmaßnahmen sind kommunale Gemeinschaftsaufgabe

Kay Schönfeld stellte klar, nicht alles im Bereich des Überflutungsschutzes sei Aufgabe des OOWV und der Stadt. Auch die Grundstückseigentümer und die Wasserachten seien gefordert. Es handele sich um eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe.

Für die Starkregen-Gefährdungskarte werden Ingenieure ein dreidimensionales Geländemodell des Dammer Stadtgebietes erstellen. Es wird alle Flächen beinhalten. Kay Schönfeld verwies darauf, dass Damme wegen der Dammer Berge eine Besonderheit innerhalb des Verbandsgebietes sei. In der norddeutschen Tiefebene verteile sich das Regenwasser viel breiter.

Experten untersuchen verschiedene Parameter

Dabei untersuchen die Fachleute unter anderem die vorhandenen Gewässer und die Versickerungsfähigkeit des Bodens. Ferner ermitteln sie auf der Grundlage des Geländemodells zum Beispiel die Speicherkapazität von Regenrückhaltebecken und natürlichen Mulden.

In einem weiteren Schritt berechnen sie die Abflusswege des Regenwassers. Dabei lassen sich die Folgen für die einzelnen Gebiete bei unterschiedlich starken Regenfällen simulieren.

Kay Schönfeld verwies auf das Oldenburger Stadtgebiet, für das es eine solche Karte samt Handlungsempfehlungen im Falle eines Falles bereits gibt. Ein Ergebnis sei die Sperrung bestimmter Straßenabschnitte, um Schäden an Gebäuden zu vermeiden, wenn das Kanalnetz bei heftigen Regenfällen überstaut sei.

Wegen Dammer Berge ist Situation in Damme eine besondere

Mit Blick auf Damme erklärte der Regionalleiter, die Innenstadt sei wegen der Topografie ein besonders gefährdeter Bereich. Das Dammer Regenkanalnetz wird nach Worten Kay Schönfelds nach der endgültigen Umsetzung des Generalentwässerungsplanes ein Fassungsvermögen von maximal 35 Millimetern Niederschlag pro Stunde haben. Mehr sei aus Kostengründen nicht möglich.

Im März des kommenden Jahres rechnet Kay Schönfeld damit, dass Aussagen zum gesamten Stadtgebiet auf Grundlage der Starkregen-Gefahrenkarte möglich sind. Dann werde der OOWV zusammen mit der Stadt beraten, was konkret umgesetzt werden könne. Dabei sei es möglich, vom Computer direkt berechnen zu lassen, wie sich eine Einzelmaßnahme auf andere Bereiche auswirken würde.

"Damit kann sich schon etlicher Schaden abhalten lassen."Bernard Decker, CDU-Ratsherr

Außerdem forderte er, die Ableitung des Regenwassers müsse wieder ein Thema bei der Städteplanung werden. Das sei sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht gewesen.

Ratsherr Bernard Decker, CDU, begrüßte das Vorhaben, betonte aber auch, grundsätzlich sei es wichtig, die Einläufe der Kanalisation und die Durchläufe freizuhalten. Sie dürften nicht verstopft sein: "Damit kann sich schon etlicher Schaden abhalten lassen."

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Nie mehr "Land unter": Damme will sich besser vor Überflutungen schützen - OM online